D-Day: Die größte Landeoperation aller Zeiten
Die Westalliierten hatten die Landung ihrer Truppen in der Normandie lange vorbereitet und ihnen gelang das eigentlich Unmögliche. Unter größter Geheimhaltung und mit allerlei Tricks täuschten sie die deutsche Militärführung monatelang über die bis heute größte Landeoperation aller Zeiten hinweg. Selbst als die zumeist aus den USA, Großbritannien und Kanada stammenden Soldaten bereits an fünf Stränden in Nordfrankreich gegen etwa 30.000 Deutsche kämpften, glaubte das deutsche Oberkommando noch an ein Ablenkungsmanöver der Alliierten.
Die deutschen Generäle hatten wohl mit der "Invasion" gerechnet - allerdings dort, wo der Seeweg zwischen Großbritannien und Frankreich am kürzesten ist: nahe Calais. Dort standen die meisten deutschen Truppen. Dort entsprach der so genannte Atlantikwall zumindest ungefähr der verbreiteten Propaganda. In den übrigen Abschnitten der insgesamt mehr als 4.600 Kilometer langen Küstenlinie lagen die deutschen Bunker, Maschinengewehrnester, Minenfelder und Drahtverhaue bei weitem nicht so dicht an dicht.
Von den lückenhaften Befestigungen in der Normandie wussten auch die Westalliierten. Sie wussten aber auch, dass die "Operation Overlord", wie sie die Landung nannten, trotzdem riskant war. Sie wussten, dass der militärische Verlauf in den ersten 24 Stunden über Erfolg oder Desaster entscheiden würde. Sie wussten, dass ihre größte Chance in der zahlenmäßigen und materiellen Überlegenheit und im Überraschungsmoment bestand. An der Invasion beteiligten sich mehr als 1 Million Westalliierte Soldaten, davon landeten allein am ersten Tag der Offensive 170.000 an den Stränden der Normandie. Die Truppen vor Ort führte der Brite Bernard Law Montgomery an, Oberbefehlshaber war der US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower.
Um die Deutschen annehmen zu lassen, die Invasion würde bei Pas-de-Calais oder in Norwegen stattfinden, starteten die Alliierten im Vorfeld die so genannte Operation Fortitude. Diese Operation wurde in zwei Teile aufgeteilt – „Fortitude North“ (Norwegen, Briten) und „Fortitude South“ (Pas-de-Calais, Amerikaner).
Im Südosten Englands wurde daher die fiktive First U.S. Army Group („FUSAG“) unter dem Befehl von Lesley J. McNair und George S. Patton aufgestellt. Als sichtbare Ausrüstungsgegenstände der FUSAG dienten im Gegensatz zur allgemein verbreiteten Meinung keine Panzer-, Flugzeug- und Artillerieattrappen, da zu dieser Zeit deutsche Aufklärungsflüge über England nicht stattfanden, allerdings bestärkte falscher Funkverkehr die deutschen Vermutungen, dass die Invasion im Gebiet des Pas-de-Calais stattfinden sollte. So wurde von der Rekrutierung der Soldaten aus den unterschiedlichsten US-Staaten berichtet. Fiktive Befehlshaber wurden erfunden und komplette Baseball- und Footballspiele zwischen den Abteilungen übertragen. Auch Privatnachrichten von den nicht-existenten Soldaten zurück in die Heimat wurden verlesen.
Die Deutschen hatten ein großes Netzwerk von Spionen in Großbritannien installiert, die allerdings zu den Alliierten überliefen und als Teil des „Double Cross Systems“ falsche Informationen über Ort und Konzentration der englischen Truppen lieferten. Gleichzeitig wurden auch Attrappen von Landungsbooten in den Häfen in Südost- und Ostengland platziert, die von der deutschen Luftwaffe fotografiert wurden und so die Annahme einer Invasion im Pas-de-Calais-Bereich erhärteten.
Im Verlauf der Operation Fortitude North wurde von Schottland aus Funkverkehr simuliert, um die Deutschen glauben zu lassen, dass eine Invasion in Norwegen stattfinden würde. Als Konsequenz beließen die Deutschen Truppenverbände in Norwegen, die sonst nach Frankreich verlegt worden wären. Auch die Briten kreierten eine nicht existente Armee, die 4. Britische Armee, die als fiktiver Verband zur Durchführung dieser Invasion in Norwegen dienen sollte.
Auch probten die Alliierten die Invasion bereits Monate vor dem D-Day. So übten alliierte Streitkräfte am 28. April 1944 südlich von Devon im Verlauf der Exercise Tiger eine Landung. Als der Schiffskonvoi von deutschen Schnellbooten entdeckt und torpediert wurde, verloren 749 US-amerikanische Soldaten ihr Leben.
Der eigentliche D-Day, die "Operation Overlord", wurde mit massiven Luftangriffen vorbereitet. Die deutsche Luftwaffe hatte der Übermacht von 13.000 alliierten Flugzeugen kaum etwas entgegenzusetzen. Kurz nach Mitternacht landeten am 6. Juni rund 17.000 amerikanische und britische Fallschirmjäger hinter den deutschen Küstenbefestigungen, um diesen den direkten Nachschubweg abzuschneiden. Im Morgengrauen eröffneten die Schiffe das Feuer auf die Küste. Anschließend folgten wieder Bombardements aus der Luft. Kurz nach Sonnenaufgang gingen dann nacheinander alliierte Truppen in den Landungsabschnitten "Utah", "Omaha", "Gold", "Sword" und "Juno" an Land. Sie marschierten direkt ins Sperrfeuer der Deutschen. Am D-Day kamen die stärksten Landungskräfte der Kriegsgeschichte zum Einsatz. Unterstützt und getragen wurden diese durch die mächtigste Schiffsansammlung aller Zeiten, u.a. gehörten dazu: 5 Schlachtschiffe, 23 Kreuzer, 69 Zerstörer, 56 Fregatten und Korvetten, 247 Minensucher, 5 Kanonenboote, 256 kleinere Schiffe und 4126 Landungsschiffe.
In den ersten 24 Stunden wurden auf Seite der Alliierten rund 10.000 Soldaten getötet, verwundet oder vermisst. Bei den Deutschen schwanken die geschätzten "Verluste" zwischen 4.000 und 9.000 Mann.
Die Gesamtverluste der Operation Overlord ( 6. Juni bis 25. August 1944) beliefen sich auf Seiten der Alliierten wie folgt:
Ca. 65.700 Tote (37.000 Tote bei den Landstreitkräften und 28.714 Tote bei den Luftstreitkräften), 18.000 Vermisste und 155.000 Verwundete
Auf Seiten der deutschen Wehrmacht:
Ca. 200.000 Tote/Verwundete/Vermisste, 200.000 Kriegsgefangene
Historisches Bildmaterial:
Quelle: National Archives and Record Administration, Coll. Park / Maryland USA
Die Landung am Omaha Beach
Die Landung beginnt
Die Landungstruppen unter schweren Feuer





Gefallene Amerikaner notdürftig abgedeckt

Erste Hilfe, meist noch unter feindlichen Feuer

Gefallenensammelstelle oberhalb des Omaha-Beach

Bilder der Luftlandungen


Soldaten der 101. auf dem Weg nach Frankreich

Soldaten der 82nd Airborne bei der Kirche von Saint Marcouf
