Die Ardennenoffensive

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Die Ardennenoffensive oder das Unternehmen „Wacht am Rhein“ fand gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Osten und Nordosten von Belgien sowie in Teilen des Großherzogtums Luxemburg statt. Betroffen waren die Gebiete um die Städte Bastogne, St. Vith, Rochefort, La Roche, Houffalize, Stavelot, Clerf, Diekirch, Vianden und die südlichen Ostkantone. Es war die letzte Großoffensive der deutschen Wehrmacht im Westen. Die deutschen Truppen versuchten vergeblich, an der Westfront wieder die Initiative zu ergreifen. Das Unternehmen begann am 16. Dezember 1944.

Von amerikanischer Seite wird die Offensive unter dem Begriff „Battle of the Bulge“ beschrieben; damit ist der vorübergehende deutliche Einbruch in die eigene Frontlinie gemeint.  

Der Angriffszeitpunkt wurde in eine winterliche Schlechtwetterphase gelegt, um die Offensive möglichst unbedrängt von den allgegenwärtigen alliierten Luftstreitkräften durchführen zu können. Die Operation wurde unter größter Geheimhaltung geplant, so dass teilweise selbst höhere Offiziere der eigenen Truppen ursprünglich nichts von den genauen Angriffsplänen wussten. Umfangreiche Truppenverschiebungen waren dazu erforderlich. Die drei Armeen der Heeresgruppe B unter Generalfeldmarschall Walter Model – die 6. SS-Panzerarmee, die 5. Panzerarmee und die 7. Armee – waren zur „Entscheidungsschlacht“ angetreten. Einschließlich der Reserven der Heeresgruppe B standen über 41 Divisionen mit etwa einer Viertelmillion Soldaten zum Angriff bereit. Sie waren auf einem 100 Kilometer langen Abschnitt zwischen Monschau und Echternach konzentriert. Feldmarschall Model hatte sein Hauptquartier während der Ardennenoffensive im ehemaligen Hauptquartier des OKH (Bestandteil des Führerhauptquartiers Felsennest von 1940) in Hülloch bei Bad Münstereifel.  

Ähnlich wie bereits 1940 sollten sich deutsche Panzertruppen den Weg durch das unwegsame Gelände der Ardennen bzw. westlichen Teile der Eifel bahnen und die Alliierten zurückwerfen. Die neu ausgerüstete 6. SS-Panzerarmee, zu der die vier SS-Panzerdivisionen Leibstandarte Adolf Hitler, Das Reich, Hohenstaufen und Hitlerjugend gehörten, lag im Bereitstellungsraum des Gebietes Losheimer Graben südwestlich von Köln-Bonn. Sie hatte den Hauptangriff an der Nordflanke mit dem kürzesten Weg nach Antwerpen vorzutragen. Zu ihr gehörte auch die Kampfgruppe Joachim Peiper. Im Tagesbefehl vom 15. Dezember 1944 forderte der Oberbefehlshaber der 6. SS-Panzerarmee, Sepp Dietrich, von allen ihm unterstellten Verbänden der Waffen-SS, des Heeres und der Luftwaffe den höchsten Einsatz bis zum letzten Mann.  

Eines der Hauptangriffsziele war die Hafenstadt Antwerpen, die für die Alliierten für ihren Nachschub von großer Bedeutung war. Zuerst sollte ein Vorstoß bis zur Maas gelingen, um von dort aus über Lüttich, dem Albertkanal folgend, Antwerpen zu erreichen. Zugleich bestand die operative Absicht darin, einen Keil zwischen die britischen und amerikanischen Truppen im Raum Aachen und Maastricht zu treiben, um dann die sich an der rechten Flanke (also nördlich des Vorstoßes) befindlichen Briten einzuschließen und zu vernichten. Die Ardennen als Ziel einer umfassenden Gegenoffensive waren tatsächlich gut gewählt. Einige der amerikanischen Einheiten in diesem Gebiet waren in ihrer Kampffähigkeit eingeschränkt, da das Ardennengebiet von den Amerikanern als „Vorbereitungsgebiet“ für neue, unerfahrene Einheiten und als „Erholungsraum“ für geschwächte Truppenteile, die eine „Ruhepause“ nach der Schlacht um Hürtgen (Allerseelenschlacht) benötigten, genutzt wurde.  

Insgesamt standen an diesem Frontabschnitt nicht mehr als vier US-Divisionen. Von der amerikanischen Seite wurde die Offensivfähigkeit der Deutschen zu diesem Zeitpunkt generell nur noch als gering eingeschätzt, und mit einer Offensive in den Ardennen wurde am wenigsten gerechnet. Zudem waren die Alliierten nach der misslungenen Operation Market Garden im September 1944 mit ihren eigenen Offensiv-Vorbereitungen nördlich und südlich der Ardennen beschäftigt. Die Engländer waren bereits dank Alan Turing in Bletchley Park in der Lage, den deutschen Funkverkehr zu entschlüsseln. Die wichtigsten Befehle auf deutscher Seite wurden jedoch nicht wie bisher per Funk, sondern per Kradmelder übermittelt. Der militärische Nachrichtendienst der Alliierten konnte aus den durchaus vorhandenen Einzelbausteinen, die auf eine geplante, große Operation der Deutschen hindeuteten (Berichte von Truppenverlegungen, einzelne Aussagen von Kriegsgefangenen höherer Ränge, abgehörte Funksprüche etc.) nicht das entsprechende „Gesamtbild“ ableiten und war nicht in der Lage, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.  

Zur Unterstützung der Offensive wurden zwei weitere Kleinunternehmen durchgeführt: Unternehmen Greif war der Deckname für ein Kommando deutscher Soldaten unter dem Befehl von Otto Skorzeny. Die perfekt englisch sprechenden Soldaten sollten sich mit Uniformen der US-amerikanischen Armee tarnen und trugen die Erkennungsmarken gefallener oder gefangener Amerikaner. Die Soldaten wurden in vier Infanterie-, drei Panzer-, zwei Nachschub- und vier Panzerjägerkompanien zusammengefasst, die mit Panzern und Waffen aus alliierten Beutebeständen ausgestattet werden sollten. Doch an der Ausstattung mit schweren Waffen mangelte es erheblich. Von den 25 versprochenen Sherman-Panzern erhielt die Truppe gerade mal zwei. Die Aufgabe der Soldaten des „Greif-Kommandos“ war hauptsächlich, Verwirrung hinter den feindlichen Linien zu stiften, doch sollten sie auch mehrere Brücken über die Maas zwischen Namur und Lüttich besetzen.

Weitere Informationen und Bildmaterial zum Unternehmen Greif findet ihr hier.

 

 

Vor Beginn der Offensive wurde den Truppen der Tagesbefehl des Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall von Rundstedt, bekanntgegeben:

 

"Soldaten der Westfront, Eure große Stunde hat geschlagen! 

Starke Angriffsarmeen sind heute gegen die Anglo-Amerikaner angetreten. 

Mehr brauche ich Euch nicht zu sagen, Ihr fühlt es alle, es geht ums Ganze! 

Tragt in Euch die heilige Verpflichtung, alles zu geben und Übermenschliches zu leisten für unser Vaterland und unsreren Führer!"  

 

Das Unternehmen Stösser war eine Luftlandeaktion, in deren Umfang in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1300 Fallschirmjäger unter der Führung von Friedrich August von der Heydte 11 Kilometer nördlich von Malmedy abspringen und eine wichtige Nachschubroute der Amerikaner blockieren sollten. Das Unternehmen stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Viele Fallschirmjäger erlebten hier ihren ersten Sprungeinsatz, kaum einer der Piloten hatte zuvor einen Feindflug erlebt. Mit Mühe gelang es jedoch trotzdem, alle Maschinen zur Landezone zu lotsen. Kurz bevor die ersten Fallschirmjäger aus den Flugzeugen gesprungen waren, war starker, ständig wechselnder Wind aufgezogen. Viele Soldaten wurden daher über ein weites Gebiet verstreut. Sofort nach der Landung mussten die Fallschirmjäger sich von ihren Fallschirmen losschnallen, um nicht von Windböen davongeschleift zu werden. Fast 200 Fallschirmjäger starben in dieser Nacht, da sie vom Wind, der Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h erreichte, gegen Bäume oder andere Hindernisse in der Umgebung geschleudert wurden. An diesem Tag sammelten sich gerade einmal 140 Soldaten. Bis zum 19. Dezember 1944 stieg die Zahl der Soldaten auf knapp 600 an. Fast jeder zweite Fallschirmjäger war gefallen, versprengt oder von den Alliierten gefangengenommen worden. Durch die hohen Verluste war die Einheit praktisch kampfunfähig und schlug sich bis zum 22. Dezember wieder zu den eigenen Linien durch.

 

Schwere Kämpfe brachen auch im Raum der Gemeinden Rocherath und Krinkelt aus. Hier traf die 277. Volksgrenadier-Divison auf die 99. US-Infanterie-Divison. Beim fahlen Licht der Morgenstunden kam es zu grausamen Nahkämpfen in den Wäldern um die Ortschaften, später auch in den jeweiligen Ortskernen.

 

Den deutschen Truppen gelang die Überraschung. Die amerikanischen Frontstellungen waren in Auflösung begriffen, ein ungeordneter Rückzug unter teilweiser Zurücklassung von Waffen und Material setzte ein. Allerdings erkannte das amerikanische Oberkommando unter General Dwight D. Eisenhower die drohende Gefahr und die strategische Bedeutung der Lage sofort und handelte unverzüglich. Kompetenzen für einzelne Truppenteile wurden verschoben, der britische General Bernard Montgomery erhielt das Kommando über alle amerikanischen Truppenteile nördlich des deutschen Vorstoßes, der amerikanische General Omar Bradley jenes über die Truppenteile südlich davon.

Gleichzeitig wurde sofort ein Teil der strategischen Reserve, die 82. und die 101. US-Luftlandedivision mobilisiert, und selbst noch in England wurden die Ersatztruppenlager in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Weiterhin ordnete Eisenhower an, dass General George S. Patton mit seiner 3. Armee, die im Süden vor dem Saarland stand, einen Linksschwenk nach Norden vornehmen sollte, um die vorstoßenden deutschen Truppen an ihrer südlichen Flanke anzugreifen. Gegen die Spitze der deutschen Angreifer wurde eiligst die 101. US-Luftlandedivision unter General Anthony McAuliffe geworfen, die in Bastogne, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt in den belgischen Ardennen, ihre Defensivposition einnahm.

 

 

Den deutschen Angriffskräften gelang in weiterer Folge die Einkesselung der Stadt Bastogne. Die deutsche Angriffsspitze näherte sich bis auf neun Kilometer der Maas bei Dinant. Allerdings konnte die 101. US-Luftlandedivision die Stadt gegen die lokale deutsche Übermacht halten. (Dauer der Einkesselung vom 21. Dezember 1944 bis zum 13. Januar 1945) Der von Süden angreifenden 3. Armee von General Patton gelang es dann, unterstützt durch das Wiedererlangen der amerikanischen Lufthoheit infolge der Wetterbesserung, die Stadt zu befreien und die erschöpften Truppen der 101. US-Luftlandedivison zu entsetzen. Die in der Zwischenzeit wieder zum Tragen gekommene Materialüberlegenheit der US-Amerikaner ließ schließlich den deutschen Angriff zusammenbrechen.

Soldaten der 101. Airborne-Division bei Bastogne (Quelle: US National Archives)
Soldaten der 101. Airborne-Division bei Bastogne (Quelle: US National Archives)

 

Nach Weihnachten klarte das Wetter wieder zunehmend auf, und die Alliierten konnten ihre Lufthoheit wieder vermehrt ausnutzen. Am 1. Januar 1945 wurde deshalb das Unternehmen Bodenplatte durchgeführt. Dies war der letzte große Luftangriff der deutschen Luftwaffe, durch den der Wehrmacht die Fortsetzung der Ardennenoffensive ermöglicht werden sollte. Unter strengster Geheimhaltung griffen hunderte deutscher Flugzeuge mehrere alliierte Flugstützpunkte in Belgien an, um so viele alliierte Flugzeuge, Hangars und Startbahnen wie möglich zu zerstören oder zu beschädigen. 465 alliierte Flugzeuge wurden bei dem Angriff zerstört oder beschädigt.

Durch Gegenangriffe alliierter Flugzeuge und unerwartet starke Flak-Gruppierungen verloren die deutschen allerdings ebenfalls 277 Flugzeuge (62 durch alliierte Flugzeuge, 172 durch alliierte und deutsche Flak). Aufgrund der hohen Geheimhaltungsstufe wusste selbst das deutsche Flak-Personal nicht Bescheid und eröffnete das Feuer auf die eigenen Flugzeuge bei deren Rückkehr.

Das Unternehmen Bodenplatte war insgesamt gesehen ein Fehlschlag, da die Alliierten durch ihr starkes Rüstungspotential ihre Verluste leicht ausgleichen konnten, während sich die Luftwaffe von den erlittenen Verlusten nicht mehr erholte.

 

 

 

Die Ardennenoffensive endete offiziell am 21. Januar 1945, obwohl einige Ortschaften in den Ostkantonen erst im Februar 1945 durch alliierte Truppen zurückerobert wurden. Die Verluste auf amerikanischer Seite beliefen sich auf 19.276 Tote, 21.144 Gefangene/Vermisste und 47.139 Verwundete. Auf deutscher Seite forderte die Ardennenoffensive 17.236 Tote, 16.000 Gefangene/Vermisste und 34.439 Verwundete. 

 

 

Und wieder waren die Opfer auch Zivilisten. Auch unter der belgischen Bevölkerung gab es viele Opfer zu beklagen. Genaue Zahlen hierzu gibt es leider nicht. Besonders der Raum Stavelot was hierbei stark betroffen.

 

Massaker an Zivilisten in Belgien (Quelle: US National Archives)
Massaker an Zivilisten in Belgien (Quelle: US National Archives)