Malmedy
Joachim Peiper (Quelle: Unbekannt)
Am 17. Dezember 1944, dem zweiten Tag der Ardennen-Offensive, traf die schnell vorgehende Panzertruppe Peipers etwa 4 km südöstlich von Malmedy - an der Straßenkreuzung von Baugnez - auf einen LKW-Konvoi der Battery B des 285th Field Artillery Observation Battalion der United States Army. Sofort nach der Entdeckung wurde der Konvoi beschossen und überwältigt. Die Angriffsspitze der Kampfgruppe Peiper - darunter auch Joachim Peiper selbst - kümmerte sich nicht um die Amerikaner und fuhr weiter. Angehörige der nachfolgenden SS-Einheiten stellten die etwas über 100 Gefangenen auf einer Wiese nahe der Straßenkreuzung auf. Der genaue Ablauf des nun folgenden Massakers oder eine eventuell vorhandene Befehlskette der nachfolgenden Ereignisse konnte bisher nicht präzise geklärt werden.
Sicher ist jedoch, dass die SS-Männer gegen Mittag des 17. Dezembers mit Maschinenpistolen und den Bordwaffen ihrer Fahrzeuge das Feuer auf die gefangenen Amerikaner eröffneten - unter denen sich auch Verwundete befanden. Anschließend töteten einzelne SS-Männer die Überlebenden durch Schüsse aus nächster Nähe, was später ein Beweis dafür war, dass es sich um ein Verbrechen und kein normales Gefecht gehandelt hatte. Insgesamt starben bei der Schießerei mindestens 87 Amerikaner, die erst im Januar 1945 von ihren Kameraden gefunden wurden.
Es gibt verschiedene Ansätze, den Auslöser für das Massaker zu erklären. Im Wesentlichen lassen sich zwei Versionen unterscheiden:
Entsprechend den tatsächlich gegebenen oder bloß eingebildeten Befehlen wollten die Deutschen die Amerikaner weder laufen lassen, noch Ressourcen vergeuden, um sie in ein rückwärtiges Kriegsgefangenenlager zu bringen. Die Erschießung hätte somit vorsätzlich und unter eindeutiger Verletzung der damals geltenden Völkerrechtsregeln stattgefunden.
Ein Fluchtversuch eines oder einzelner Amerikaner wurde von den deutschen Bewachern durch Waffengewalt zu verhindern versucht. Als Reaktion darauf kam es zu Panikreaktionen unter den verbliebenen Gefangenen, die wiederum ebenfalls als Fluchtversuche angesehen wurden. Nach diesem Erklärungsansatz hätte also die Flucht einzelner eine angespannte Situation zum Eskalieren gebracht.
Da etwa 40 US Soldaten die Flucht gelang, scheint es sich nicht um eine geplante Hinrichtung, sondern um einen spontanen Gewaltausbruch gehandelt zu haben. Unwahrscheinlich erscheinen dagegen Thesen von einem großangelegten Fluchtversuch oder die Verwechslung der Gefangenengruppe mit einer aktiven amerikanischen Kampfeinheit durch neu ankommende deutsche Truppen. Auf ein Verbrechen, im Sinne des damals geltenden Kriegsrechts, weist letztendlich die Tötung der Verwundeten, die nach der Schießerei hilflos am Boden lagen, hin.
Der Ort des Verbrechens 1944 (Quelle: US National Archives=
Die Stelle 2008
Bildvergleich am Ortseingang von Malmedy