Der Einsatz der 3. Fallschirmjäger-Division im Kampfraum westlich Düren

Am 9. November 1944 wurde die Division für die Überprüfung ihres Einsatzstandes dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B unterstellt. Auf seinen Antrag verblieb sie, ab dem 10. November Reserve des OB West, gezählt noch bis zum 20. November im Aufstellungsraum.


Dann traf der Befehl zur Verlegung ein, wobei es hieß: „Im Zuge der Vorbereitung für die Abwehrschlacht“. Das war eine Tarnbezeichnung für den Aufmarsch zur Ardennen-Offensive. Es sollte zur Heeresgruppe B in den Raum Münstereifel-Gemünd gehen. Der Eisenbahntransport, der mit sechs Zügen täglich einsetzte, lief so, daß am 24. November bereits 11 Züge, am 28. schon dreiunddreißig und am 30. alle 47 Züge im Zielraum entladen waren.


Schon am 22. November hatte die Heeresgruppe B mit Rücksicht auf die ernste Gefährdung der Lage durch die wieder aufgenommenen Angriffe gegen Jülich die Front südlich davon sowie durch die bevorstehende Zurücknahme des Brückenkopfes Venlo beantragt, daß die im Antransport befindliche 3. FJD näher an Düren herangezogen werden solle. Das wurde genehmigt, mit der Einschränkung, daß die Division ostwärts der Rur zu verbleiben habe.


Am 24. November wurden die ersten beiden Bataillone als Sicherheitsbesatzung am Ostufer der Rur zwischen Niederau und Üdingen eingesetzt. Am gleichen Tage kam der Befehl zum Einsatz der 3. FJD im Abschnitt Düren unter Ablösung der 12. und 47. Volksgrenadierdivision (Gruppe Engel). Die 1. und 9. US Armee hatten am 16. November ihre Angriffe bei Aachen gegen die 5. Panzer- und den rechten Flügel der 7. Armee mit voller Wucht wieder aufgenommen. In dieser „Dritten Schlacht um Aachen“ war es das erklärte Ziel des Gegners, den Roer-Abschnitt zu überwinden und zum Rhein durchzubrechen.


Die Schwerpunkte der feindlichen Angriffe richteten sich gegen den Abschnitt Lindern – Linnich des XII. SS-Korps, die Roer Brückenköpfe Jülich und Düren des 21. Korps und den Nordflügel der 7. Armee (84. Korps) südwestlich Düren. Nach deutschen Feststellungen befanden sich noch nicht eingesetzte vier Panzer- und zwei Infanterie-Divisionen hinter der feindlichen Front gegenüber der Heeresgruppe B. Ihr Einsatz zum entscheidenden Durchbruch über die Roer nach Osten wurde als bevorstehend angenommen.


Westlich Düren verteidigten zwischen der 3. Panzergrenadier-Division rechts und der 344. ID. links die 12. und 47. VGD., unter dem Kommandeur der 12. zur „Gruppe Engel“ zusammengefaßt, den nach Westen vorspringenden Frontabschnitt von Lamersdorf über Weisweiler bis Merode. Beide Divisionen hatten in den vorausgegangen ununterbrochenen Kämpfen schwerste Verluste erlitten, ihre Ablösung durch frische Kräfte war unvermeidlich geworden.


Die Gruppe Engel war der südliche Flügel des 8. Korps mit Gefechtsstand im „Haus Etzweiler“ und damit auch der Gruppe von Manteuffel, der Tarnbezeichung des AOK 15 unter General von Zangen. Der 26. November verlief für die Gruppe Engel wieder sehr verlustreich. In Fortsetzung seiner Angriffe vom Vortage berannte der Feind die Hauptkampflinie zwischen Lamersdorf und Jüngersdorf. Nachmittags gewann er, unterstützt von etwa vierzig Panzern und einhundertfünfzig Jabos, über Weisweiler vorstoßend, beiderseits Frenzerburg Gelände. Der Ort selbst blieb in deutscher Hand.

Der Gegner nahm, von Südwesten her angreifend die Höhe 203 südlich von Langerwehe. Nordwestlich Merode entstand eine Lücke in der schwachen deutschen Abwehrfront. Man versuchte, sie durch Gegenstöße von Osten und Norden her zu schließen.


Die Bataillone der 3. FJD., die zwei Tage zuvor die Sicherung am Ostufer der Rur südlich Düren übernommen hatten, scheinen am 26. November auf das Westufer vorgeführt worden sein. Die folgende Darstellung stützt sich allein auf Berichte über das FJR. 5.


Der für den Morgen des 27. November beabsichtigte Gegenangriff – offenbar FJR. 5., ohne I. Bataillon – beiderseits Frenzerburg, um den Feindeinbruch zu bereinigen, wurde nicht genehmigt. Erst als der Feind sich mit starken Kräften von Westen und Südwesten bis an die Ortsränder von Langerwehe und Jüngersdorf herangeschoben und die Frenzer Burg genommen hatte, wurde die Fallschirmjäger in teilweiser Ablösung der Infanterie der 47. VGD eingesetzt.


In Langerwehe gab es schwere Straßenkämpfe für das durch schwere Waffen des Regiments verstärkte III. Bataillon, das verstärkte II./5 griff bei Jüngersdorf an. Der Gefechtsstand des FJR. 5 befand sich im Ostteil von Langerwehe.

Am 26. November wurde offenbar auch das II./8 eingesetzt und der 344. ID unterstellt, dem linken Nachbarn der Gruppe Engel. Bereitstellungsraum war der Wald südwestlich von Gürzenich. Das Bataillon trat am 27. November unter den Befehl der 353. ID., da diese die 344, ablöste.


Die vordere Linie der Gruppe Engel verlief am 28. November mittags von Lamersdorf über Frenz und ostwärts Frenzerburg vorbei zum Westausgang von Langerwehe, dann südlich der Eisenbahn bis hart westlich Lochmühle und unter Behauptung von Bendenmühle und Jüngersdorf zum Waldrand westlich Merode. Der Gegner nahm noch am gleichen Tag den Ort Jüngersdorf ein. Sein Angriff von Westen gegen Merode wurde abgewehrt. In der Nacht zum 29. November ging Langerwehe bis auf den ostwärtigen Teil verloren. Der Gefechtsstand des FJR. 5 wurde daher nach Obergeich verlegt.


Bei der nördlich benachbarten 3. PGD brach der Feind am 28. November in Altdorf und Inden ein, seine konzentrischen Angriffe gegen Lamersdorf wurden abgeschlagen. Starke Feindangriffe richteten sich gegen die Front Gey – Hürtgen am Nordflügel der 7. Armee.Trotz schwieriger Kampfverhältnisse schritt die Ablösung der Gruppe Engel durch die 3. FJD planmäßig fort. Zuerst wurde die Infanterie der 47. VGD., dann die der 12. und einige Tage später auch Artillerie und Panzerabwehr abgelöst. Am 29. November rückten das FJR 8 rechts und FJR 5 links mit ihren letzten Teilen in die Gefechtslinie ein.


Das FJR 9 erreichte den Raum südostwärts Düren. Der Divisionskommandeur, Generalmajor Wadehn, übernahm von Generalmajor Engel den Befehl über den gesamten Abschnitt beider Volksgrenadier-Divisionen. Teile ihre Infanterie und Artillerie blieben noch bis zum 2. Dezember. Grenze zur 3. PGD war weiterhin die Linie von der Brücke über die Inde südostwärts Lamersdorf-Südrand Pier-Oberzier. Der Feinddruck gegen Lamersdorf hielt am 29. November weiter an. Zwei Bataillone mit fünfzehn Panzern brachen westlich Merode in die deutschen Stellungen und den Ort selbst ein.


Am 30. November gelang es dem durch Teile des II./5 und schwere Waffen der Regimenter 5 und 8 verstärkten I./5, die alte Front westlich Merode zurück-zugewinnen. Die 1. US Division verlor dabei 120 Gefangene, gezählte 200 Gefallene und sieben Panzer. Unter den Gefangen waren zehn Offiziere. Gegenstöße des Feindes blieben erfolglos. Am gleichen Tag bekämpfte die Artillerie der 3. PGD eine Panzer Bereitstellung in Frenz. Der linke Nachbar, die 353. ID., wies Angriffe am Wald nördlich und südlich der von Südwesten her auf Gürzenich führenden Straße ab. Seit dem 29. November hatte die gegnerische Luftwaffe wieder stark in den Erdkampf eingegriffen, nachdem sie zuvor durch das schlechte Wetter erheblich behindert war.

Vom 1. bis  4. Dezember richtete sich der Druck des Gegners vornehmlich gegen die beiden Flügel der 3. Division. Bei Merode führten tägliche feindliche Einbrüche in die deutschen Stellungen und die meist erfolgreichen Gegenstöße des I. und II./5 zu Nahkämpfen.


Diese Kampfhandlungen standen offensichtlich im Zusammenhang mit dem am 2. Dezember beginnenden Angriffen im Forst südlich Merode gegen die 353. Division. Das II./8 trat am 3. Dezember zu einem Gegenstoß an, der zuerst erfolgreich verlief, bis das Bataillon von einem Stoß überlegener Feindkräfte getroffen wurde. Damit konnte der Einbruch nicht mehr bereinigt werden.


Im nördlichen Abschnitt der 3. FJD. setzte sich der Feind in der Nacht zum 3. Dezember überraschend in den Besitz des hochgelegenen Ortes Lucherberg. Alle Gegenstöße scheiterten, ebenso ein Angriff der neu eingesetzten 246. Division.

Der Ort beherrschte nach Westen weithin den Inde-Abschnitt und nach Osten und Südosten das Gelände bis zur Rur und sein Verlust mußte für die weitere Verteidigung westlich der Rur entscheidend sein.


Die ostwärts  und südostwärts Lucherberg stehende deutsche Artillerie war nun gefährdet. Es gelang, sie unter geringen Ausfällen auf das Ostufer der Rur zurückzunehmen. Lucherberg war seiner Bedeutung wegen infanteristisch, pioniermäßig und durch eine mögliche Feuerzusammenfassung von vier leichten und drei schweren Artillerieabteilungen gesichert worden.


Das 81. Korps führte den Verlust des Ortes darauf zurück, daß ein Fallschirmjäger Bataillon – welches ist unbekannt – erst kurz vorher diese Stellung übernommen hatte und seine Erfahrung im Nahkampf, noch unzureichend war. Gute personelle Zusammensetzung und Waffenausstattung, gepaart mit der Tapferkeit der Jäger, hatte diese Mängel nicht wettmachen können.


Die deutschen Gegenangriffe litten unter der fühlbaren Knappheit an Artillerie und Granatwerfermunition. Dazu kam, daß Sturmgeschütze und Panzer wegen des aufgeweichten Geländes die Infanterie nur unzureichend unterstützen konnten.

Am 4. Dezember nahm der Feind Lützeler und Luchem. Die Front mußte zwischen Langerwehe und Luchem über die nach Langerwehe führende Straße nach Osten zurückgenommen werden. Ein Vorstoß nordostwärts Langerwehe wurde abgewehrt. Das FJR. 5 scheint zu dieser Zeit seinen Gefechtsstand nach Obergeich zurückverlegt haben.


Vom 5. bis 9. Dezember war der Druck des Gegners gegen die 3. FJD. gering, was offenbar auf Umgruppierungen und die Heranführung neuer Kräfte zurückzuführen war. Zwar ging der Kampf um Lucherberg, Luchem und Merode weiter, aber die feindlichen Vorstöße überschritten nie Kompaniestärke und waren nur von wenigen Panzern unterstützt. Sie wurden alle abgeschlagen.


Der erwartete Großangriff der 1. US-Armee begann am 10. Dezember auf der Front von Altdorf bis zum Hürtgenwald. Er wurde durch mehrstündiges Artilleriefeuer vorbereitet und von Bombenteppichen und Jabo-Angriffe unterstützt. Die 3. FJD. wurde von einem aus Luchem und Langerwehe heraus nach Osten geführtem Stoß überlegener Panzer- und Infanteriekräfte – anscheinend Teile der 3. US Panzerdivision – getroffen.


Es entstand ein drei Kilometer tiefer Einbruch. Dabei erreichte der Gegner mit etwa einhundert Panzern und Infanterie die Höhe westlich Echtz. Mit anderen Kräften, dabei an die fünfzig Panzer stieß er im Zuge der Straße nach Düren vor und erreichte das Straßenkreuz bei Rothaus südostwärts von Obergeich und den Ort D´horn. Auch im Abschnitt Merode führte der Gegner Angriffe.


Beim rechten Nachbarn, der 246. VGD., stieß der Gegner bei Altdorf und Inden über die Inde, ebenso gewann er gegen den rechten Flügel der 7. Armee Gelände.

In den nächsten Tagen setzte er seine Angriffe systematisch und unter Verzicht auf entscheidungssuchende Stöße in die Tiefe fort. Es gelang den deutschen Truppen, unterstützt von ihrer trotz Munitionsmangel gut wirkenden Artillerie (Divisionsartillerie und Volksartillerie-Korps 403), immer wieder in beweglicher Verteidigung den taktischen Zusammenhang zu wahren. Aber sie wurden langsam auf die Rur und einem etwa zwei Kilometer tiefen Brückenkopf um Düren zusammengedrückt.


Am 12. Dezember nach der Gegner Echtz und drang in Mariaweiler ein, wohin inzwischen der Gefechtsstand des FJR. 5 verlegt worden war. Am nächsten Tag verlor die 246. VGD. Pier, während Konzendorf von Teilen des II./5 behauptet werden konnte.


Zwischen dem 13. und 15. Dezember wehrten die Fallschirmjäger der 3. Division wiederholte Angriffe bei Tag und Nacht ab, alle brachen im unmittelbaren Vorfeld des Brückenkopfs Düren zusammen. Die Nachbardivisionen links und rechts wurden über die Rur zurückgedrückt.


Ab dem 13. Dezember wurde auch die 3. FJD. unter Ablösung durch die 47. VGD. nach kurzer Auffrischung herangeführt, aus der Front gelöst. Sie trat am 15. Dezember den Marsch in ihren Versammlungsraum zur Ardennenoffensive in Gegend St. Vith an.


Die Division war nach dem Urteil des Kommandierenden Generals des 81. Korps  von hervorragender Kampfmoral, der gewisse Mängel in der unteren Führung und in der Gefechtsschulung eines Teils des infanteristischen Ersatzes gegenüberstanden. Die Division hatte einen entscheidenden Anteil daran, daß sich der Gegner nur langsam und unter schweren Verlusten der Rur zu nähern versuchte.


Sie hatte jedenfalls die Voraussetzung dafür geschaffen, daß die 47. VGD. den in Hinblick auf die Ardennenoffensive wichtigen, gut ausgebauten Brückenkopf Düren noch einige Zeit behaupten konnte.

 


Ein herzliches Dankeschön an Albert Trostdorf für diese Chronik.