Der Kall-Trail
Über diesen Weg stießen Anfang November '44 Teile der 28. US Infanteriedivision vor, um den Ort Schmidt einzunehmen.
Zur Verstärkung der inzwischen in Schmidt kämpfenden Infanterie, wurden dringend Panzer benötigt. Für Panzer aber war dieser Weg absolut ungeeignet und nachdem der Führungspanzer von Leutnant Fleig auf eine Panzermine gefahren war, versperrte dieser den Weg. An Ketten und unter wahnsinnigen Strapazen, sowie unter stetigem Feindbeschuss, wurden die anderen Panzer am Hang entlang vorbeigeseilt um endlich die unter starkem Feindfeuer stehenden Truppen in Schmidt zu unterstützen. Doch dies war erst der Hinweg, das "Zurück" sollte noch Verlustreicher werden.
Immer wieder ein sehr beklemmender Ort. Die Aid-Station der Amerikaner oberhalb der Mestrenger Mühle. Hier wurden die Verwundeten notdürftig erstversorgt, da man sie auf Grund der Situation nicht ins Lazarett überführen konnte. Viele starben an diesen Ort.
Die so genannte "Allerseelenschlacht" endete nach wenigen Tagen für die Amerikaner in einem Desaster.
Als sich die Überlebenden aus Kommerscheidt kommend über die Kallbrücke (Mestrenger Mühle) nach Vossenack zurückziehen wollten, waren bereits große Teile des Kalltals von den Deutschen abgeschnitten.
Es entwickelte sich ein verlustreicher und irrsinniger Waldkampf. Vom 7. bis 12. November gelang es dem deutschen Stabsarzt Dr. Stüttgen hier an der Kallbrücke mit den Amerikanern einen inoffiziellen Waffenstillstand auszuhandeln, um die Verwundeten beider Seiten zu versorgen.
So konnte vielen GIs durch deutsche Sanitäter das Leben gerettet werden. Für diesen Akt der Humanität wurde Dr. Stüttgen nach dem Krieg vom Gouverneur des Staates Pennsylvania geehrt. Das Ereignis an der Kallbrücke ist im Museum der Nationalgarde auf einem Gemälde mit dem Titel "A Time for Healing" festgehalten. Eine Replik des Bildes befindet sich im Friedensmuseum in Vossenack.
Quelle: US National Archives
Der Begin des Kall-Trails
Quelle:Heimatbund 500 Jahre Schmidt e.V
Quelle:Heimatbund 500 Jahre Schmidt e.V
Quelle:Heimatbund 500 Jahre Schmidt e.V
Quelle:Heimatbund 500 Jahre Schmidt e.V
Quelle:Heimatbund 500 Jahre Schmidt e.V
James Gavin schreibt in seinem Buch "On to Berlin" über die Kämpfe an der Kall:
"Ich ging den Weg zu Fuß weiter. Mit dem Jeep war kein Durchkommen, da er mit Wrackteilen von umgestürzten Wagen und verlassenen Panzern übersät war. Die ersten Panzer, die versucht hatten, durchzukommen, waren offensichtlich abgerutscht und aus der Spur geraten. In manchen Fällen hatte man sie beiseite geschoben, und sie waren zwischen den Bäumen den Abhang herunterstürzt.
Von da, wo der Weg beginnt, außerhalb von Vossenack, bis zum Grund der Schlucht, zählten wir vier verlassene Schützenpanzer und fünf beschädigte und aufgegebene Panzer. Darüber hinaus lagen zu beiden Seiten des Weges viele, viele Tote, deren Leichen nun aus dem Winterschnee wieder auftauchten. Diese von Wundbrand gezeichneten, entstellten und zerfetzten Körper waren starr und wirkten geradezu grotesk. Manche hatten die Arme zum Himmel erhoben, als flehten sie um Hilfe. Sie trugen den roten Keystone der 28. Infanteriedivision, "The Bloody Bucket". Offensichtlich hatten sie im vergangenen Herbst hier gekämpft, kurz vor den ersten schweren Schneefällen.
Ich folgte dem Weg etwa zwei Kilometer bis zum Grund der Schlucht. Dort musste man einen reißenden etwa zwei Meter breiten Bergbach überqueren. Eine Steinbrücke, die darüber geführt hatte, war zerstört worden. Nur ein paar Bretter führten über die steinernen Bögen, über die die Soldaten nur einzeln gehen konnten. In der Nähe lagen Dutzende von Tragbahren, die Körper darauf waren schon lange tot. Offensichtlich hatte es unweit des Baches ein Lazarett gegeben, das man mitten in der Schlacht aufgegeben hatte, so dass viele Männer auf ihren Bahren sterben mussten.
Zur Rechten, etwa vierzig Meter entfernt, begann eine asphaltierte Straße (siehe Bild). Davor lagen etwa sechs amerikanische Panzerabwehrminen. Auf dieser Seite des Minenfeldes zählte ich drei oder vier amerikanische Soldaten, die allem Anschein nach die Minen ausgelegt hatten, als sie getroffen wurden. Hinter den amerikanischen Minen, etwa vier Meter entfernt, lag das deutsche Minenfeld und dahinter drei oder vier tote Deutsche - ein dramatisches Beispiel dafür, wie die Kämpfe in Hürtgen verlaufen sein mussten: heftig, grausam, Mann gegen Mann ...
Auf der anderen Seite der Schlucht kletterte ich wieder hinauf. Man musste ungeheuer aufpassen, denn der Pfad war nicht von Minen geräumt worden. Ich vermutete, dass die Wälder dicht vermint waren und wagte mich nicht mal an den Rand des Pfades.
Je höher wir kamen, umso deutlicher sprachen die Trümmer von einem erbitterten Kampf. Überall lagen Leichen, ein oder zwei Panzerabwehrgeschütze, zerstörte Jeeps und weggeworfene Waffen. Ganz oben mündete der Pfad in eine große Lichtung. Ein paar Kilometer entfernt konnten wir die kleine Stadt Kommerscheidt sehen.
Bislang waren wir noch nicht von Deutschen angegriffen worden, aber ich wusste, dass sie sich in Kommerscheidt und der dahinter liegenden Stadt Schmidt befanden.
Die Sonne würde bald untergehen, und ich hatte es eilig, zurück auf die andere Seite des Tals zu kommen, bevor es dunkel wurde. Als sich die Dämmerung über die Schlucht senkte, hatte ich eine gespenstische Szene vor mir, wie aus den tiefsten Kreisen von Dantes Inferno.
Und wie um den Schrecken noch zu verstärken, erklang jetzt in einiger Entfernung eine klagende Stimme aus dem Wald …"
A Time for Healing
Die Skulptur des Bildhauers Michael Pohlmann soll an diesen Moment der Menschlichkeit inmitten des Grauens erinnern und wurde am 60. Jahrestag, dem 7. November 2004, offiziell eingeweiht. Gedenkskulptur und Infotafel wurden gestiftet von der Konejung Stiftung.
Unser Tourleiter Bernd Henkelmann
Oberhalb der Mestrenger Mühle (diente als deutsches Notlazarett) liegt heute noch eine amerikanische Panzerkette.
Auch heute noch deutlich zu erkennen. Panzerspuren kurz vor Ende des Kall-Trails.
Blick auf das damalige Ziel Kommerscheidt (Ende des Kall-Trails). Hier gerieten die Soldaten des amerikanischen 2. Bataillons unter tagelangen Artilleriebeschuss und die Überlebenden flüchteten schließlich in Panik zurück.
Die zurückfliehenden Soldaten machten so einen abgekämpften, traurigen und jammervollen Eindruck, dass sie von den deutschen Soldaten, die inzwischen das Kalltal abgeriegelt hatten, einfach nur weitergewunken wurden und nicht einmal mehr gefangen genommen wurden.
Beginn des Kall-Trails auf der Gegenseite (Vossenack)
Das vermeintlich leicht zu erreichende Ziel Schmidt ist am Horizont zu erkennen, das mörderische Kalltal hingegen nicht.