Lommersdorf/Tondorf

 

Die V1-Abschußrampen an der L 115, bei Tondorf und bei Lommersdorf.

Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia

 

Die Raketen wurden von den sogenannten Walter-Startrampen mit einem Bolzengeschoß auf ihre todbringende Bahn gebracht. Chemischer Dampf (120 atü) brachte die V1 am Ende des 48 m langen Katapults auf eine Geschwindigkeit von ca. 350 km/h. Die Konstruktion mit einem Neigungswinkel von 6o 30'. Die Fundamente sind auch heute noch zu sehen. An der L 115, etwa gegenüber der Straße nach Rohzr im Pflanzgarten; an der Straße von Tondorf nach Falkenberg und an dem Waldweg unweit der Straße von Lommersdorf nach Aremberg. Hatte die Flügelbombe das Katapult verlassen, fiel der Mitnehmerbolzen herunter und die automatische Steuerung verlieh ihr, durch einen Fernkompass, den Kurs. Das vom an der Spitze angebrachte Propellerzählwerk lief, bis die eingestellte Flugstrecke, z.B. Antwerpen, erreicht war und die Bombe zum Absturz gebracht werden sollte. Die Geschwindigkeit der Rakete betrug 580 km/h, die Reichweite 238 km, und die Flughöhe lag zwischen 500 und 2.000 m. Das Ziel war nach etwa 25 Minuten erreicht.

Am 17. Oktober 1944 hob die erste V1 von einer Rampe in der Eifel in Richtung Brüssel ab. Von 13 an diesem Tage abgefeuerten Flugbomben stürzten vier unweit der Raketenstellung ab. Soches passierte sehr oft, so dass die Bewohner der umliegenden Dörfer den heute noch bekannten sarkastischen Ausspruch „Leute nehme die Köpfe weg, es kommt V1, der Eifelschreck“, erfanden.

In einem Frontbericht der Alliierten vom 17. Dezember 1944 in den Ardennen heißt es: „Über den Köpfen am grauen, regnerischen Nebenhimmel dröhnten die Roboter: die V1-Geschosse bahnten sich den Weg nach Brüssel, Lüttich und Antwerpen. Das unmissverständliche intermittierende Geräusch ihrer Triebwerke beherrschte den Himmel; ungesehen über der Dunstschicht operierte die „Schlechtwetter-Luftwaffe“ mit zunehmendem Aktionstempo. Endete das Geräusch am Himmel, bedeute es Tod für jedermann am Boden ...“

Anfang Februar 1945 wurden die letzten Flugbomben von der Eifel aus abgeschossen, und Ende des Monats waren alle Stellungen auf die rechte Rheinseite verlegt. Das Ende des II. Weltkrieges war nicht mehr fern. Am 29. März 1945 schlägt eine V1 in der englischen Grafschaft Kent ein, und am darauffolgenden Tage ist die letzte Flügelbombe „Fieseler 103“ auf Antwerpen gerichtet. Damit endete das Unternehmen mit den „Vergeltungswaffen“, deren propagandistische Wirkung viel größer war als ihre militärische.

Zeitzeugen aus den Dörfern ringsum, die damals noch Kinder waren, berichten von den V1-Flugbomben, die aus dem Wald mit lautem Getöse herausschossen, einen Feuerschweif hinter sich herzogen und himmelwärts verschwanden. Von Zingsheim aus wurde beobachtet, wie eine der Flugbomben längere Zeit in einer kreisförmigen Flugbahn, nicht sehr hoch, herumflog und schließlich Gott sei Dank auf freiem Feld niederging, ohne zu explodieren. (Nach der technischen Beschreibung der V1 ist der Zünder erst nach einiger Zeit des Fluges automatisch scharf gemacht worden; so erklärt sich, daß die Abstürze kurz nach Verlassen der Rampe zu keiner Detonation geführte haben.)

Von Reetzern wurde beobachtet, wie eine V1 kurz nach dem Start von der Stellung an der heutigen L 115 in das Feld neben der alten Straße von Reetz nach Mülheim abgestürzt war und vermutlich nicht entschärft werden konnte, so dass sie durch Beschuss vom Waldrand des Junkerberges zur Detonation gebracht wurde. Heut noch sieht man dort eine Vertiefung, die von einem riesigen Krater damals übrig geblieben ist. Ein weiterer „Blindgänger“ schlug in eine Scheune in Lommersdorf ein, ohne größeren Schaden zu verursachen. Die abgestürzten Flugbomben lagen zumeist auf Eldern, und die Bauern mussten die über zwei Tonnen schweren Kolosse mit ihren Pferden oder Ochsengespannen heraus auf befestige Wege ziehen. Andererseits wurden den Bauern beim Passieren der ander heutigen L 115 liegende Stellung mit einem Pferdefuhrwerk , der strengen Geheimhaltung wegen, die Augen verbunden, um sie danach durchzulotsen. Die Straße war damals für den zivilen Verkehr gesperrt.

Nach Kriegsende holten sich die Dorfbewohner das zurückgelassene Baumaterial von den Stellungen, und die herumliegenden V1-Körper wurden von den Jugendlichen nach den begehrten Batterien und sonstigen elektrischen Geräten abgesucht. Später bemächtigten sich die Schrotthändler der stählernen Überbleibsel. Von Hilters „Geheimwaffe“ blieb ein in Lindweiler als Abflussrohr verwendetes ehemaliges Strahlrohr übrig, und aus Reetz stammt das Fragment einer Kraftstoffeinspritzdüse.

Alle Stellungen liegen aufgrund der notwendigen befestigten Zufahrt für die tonnenschweren Gerät dicht an Straßen.

Mit Hilfe von zeitzeugen aus Reetz konnten die nicht ganz zugewachsenen Fundamente der Rampe im Pflanzgarten nahe der L 115 gefunden werden. Von dieser Schleuder soll im Oktober 1944 eine der ersten V1 abgeschossen worden sein. Auch die am Junkerberg und in der Senke darunter abgestürzten Flugbomben stammten vermutlich von dieser Batterie. Hier oben standen damals hohe Fichten, die zur Tarnung gedient haben. Die Flur wird mit „Auf Kellersheide“ bezeichnet, die Höhe ist 530 m ü.M.

Bei Lommersdorf befindet sich die zweite Stellung 539 m ü.M. Hier im Lommersdorfer Wald, unweit der Straße, die von Lommersdorf nach Aaremberg führt, sind noch einige der Fundamente zu sehen. Links und rechts des Waldweges, der die Römerstraße mit der eben genannten verbindet, war die Gefechtsstellung aufgebaut. Hier kann man noch eines der Wasserbecken sehen, das zur chemischen Dampferzeugung für den Abschuss des Bolzens mit der Flugbombe auf der Schleuder diente.

Die dritte Abschussstelle liegt wieder direkt an der Straße, zwischen Rohr und Falkenberg gegenüber dem von 1926 stammenden Gemeindebrunnen auf 542 m ü.M. Hier sind alle Fundamente der sogenannten „Walterschleuder“ noch gut sichtbar. Im ersten sind einbetonierte Gewindezapfen zu sehen. Im Abstand von ca. sechs Metern sind weitere Fundamente in gleicher Flucht Richtung Westen angelegt. Die Gesamtlänge ist etwa 45 bis 50 m. Alle Fundamente sind in Kastenform gegossen, wobei in der Öffnung Holzbohlen eingeschlossen und teilweise noch vorhanden sind. Vermutlich haben sie der Konstruktion Elastizität verliehen, ähnlich wie bei Eisenbahnschwellen.

 

  

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen:  

 

Erst 1931 gelang ein 500 m weiter Flug einer Flüssigkeitsrakete mit einem Startgewicht von vier bis fünf Kilogramm.

Die nun einsetzende Forschungs- und Entwicklungsarbeit konnte nur vom Militär finanziert werden, und das Heereswaffenamt begann Raketenöfen, also Brennkammern für den Antrieb zu testen.

Im abgelegenen Norden der Insel Usedom entstand 1936 die Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Hier sind die Flügelbombe „Fieseler 103“ und das Aggregat 4, die späteren sogenannten „Vergeltungswaffen“, unter der propagandistischen Bezeichnung V1 und V2 entwickelt worden.

Den 3. Oktober 1943 bezeichnet man als Geburtsstunde der Weltraumfahrt. Ein 5,5 t schwerer Flugkörper, die Großrakete A-4, erreichte eine Höhe von 84,5 km und eine Weite von 192 km.

Der erste gelungene Erprobungsschuss einer V1 erfolgte im Dezember 1942. Ab Juli 1944 wurde London damit bombardiert. Bis Kriegsende sind etwa 20.000 solcher Flügelbomben katapultiert worden. Von den 9.000 auf London gerichteten erreichten aber nur 2.350 ihr Ziel. Viele sind von den Alliierten vor dem Ziel abgefangen worden, und es gab immer wieder Fehlstarts und Abstürze.

Die V1-Flugbombe besteht im wesentlichem aus dem Rumpf mit den Tragflächen und dem aufgesetzten Antrieb- oder Schubrohr. Im Rumpf befinden sich die 830 kg schwere Sprengladung, der Treibstofftank, die Druckluftbehälter für die Einspritzung des Benzins, die Steuerung und die Trockenbatterien; im Schubrohr die Kraftstoffeinspritzdüse, die Zündkerze und das Klappenregister mit der Blende zur Erzeugung des Rückstoßes. Das Gesamtgewicht war 2.152 kg, die Länge betrug 7,4 m und der Durchmesser 0,84 m.