James M. Gavin

 

James Maurice „Jumpin' Jim“ Gavin wurde am 22. März 1907 in New York City geboren, begegnet Euch auf dieser Page in der Normandie und bei den Kämpfen im Hürtgenwald.

 

Seine Männer, die ihn sehr schätzten, nannten ihn wegen seiner athletischen Figur auch Slim Jim. Gavin kämpfte gegen die Rassentrennung in der US Army, wodurch er noch mehr Anerkennung bekam. Mit seiner ersten Frau Irma Baulsir hatte er eine Tochter, Barbara Gavin Fauntleroy; mit seiner zweiten Frau hatte er vier Töchter.

 

Am 1. April 1924 wurde Gavin von dem Captain Buckner im Whitehall Building vereidigt, und daraufhin nach Panama überstellt. Seine Ausbildung fand nicht in einem Trainingscamp statt, sondern gleich in seiner Einheit, der „US Coast Artillery“ in Fort Sherman. Der First Sergeant, „Chief“ Williams, erkannte Gavins intellektuelle Kapazität und machte ihn zum seinem Assistenten. Gavin bestand den Test zum Corporal innerhalb von sechs Monaten.

 

Gavin wünschte sich, auf einen höheren Posten zu kommen, um in der Armee etwas verbessern zu können. Auf den Rat seines First Sergeants bewarb er sich an einer Armeeschule, deren beste Absolventen die Chance hatten, für die United States Military Academy in West Point zugelassen zu werden. Gavins erster Tag an der Schule war der 1. September 1924, ihm blieben nur zwei Wochen, um sich vorzubereiten. Er erfüllte die körperlichen Voraussetzungen und durfte mit einem Dutzend anderen Männern eine Schule in Corozal Town, Belize, besuchen. Nach einem Monat Unterricht wurde ein Examen geschrieben, das darüber entschied, wer am anschließenden viermonatigen Hauptkurs teilnehmen durfte.

Das Examen war für Gavin, nach eigenen Angaben, ein Desaster, denn in Mathematik bekam er eine sehr schlechte Note, was daran lag, dass er in Algebra nicht das gelernt hatte, was für die Prüfung vorausgesetzt wurde. Dennoch durfte er am Hauptkurs teilnehmen. Wie oft in seinem Leben fand er einen Mentor, der ihn unterstützte: Lieutenant Percy Black.
Der Unterricht bei Black begann um 8 Uhr morgens und dauerte vier Stunden. Es wurden jeweils einstündig Algebra, Geometrie, Englisch und Geschichte gelehrt. Zu jedem Fach gab es, bis zum Folgetag, ca. 40 Seiten als Hausaufgabe zu lesen, was für Gavin zunächst eine Schwierigkeit darstellte. Die letzten zwei Monate wurden alte Aufnahmeprüfungen von West Point behandelt.

Bei der Abschlussprüfung am 1. März 1925 hatte Gavin mehr Glück. Er hatte zwar Schwierigkeiten, dieses Mal mit dem Zusammenfassen eines Werkes von William Shakespeare, bestand jedoch mit Hilfe Blacks die Prüfung und wurde für West Point zugelassen.

 

Gavin kam im Sommer 1925, drei Monate nach seinem 18. Geburtstag, an der United States Military Academy in West Point, New York, an. West Point war damals die Schule der technischen und militärischen Neuerungen und bekannt für eine gute Offiziersausbildung. Nach der Vereidigung musste Gavin Formulare über sein Alter und seine Militärlaufbahn ausfüllen, bei denen er für sein Alter 21 (statt 18) angab, um zu verheimlichen, dass er zum Zeitpunkt seines Eintritts in die Armee nicht alt genug war. Gavin ging nach seiner Graduierung an der Militärakademie zur Infanterie. Die Kavallerie war damals hauptsächlich für die Söhne aus reichen Familien, die Artillerie sowie das US Army Corps of Engineers für gute Mathematiker bestimmt. Der Infanterie ging der Ruf voraus, dass man bei ihr den größten Ruhm erlangen könne, da sie an der vordersten Linie kämpfte.

 

Nach Stationierungen in diversen Militärcamps der Infanterie wurde Gavin zurück nach West Point beordert, um dort Mitglied in der Fakultät der taktischen Abteilung zu sein. Er war über die Aufgabe sehr erfreut, da er sich dort durch Lesen und Unterrichten fortbilden konnte. Als die Deutschen in Europa die Blitzkriegtaktik anwandten, um Polen, Frankreich und andere Länder zu erobern, versuchte die Fakultät von West Point die deutsche Taktik zu begreifen und zu erklären. Gavin unterrichtete seine Schüler über die deutsche Taktik, die Ausrüstung, die Waffen und ähnliches, genauso wie über die verwundbaren Punkte der Deutschen.

 

Er befasste sich intensiv mit dem deutschen Luftlandeangriff auf Fort Eben-Emael in Belgien, bei dem die äußerst stark befestigte Festung im Morgengrauen aus der Luft von gut ausgebildeten und ausgerüsteten deutschen Fallschirmjägern erobert wurde. Dieses Geschehen und auch Gavins Studium von Stonewall Jacksons Manövertaktiken bewegten ihn dazu, sich im April 1941 für die Luftlandetruppen und das Fallschirmtraining zu bewerben. Gavins Bewerbung traf jedoch auf Widerstand. Als seine Bewerbung für eine Fallschirmjägerausbildung am 20. Februar 1941 in Washington ankam, untersagte man ihm selbige. Sogar der Superintendent von West Point schrieb, dass er Gavin nicht für geeignet hielte; Gavin musste also einen Offizier mit gleichen Befugnissen für sich gewinnen. Er konnte mit Hilfe seines Freundes William Ryder den Colonel (Oberst) William C. Lee für sich gewinnen und erhielt so die Erlaubnis für das Training.

 

Gavin begann im Juli 1941 mit der Ausbildung an der neuentstandenen Airborne School in Fort Benning, an der er im August 1941 seinen Abschluss machte. Nachdem Gavin das Sprungtraining beendet hatte, diente er in einer Truppe, die nur experimentell war; das Gebiet der Luftlande-Kriegführung befand sich noch in der Anfangsstufe des Aufbaus. Sein erstes Kommando hier hatte er als Befehlshaber der C-Kompanie des grade neu aufgestellten 503. Fallschirmjägerbataillons (503rd Parachute Infantry Bataillon).

Gavins Freunde William Thomas Ryder - der Leiter des Luftlandetrainings - und William Pelham Yarborough - der Chef der Nachrichtenabteilung der Provisional Airborne Group (provisorische Luftlandegruppe) - empfahlen William C. Lee, Gavin für die Weiterentwicklung der Taktik und der Basisregeln in der Gruppe einzusetzen. Lee kam dieser Empfehlung nach und machte Gavin kurze Zeit später zu seinem S-3 (Leiter für Training und Doktrin). Am 16. Oktober 1941 wurde er aufgrund dieser neuen Aufgabe zum Major befördert. Gavin war nun an einer Stelle, wo neue Ideen, Taktiken etc. gefragt waren. Er fühlte, dass seine Chance gekommen war, um beim Militär Karriere zu machen.

Eine der ersten Nöte der neuen Idee war es, herauszufinden, wie Luftlandetruppen am besten eingesetzt werden konnten. Eine von Gavins ersten Aktionen in seiner neuen Position war das Verfassen von FM 31-30: ein Handbuch mit dem Namen „Tactics and Technique of Air-Borne Troops“. Er benutzte zwei Quellen. Zum einen bediente sich Gavin an Informationen über die russischen und deutschen Fallschirmjäger und Gleitertruppen. Zum anderen ließ er seine Erfahrungen über Taktik und Kriegführung in das Handbuch einfließen. Sein Buch enthielt neben Angaben zur Taktik auch Informationen, wie die Truppen organisiert sein sollten, was für Operationen sie ausführen könnten und welche Teile (beispielsweise der Überraschungseffekt) für den Sieg notwendig waren. Dieses Handbuch wurde als weitsichtig eingestuft und ihm zugeschrieben. 

 

Im Februar 1942 absolvierte Gavin einen verkürzten Kurs an der Kommando- und Generalstabsschule in Fort Leavenworth, Kansas, was ihn für den Dienst im Stab einer Division qualifizierte. Danach kehrte er zur Provisional Airborne Group zurück und wurde gleich mit dem Aufbau einer Luftlandedivision beauftragt. Im Frühjahr des Jahres 1942 gingen Gavin und Lee zum Hauptquartier der Landstreitkräfte in Washington, um die Aufstellung der ersten US-amerikanischen Luftlandedivision zu diskutieren. Es wurde beschlossen, dass eine Division aus der Reserve ausgewählt werden sollte, deren Soldaten das Basistraining bereits abgeschlossen hatten. Außerdem sollte die Division neben mindestens einem Flugfeld liegen. Es wurde die 82. US-Infanteriedivision ausgewählt, die in Camp Claiborne im US-Bundesstaat Louisiana stationiert war. Nachdem der Kommandeur Omar Bradley versetzt worden war, rückte Matthew Ridgway auf seinen Posten nach und wurde Kommandeur des Verbandes.

Lesley McNair wollte, dass die Luftlandedivision aus zwei Gleiterregimentern und einem Fallschirmjägerregiment bestand, was auch der deutschen Struktur entsprach. Gavin und Lee jedoch wollten eine Division, bestehend aus einem Gleiter- und zwei Fallschirmjägerregimentern. McNair hatte jedoch mehr Einfluss und so wurde die 82. US-Luftlandedivision mit zwei Gleiter- und einem Fallschirmjägerregiment aufgestellt.

 

Gavin baute in Fort Benning das 505. Fallschirmjägerregiment auf, über das er im August 1942 das Kommando bekam. Kurz darauf wurde er zum Colonel befördert. Das 505. Fallschirmjägerregiment war das erste seiner Art, das von Grund auf aufgebaut wurde. Gavin sah es als den besten Weg um sein Ziel zu erreichen an, seine Truppen realistische Übungskämpfe und lange Märsche bewältigen zu lassen. Er entwickelte die Übungskämpfe alleine und führte die Märsche mit schnellem Schritt an. Er wollte mit „seinem“ Regiment zeigen, was er konnte. So legte er Wert darauf, dass seine Offiziere „the first out of the airplane door and the last in the chow line“ (Deutsch: „die ersten außerhalb der Flugzeugtür und die letzten in der Verpflegungsschlange waren“).

 

Im Februar 1943 wurde die 82. US-Luftlandedivision - bestehend aus zwei Gleiterregimentern und dem 504. Fallschirmjägerregiment - ausgewählt, um an der alliierten Invasion Siziliens teilzunehmen. Die Teilnahme der Luftlandedivision kam überraschend. Die meisten Männer dachten, die 101. US-Luftlandedivision würde vorgezogen werden, da diese vom „Vater“ der Idee, William Lee, angeführt wurde. Ein großes Problem war, dass nicht genug Gleiter zur Verfügung standen, um beide Gleiterregimenter zu transportieren. Das 326. Gleiterregiment wurde deshalb kurzerhand durch Gavins Regiment ausgewechselt. Das 505. Fallschirmjägerregiment war durchaus gerne gesehen, da man sagte, die Soldaten seien besonders gut vorbereitet.

 

Der nächste Einsatz sollte bald folgen. Am 14. August 1943 erhielt Gavin zum ersten Mal Anweisungen zur Operation Avalanche, die vorsah, von Sizilien aus in Italien zu landen. Der Plan sah einen Angriff auf das italienische Festland im Golf von Salerno vor. 

 

Am 17. November 1943 verließ Gavin Italien, um nach England zu gelangen, während die 82. US-Luftlandedivision, allerdings ohne das 504. Fallschirmjägerregiment, Italien verließ, um nach Nordirland verschifft zu werden und sich dort auf die Invasion in der Normandie vorzubereiten. Gavin kam am 18. November 1943 in der englischen Hauptstadt London an. Von seiner Unterkunft im Grosvenor House aus wanderte er in seiner freien Zeit oft inkognito durch das zerbombte London. Am 19. November 1943 lernte Gavin auch seinen zukünftigen Vorgesetzten, den britischen Major-General Ray W. Barker kennen, wobei auch Lieutenant-General Frederick Browning zugegen war.

 

Gavin war erfreut über seine neue Position und genoss sie am Anfang. Nach drei Wochen Stabsarbeit war Gavin jedoch von den Treffen und der Büroarbeit genervt. Auch der Inhalt seiner Arbeit war nicht, wie er es sich ursprünglich vorgestellt hatte: Anfänglich wurden nur Sprünge der 101. US-Luftlandedivision in Bataillonsgröße geplant, die im für Panzer gut geeigneten Gelände hinter dem Omaha Beach abspringen sollten. Gavin, der den Plan geändert sehen wollte, ging daraufhin zum amerikanischen Lieutenant-General Omar Bradley, welcher der Befehlshaber der Landungstruppen für den Utah Beach war und außerdem Luftlandeoperationen stark befürwortete, weshalb Gavin in ihm einen Verbündeten fand. Bradley beharrte darauf, dass Luftlandetruppen für die Absicherung des Hinterlandes seines Landungsabschnittes zugeteilt würden. Der Plan wurde deshalb auf einen Sprung der 101. und der 82. Luftlandedivision ausgeweitet.


Gavin stellte sich jedoch noch viele weitere Fragen, beispielsweise, wer den Großteil der Flugzeuge bekommt (Briten oder Amerikaner) oder wem den Oberbefehl über die Luftlandungstruppen übertragen wird. Die verschiedenen Ansichten zwischen den Stäben der alliierten Landungstruppen aber auch zwischen den verschiedenen Truppengattungen waren nervenaufreibend für Gavin.

 

Am 16. Februar 1944 kehrte Gavin zur 82. Luftlandedivision zurück, die derweil nach England verlegt worden war. Der Plan war jedoch noch lange nicht fertiggestellt – erst kurz vor dem D-Day war die Planung beendet.

 

Quelle: US National Archives
Quelle: US National Archives

Gavin landete am D-Day mit einigen anderen Fallschirmjägern westlich der Merderet auf Sumpfgelände, wobei viele der Fallschirmjäger ertranken. Gavin sammelte dort eine hundert Mann starke Einheit, mit der es ihm gelang, das kleine Dorf La Fière zu halten, das daraufhin der Außenposten von Ste-Mère Eglise wurde.


Er erhielt am 16. August 1944, als jüngster Mann in dieser Position, das Kommando über die 82. US-Luftlandedivision, mit der er in den Niederlanden an der Operation Market Garden teilnahm. Hierbei landete die Division südöstlich von Nimwegen bei Groesbeek um die Brücken über die Waal, die Maas und den Maas-Waal-Kanal zu erobern. In aufreibenden Kämpfen um die Groesbeek-Höhen mit dem deutschen Korps Feldt, angeführt von General der Kavallerie Kurt Feldt, setzen sich die Amerikaner durch und konnten den von Süden anrückenden britischen Einheiten den Weg in Richtung Arnheim freihalten.

Weitere Einsätze der 82. US-Luftlandedivision fanden in der Eifel (siehe Kall-Trail), bei der Abwehr der deutschen Ardennenoffensive und an anderen Schauplätzen in Deutschland statt.

Mit der Verleihung des 2. Sterns im Oktober 1944 wurde Gavin zum Major General befördert. Für seine Verdienste während der Operation Market Garden bekam Gavin am 21. März 1945 von Bernard Montgomery in Mönchengladbach den Distinguished Service Order (DSO) verliehen.

 

Von September bis Oktober 1945 amtierte er als Stadtkommandant von Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Gavin Stabschef der 5. US-Armee und später der alliierten Streitkräfte in Südeuropa. 1955 wurde er zum Lieutenant General befördert. Als überzeugter Gegner des Atomkriegs hatte er mit der amerikanischen Militärführung Unstimmigkeiten. Da er in seiner hohen Position hinter der Militärführung hätte stehen müssen, dieses aber nicht mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, schied er 1958 überraschend aus dem Militärdienst aus, woraufhin er Vizepräsident von Arthur D. Little Inc., der weltweit ersten Management Consulting Firma, wurde. Dort folgte für Gavin im Jahr 1960 die Ernennung zum Präsident. Von 1961 bis 1963 war er unter US-Präsident John F. Kennedy amerikanischer Botschafter in Frankreich. Außerdem war Gavin ein Kritiker des Vietnamkrieges.

James Maurice Gavin starb am 23. Februar 1990 im Keswick Nursing Home in Baltimore an der Parkinson-Krankheit. Er liegt auf dem West Point Friedhof in New York begraben.

Im Film "Der längste Tag" von 1962 wurde James M. Gavin vom Schauspieler Robert Ryan verkörpert. Ryan O'Neal spielte ihn im Film "Die Brücke von Arnheim", 1977.



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von James M. Gavin

 

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