Josef "Pips" Priller

Auch unsere Heimatstadt Augsburg ist mit der Gesichte des D-Day eng verbunden. Josef Priller, Fliegeroberst aus Augsburg, flog einen der wenigen dokumentierten Angriffe der deutschen Luftwaffe am Landungstag.

Geboren wurde "Pips" Priller am 27. Juli 1915 in Ingolstadt. 1935 trat Priller als Fahnenjunker in das Infanterieregiment 19 ein. Im Oktober 1936 wechselte er zur Luftwaffe und absolvierte eine Pilotenausbildung in Salzwedel. Nach Abschluss der Ausbildung wurde Priller, inzwischen zum Leutnant befördert, am 1. April 1937 zum Jagdgeschwader 135 versetzt, das im November 1938 zum Jagdgeschwader 233 umorganisiert und im Mai 1939 schließlich Teil des neu aufgestellten Jagdgeschwaders 51 wurde.

Priller wurde während des gesamten Krieges ausschließlich gegen westliche Alliierte eingesetzt. Am 1. Oktober 1939 wurde er zum Staffelkapitän der 6. Staffel des Jagdgeschwaders 51 ernannt. Während des Frankreichfeldzuges als Kapitän der 6. Staffel bereits sechsmal gegen britische und französische Maschinen erfolgreich, flog der mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse beliehene Priller in der brenzligen Phase der Luftschlacht um England unter Major Mölders. Durch sein fliegerisches Feingefühl und seine beeindruckende Treffsicherheit erreichte er bereits im Oktober 1940 seinen 20. Luftsieg, wofür er das Ritterkreuz entgegennehmen konnte. Wenige Wochen später wurde Oberleutnant Priller Kapitän der 1. Staffel des Jagdgeschwaders 26 "Schlageter", das vom bekannten Adolf Galland kommandiert wurde.


In den kommenden Monaten flog Priller über dem Ärmelkanal und dem Süden Englands Jagd- und Geleitschutzeinsätze, wobei er wiederholt mit beschädigter Maschine vom Einsatz zurückkehren konnte. Im Sommer 1941 konnte sein 1. Wart den bereits 39. Abschussbalken am Leitwerk seiner Me-109 anbringen - damit gehörte Josef Priller in der Bekämpfung der Royal Air Force zur Spitzengruppe. Am 6. Dezember 1941 wurde er Kommandeur der III. Gruppe, am 11. Januar 1943 Kommodore des gesamten Jagdgeschwaders.

 

Während der Luftschlacht um England kam es zu einer Begebenheit, die ohne Übertreibung als eine der kuriosesten der deutschen Luftkriegsgeschichte bezeichnet werden kann.

Am 24. August eskortierte "Pips" Priller zusammen mit einem weiteren Me-109-Piloten eine zur Seerettung eingesetzte Heinkel He-59 nahe der französischen Kanalküste, als sein Rottenflieger irrtümlich durch einen eigenen übereifrigen Jagdflieger für einen Briten gehalten, angegriffen und schwer zusammengeschossen wurde! Der die qualmende Maschine steuernde Feldwebel Delfs war ernsthaft verwundet, konnte seine Me-109 jedoch wieder unter Kontrolle bringen und steuerte das französische Hinterland an. Von Priller eskortiert, gelang Delfs schließlich der Absprung mit dem Fallschirm - doch wie es das Unglück wollte, landete der nun schon bewusstlose Flieger genau auf den Schienen einer Eisenbahnlinie! Genau in dieser Minute näherte sich ein Zug! Prillers Handeln war einzigartig - er drückte seine Me-109 auf nur wenige Meter über den Boden und donnerte dem sich nähernden Zug entgegen. Als dieser seine Fahrt aber nicht verlangsamte und Delfs noch immer regungslos auf den Gleisen lag, wiederholte "Pips" seinen Anflug und eröffnete aus allen Rohren das Feuer in Richtung der Lokomotive! Diesmal mit Erfolg.

Wenige Meter vor seinem verwundeten Kameraden stoppte der Zug schließlich, Feldwebel Delfs wurde in ein Lazarett gebracht und überlebte. Eine wirklich verrückte, aber wahre Geschichte!
Aufgrund ihrer großen Erfolge, der auffälligen gelben Propeller-Farbmarkierung und ihres Heimatstützpunktes nannten die alliierten Piloten das "Schlageter"-Geschwader respektvoll "Yellow Nosed Abbeville-Boys". Einer dieser Piloten hatte einmal, nachdem er abgeschossen und gefangen genommen worden war, Priller seine lederne US-Fliegerjacke geschenkt, die "Pips" in Folge bei jedem Einsatz trug.

 


Bekannt wurde Priller auch durch einen Einsatz bei der alliierten Landung in der Normandie. Er und sein Flügelmann Heinz Wodarczyk flogen am D-Day einen Einsatz gegen die alliierten Truppen am Invasionsstrand. Am 4. Juni 1944 erhielt Oberstleutnant Priller Befehl, sein gesamtes Geschwader wegen andauernder britischer Jagdbomberangriffe weit ins sichere Hinterland zu verlegen. Priller, mit der Verlegung gar nicht einverstanden, wollte seinen Staffeln nach zwei Tagen folgen.

Als starke alliierte Bodentruppen unter dem Schutz von über 12.000 Jägern und Bombern am 6. Juni in der Normandie landeten, erhielt Priller in aller Frühe einen aufgeregten Anruf von der für die Normandie zuständigen Jagddivision in Paris - auf die Frage, wie viele Maschinen er denn zur Verfügung hätte, antwortete Priller kühl: "Zwei Fw-190 - ich und mein Katschmarek! Der Rest ist ja gerade erst verlegt worden!"

Dem Anrufer verschlug es die Sprache - nur zwei Maschinen?! "Ich werde fliegen, ... ja auch mit nur zwei Maschinen, sagen Sie das dem General!", unterbrach Priller die Stille und knallte den Hörer auf. Priller und der als sein Katschmarek zurückgebliebene Unteroffizier flogen!

Die beiden Focke Wulf Fw-190 starteten und nahmen Kurs auf die Normandie, der Kommodore machte sich über die Überlebenschancen sicherlich keine Illusionen.

Bereits weit vor dem Einsatzgebiet trafen die beiden auf riesige Pulks amerikanischer "Mustang"-Jäger. Diese rechneten aber wohl mit wilden deutschen Angriffen und flogen in großer Höhe - die beiden "Abbeville-Boys" flogen hingegen sehr tief. Je weiter sich Priller dem Strand näherte, desto mehr feindliche Jäger tauchten auf. Hunderte "Thunderbolt", "Mustang" und Spitfire waren im Einsatz! Doch keiner schien die zwei tieffliegenden, unauffälligen Deutschen zu bemerken!

Schließlich tauchte die Küste der Normandie auf - Priller und sein Katschmarek schwenkten auf den Strand ein, wo hunderte Landungsboote regimentsweise britische und amerikanische Soldaten an Land setzten.

Die zwei deutschen Maschinen erschienen zwischen der zweiten und dritten Landungswelle über dem Strand des britischen, hart umkämpften Invasionsabschnittes "Sword".

 

Priller jagte in etwa nur 50 Metern Höhe über den Boden und beharkte die Truppen mit seinen Bordwaffen. Wie durch ein Wunder waren in diesen entscheidenden Minuten keine alliierten Jäger zur Stelle. Als diese endlich eintrafen, waren Priller und sein Katschmarek längst wieder weg!

Erneut im Tiefstflug erreichte beide Maschinen wohlbehalten ihren Heimatstützpunkt! Noch schweißgebadet, rief Priller unmittelbar darauf die Jagddivision in Paris an und berichtete von seinen Beobachtungen.

Am 15. Juni 1944 erreichte der Oberstleutnant als siebenter Jagdpilot der Westfront seinen 100. Luftsieg, wofür er die 73. Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub erhielt.

Aufgrund seiner Unersetzbarkeit wurde Priller nach 300 Einsätzen nun mit einem strengen Feindflugverbot belegt, das er allerdings mehrmals missachtete. Im Oktober schickte er seinen 101. und letzten Gegner in die Tiefe - unter seinen Opfern befanden sich u.a. 68 Spitfire, 11 Hurricane, 2 "Mustang", 2 "Thunderbolt", 8 "Flying Fortress" und 3 "Liberator". Seine glänzenden flugtaktischen und führerischen Fähigkeiten brachten ihm nach dem Krieg den ehrenvollen Titel "Mathematiker der Lüfte" ein. In den folgenden Wochen flog Priller aufgrund der Pilotenknappheit wieder vermehrt Fronteinsätze.

Am Neujahrstag 1945 nahm das Jagdgeschwader 26 unter der Führung Prillers noch an dem „Unternehmen Bodenplatte“ gegen alliierte Flugplätze bei Brüssel teil.


Am 28. Januar 1945 wurde Priller, inzwischen Oberst, zum Inspekteur der Jagdflieger Ost ernannt. Ab diesem Zeitpunkt flog er keine Einsätze mehr. Im Mai 1945 ging er in alliierte Kriegsgefangenschaft. Josef Priller absolvierte 1307 Einsätze und schoss 101 Feindflugzeuge ab.

Nach dem Krieg studierte Priller an der Hochschule Weihenstephan Brauwesen. Nach Beendigung seines Studiums wurde er nach Heirat mit der Eigentümerin Johanna Riegele-Priller Direktor der Augsburger Privatbrauerei Riegele.

1956 publizierte er ein Buch über die Geschichte des von ihm geleiteten Jagdgeschwaders 26 aus seiner Sicht. Von den Produzenten des Films Der längste Tag über die Invasion in der Normandie wurde er Anfang der sechziger Jahre als militärischer Berater beschäftigt. Im Film wurde sein Flug über den Invasionsstrand nachgespielt.

Bis heute gilt Prillers Tat in der Normandie als einzig dokumentierter Einsatz der deutschen Luftwaffe am Landungstag. Inzwischen wurde aber bekannt, dass es auch im amerikanischen Landungsabschnitt mit dem Decknamen Omaha zu Angiffen kam. Hier flogen 12 Focke-Wulf einen weiteren Angriff auf die alliierten Truppen.

Priller starb am 20. Mai 1961 im Alter von 45 Jahren an einem Herzinfarkt. Flugzeuge der Luftwaffe der Bundeswehr flogen über sein Grab als er auf dem Augsburger Westfriedhof mit militärischen Ehren bestattet wurde.

Die Städte Augsburg und Fürstenfeldbruck haben Straßen nach Josef Priller benannt.


Auszeichnungen:

Eisernes Kreuz II. und I. Klasse (1939)
Frontflugspange für Jäger in Gold mit Anhänger Einsatzzahl „300“
Deutsches Kreuz in Gold am 9. Dezember 1941
Verwundetenabzeichen in schwarz (1939)
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern



Quellen u.a.: lexikon-der-wehrmacht.de