Der deutsche Tourist
Was haben wir nicht alles im Vorfeld unserer ersten Tour, über die angeblich Deutsche nicht besonders mögenden Franzosen, gehört …
Zugegeben auch wir fuhren 2008 mit sehr gemischten Gefühlen in die Normandie, schließlich haben wir diesem Land zwei Weltkriege und Besatzungszeit gebracht.
Schon im Mai 2008 lösten sich unsere Bedenken in Luft auf, denn von einer ablehnenden Haltung der Bevölkerung, im übrigen aller Altersgruppen, war nicht das Geringste zu bemerken.
Ganz im Gegenteil! Entgegen dem Vorurteil, der Franzose würde wenn überhaupt, dann nur französisch sprechen und nicht einmal Englisch verstehen wollen, haben wir es immer gänzlich anders erleben dürfen. Wir sprechen beide (noch) kein Wort Französisch, trotzdem stellt dies in der Normandie kein Problem dar. Mit Händen und Füßen und Wortfetzen in Deutsch und Englisch, egal ob nun im Supermarkt, der Metzgerei oder dem Tante-Emma-Laden eines Dorfes, der Normanne nimmt sich die Zeit und verliert dabei niemals die Freundlichkeit.
Fast jede Stadt und jedes Dorf in der Normandie haben inzwischen deutsche Partnerstädte, dies mag sicher positiv zu dieser Entwicklung beigetragen haben.
Nach inzwischen vierwöchigen Aufenthalt in diesem Teil Frankreichs können wir Ängste dieser Art also völlig zerstreuen. Die normannische Bevölkerung ist sogar als sehr „Deutsch-Freundlich“ zu bezeichnen.
Sagen wir es mal so, wie man in den Wald hinein schreit, so hallt es auch zurück. Mit diesem Motto kommt man im übrigen auch in allen anderen Ländern der Welt klar. Wenn man die bestimmten Eigenheiten des jeweiligen Volkes zu akzeptieren lernt, gibt es eigentlich nirgends Probleme.
Man sollte sich beispielsweise an den vielen Orten der Kämpfe in der Normandie etwas zurücknehmen. Es ist zwar traurig dies überhaupt sagen zu müssen, aber an Orten wie z.B. Omaha-Beach sollte man und dies im übrigen nicht nur als deutscher Tourist, nicht scherzend, blödelnd oder gar schreiend über den Strand laufen.
Noch extremer verhält sich dass natürlich bei den Soldatenfriedhöfen. Ich dachte man müsste darauf nicht hinweisen, jüngste Erfahrungen aber sprechen eine andere Sprache.
Bei unserem Besuch des amerikanischen Friedhofs bei Colleville fiel uns eine Gruppe Touristen auf deren Kindern schreiend zwischen den Grabsteinen verstecken spielten und deren Eltern statt einzuschreiten lieber genüsslich und ebenfalls laut lachend ihre Wurstbrote verzehrten. Als wir der Gruppe näher kamen, mussten wir leider feststellen, dass es sich um eine deutsche Familie handelte. Ganz ehrlich, wir waren beide nahe daran ihnen die Frage zu stellen, ob sie sich nicht einen anderen Ort und diese gibt es in dieser schönen Landschaft der Normandie zur Genüge, suchen möchten um ihr Picknick zu veranstalten.
Wir haben uns in diesem Moment wirklich geschämt. Wenn man anscheinend schon keine richtige Erziehung genossen hatte und deswegen die Grundverhaltensregeln an Orten wie diesem nicht kennt, sollte man zumindest die Schilder beachten die speziell für Menschen dieser Sorte in Colleville aufgestellt wurden. Schilder die darauf hinweisen, diesen Ort mit Andacht und Ruhe zu besuchen. Traurig aber wahr, wir müssen sogar noch zusätzlich darauf hinweisen, dass man seine Zigarette auch danach auf dem Parkplatz rauchen kann und nicht zwischen den Grabstellen. Ach ja und auch der Hund sollte für diese Zeit mal im Auto bleiben können!
So, dass musste jetzt raus.
Abschließend möchten wir nur noch eines sagen. Fahrt in die Normandie und überzeugt euch selbst von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft seiner Bevölkerung, der Schönheit seiner Landschaft und der Vielzahl der mahnenden Relikte einer traurigen Zeit.
Wir auf alle Fälle, haben einen großen Teil unseres Herzens an diese Region Frankreichs und seine Menschen verloren und zählen schon heute die Tage bis zu unserem nächsten Besuch,
denn dies ist die Schönheit der Nomandie ...