"The bloody Gulch" - Le Manoir de Donville

 

 

Einer der emotionalsten Momente unserer D-Day-Tour 2009 war der Besuch dieses Anwesens in der Nähe von Carentan. Der heutige Besitzer, Franck Feuardent, machte mit uns eine lange und sehr informative Tour durch das gesamte Anwesen.

Auch ihr könnt in den Genuss dieser tollen Tour kommen. Einfach im Vorfeld unter der Nummer 0233 / 420322 oder 0647/510269 mit Franck terminieren, oder sein Glück versuchen und hoffen das Herr Feuardent zu Hause ist.

Auf keinen Fall selbständig durch das Gelände laufen! Zum einen ist es in Privatbesitz, zum anderen besteht an vielen Orten Lebensgefahr durch explosive Hinterlassenschaften der schweren und sehr verlustreichen Kämpfe in diesem Gebiet.

An dieser Stelle nochmals unsere Warnung: Wer sondelt spielt mit seinem und dem Leben seiner Begleiter. Zudem stört es unserer Meinung nach die Totenruhe!

Als Franck Feuradent das Anwesen übernahm, entdeckte er eine Art Tagebuch der Vorbesitzer. Dadurch ist er heute in der Lage fundierte Informationen über die Kämpfe um das Anwesen zu liefern.

 

Hier ein paar Informationen aus den Aufzeichnungen:

 

In der Nacht zum 6 Juni 1944 landeten 25 Fallschirmjäger in der Nähe des Anwesens, drei von ihnen direkt auf dem Gelände. Als der Besitzer das Haus verließ blickte er plötzlich in die schwarz gefärbten Gesichter der Paratrooper. Diese wollten von ihm den Standort der nächsten deutschen Truppen erfahren. Allerdings gab es in der Nähe keinen deutschen Stützpunkt, nur kamen in regelmäßigen Abständen deutschen Soldaten zum Anwesen um bei ihm Eier, Gemüse und dergleichen zu erwerben. Man pflegte sogar ein freundschaftliches Verhältnis zu den Besatzern.

Dies veranlasste den Besitzer auch die Fallschirmjäger zu bitten, dass Anwesen schnellst möglich wieder zu verlassen. Natürlich auch aus Angst vor evtl. Bestrafung durch die deutschen Truppen, würden die Soldaten hier entdeckt.

Nachdem sich die Fallschirmjäger vor dem Haus gesammelt hatten, verließen sie das Anwesen in Richtung Carentan. Nun entdeckte der Besitzer allerdings zwei Fallschirme in einem Baum neben der Einfahrt zum Anwesen. Diese durften von den Deutschen auf keinen Fall gefunden werden. Er schnitt sie ab und versteckte sie sicher auf dem Anwesen.

Während die Schlacht um Carentan tobte passierte nicht viel auf dem Anwesen, was sich allerdings am 13. Juni 1944 dramatisch ändern sollte. An diesem Tag begann ein Gegenangriff der deutschen Truppen zur Rückeroberung Carentans und genau im Gebiet von Donville trafen Einheiten der 17. SS-Panzergrenadier Division, sowie des 6. Fallschirmjäger Regiment auf die 501, 502 und 506 Regiment der 101. Airborne-Division, sowie in der Folge auch auf Teile der 2. Panzer-Division unter Brooks. Die Kämpfe in diesem Gebiet werden auch in der Serie "Band of Brothers" (Teil 3, Brennpunkt Normandie) dargestellt.

Innerhalb des Anwesens verschanzten sich die deutschen Truppen und es kam zu tagelangen, grausamen und sehr verlustreichen Kämpfen. Das Besitzer-Ehepaar musste vor Beginn der Schlacht auf Weisung eines deutschen Offiziers ihr Haus verlassen und kam erst nach Ende der Kämpfe zurück.

Was sie hier vor fanden ist in Worten schwer zu beschreiben. Überall die Leichen deutscher Soldaten, aber auch immer wieder gefallenen Amerikaner. Warum diese nach der Eroberung des Geländes nicht geborgen wurden ist unbekannt. Möglich wäre das man erst dem fliehenden Feind hatte nach setzen wollen, oder man hatte es aufgrund der vielen kleinen Gefechte, an fast jeder Kreuzung oder Hecke auf dem weiteren Vormarsch,  für später geplant.

Die kleine Straße die am Anwesen vorbeiführt lag voll Munition, überall weitere zerfetzte und verbrannte Körper, kaum noch zu identifizieren. Eines der Nebengebäude war zerstört, im Hof und in der Auffahrt dutzende von Toten, überwiegend in deutscher Uniform. Im Hauptgebäude selbst, überall Einschusslöcher, blutige Verbände und noch mehr Gefallene.

Franck lernte einen Mann kennen, mit dem er bis zu seinem Tod im letzten Jahr, in Kontakt stand und der unmittelbar nach den Kämpfen mit seinem Fahrrad die Straße am Anwesen befuhr. Die Eindrücke die er dabei sammeln musste ließen ihn nie mehr los und trotz mehrmaliger Einladungen von Franck wollte dieser niemals wieder diesen Ort betreten oder sehen.

Auch hier wurden Zivillisten zu Opfer der Kampfhandlungen. Auf dem kleinen Friedhof des Anwesens findet man ihre Gräber (links neben dem Eingang zur Kirche). Eine Frau starb als sie auf eine Mine trat, zwei Männer wurden von deutschen Soldaten mit Kopfschüssen hingerichtet. Einer davon direkt am Eingang zum Anwesen. Er hatte zwei amerikanische Fallschirmjäger nach dem D-Day in seinem Haus versteckt und wurde von zwei Nachbarinnen an die Deutschen verraten.

Natürlich hat Franck nach den Fund der Aufzeichnungen mit der Suche nach den beiden Fallschirmen begonnen, diese allerdings nicht gefunden. Dann vor ein paar Jahren, brach ein Stück des großen Nebengebäudes ein und gab einen verschnürten Sack frei. In diesem fanden sich beide Fallschirme, die heute in einem kleinen Museum auf dem Gelände zu sehen sind.

Überhaupt hat Franck Feuardent in den letzten Jahren viele Dinge auf seinem Anwesen gefunden und dies nicht immer gewollt. "Bei fast jedem Baum den ich hier einpflanze, oder wenn ich ein Beet anlegen möchte, es kommen immer wieder neue Dinge zum Vorschein", so Franck.

Munition, Ausrüstungsgegenstände und leider auch immer wieder sterbliche Überreste. Insgesamt drei Mal musste der Kampfmittelräumdienst mit der Bergung von Explosivkörpern beginnen.

Wir können einen Besuch bei Le Manoir de Donville und Franck nur empfehlen. Hier geht man auf eine traurige und emotionale Zeitreise die einem das Grauen eines Krieges drastisch vor Augen führt.

Spätestens in der kleinen Garage,  wo die ehemaligen Besitzer einen deutschen Soldaten an der Mauer lehnend vor fanden, dessen halber Kopf weg geschossen war und wo, die ihn tötende Kugel noch heute im Mauerwerk steckt, haben uns kalte Schauer erfasst.

Und in einem anderen Raum des Anwesens zeugen mehrere große Blutflecken im Holzboden von einem weiteren traurigen Fund durch die damaligen Besitzer. Hier lagen ein gefallener deutscher und ein amerikanischer Soldat im Zimmer.

Die Zeit heilt viele Wunden, aber nicht die Spuren die sie erzeugt hat.  Wir waren auf Grund dieser Eindrücke emotional sehr ergriffen und sprachlos und haben unsere Tour nach dem Besuch dieses Ortes für diesen Tag beendet.

Im Oktober 2011 waren wir wieder bei Franck eingeladen. Nach einer ausführlichen Tour über das Anwesen saßen wir noch lange bei Cidre zusammen in seinem schönen Garten. An dieser Stelle ganz herzliche Grüße an dich lieber Franck, deine liebenswerte Frau und deine drei netten Söhne. Wir freuen uns auf das Wiedersehen in Deutschland?

 


 

Die Gräber der geöteteten Zivilisten
Die Gräber der geöteteten Zivilisten
Franck vor der Kirche gegenüber des Anwesens
Franck vor der Kirche gegenüber des Anwesens
Der Krieg macht auch vor Kirchen nicht Halt
Der Krieg macht auch vor Kirchen nicht Halt
Nach den Kämpfen (im Hintergrund auch ein gelandeter Lastensegler) - Quelle: US National Archives
Nach den Kämpfen (im Hintergrund auch ein gelandeter Lastensegler) - Quelle: US National Archives
Die gleiche Stelle im September 2009
Die gleiche Stelle im September 2009
In diesem Baum hingen am 6. Juni die beiden Fallschirme
In diesem Baum hingen am 6. Juni die beiden Fallschirme
Und deswegen nicht graben !!!!!
Und deswegen nicht graben !!!!!
Amerikanischer Helm
Amerikanischer Helm
Deutsches Grabkreuz, leider konnte der hier geborgene Soldat nicht mehr identifiziert werden
Deutsches Grabkreuz, leider konnte der hier geborgene Soldat nicht mehr identifiziert werden
Stellungslöcher
Stellungslöcher
Das Nebengebäude rechte Seite, teilweise zerstört durch amerikanische Panzer
Das Nebengebäude rechte Seite, teilweise zerstört durch amerikanische Panzer
An dieser Wand lehnte der tote deutsche Soldat
An dieser Wand lehnte der tote deutsche Soldat
Die Kugel die ihn tötete. Er wurde vom Dachboden aus erschossen. Leider wurde diese Kugel, wie auch so viele andere Dinge, von Souvenirjägern entwendet.
Die Kugel die ihn tötete. Er wurde vom Dachboden aus erschossen. Leider wurde diese Kugel, wie auch so viele andere Dinge, von Souvenirjägern entwendet.
Das Nebengebäude auf der linken Seite (dort wurden die Fallschirme entdeckt)
Das Nebengebäude auf der linken Seite (dort wurden die Fallschirme entdeckt)
Das Hauptgebäude
Das Hauptgebäude
Helm eines getöteten amerikanischen Leutnants (Kopfschuss)
Helm eines getöteten amerikanischen Leutnants (Kopfschuss)
Blutreste im Inneren
Blutreste im Inneren
Die beiden Fallschirme
Die beiden Fallschirme

 

Ein Übel mit dem Franck leben muss...

 

Unzählige Male musste er schon den Kampfmittelräumdienst rufen um explosive Hinterlassenschaften entfernen zu lassen. Immer wieder werden auch die sterblichen Überreste von Soldaten beider Seiten entdeckt. Diese Bilder entstanden im März 2011.

 

Leider kommt es auch immer öfters vor das Schatzsucher nachts in das Gelände eindringen um Dinge zu entwenden oder selbst danach zu graben. Traurig und sehr dumm, denn dadurch gefährden sie nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das von kommenden normalen Besuchern.

 

 

Die Wiese vor dem Haus. Alleine hier lagen 18 tote Soldaten
Die Wiese vor dem Haus. Alleine hier lagen 18 tote Soldaten
Die Straße vor dem Anwesen. Rechts in Höhe des Tores wurde der Zivilist ermordert. Auf der gesamten Straße lagen die Gefallenen in großen Gruppen.
Die Straße vor dem Anwesen. Rechts in Höhe des Tores wurde der Zivilist ermordert. Auf der gesamten Straße lagen die Gefallenen in großen Gruppen.


Im Rahmen der diesjährigen D-Day-Gedenkfeiern bekam er Franck Besuch von einer Gruppe Reenactors, sowie den zwei amerikanischen Veteranen Lou Weckky und Robert Noody, die im Juni 1944 auf seinem Anwesen im Einsatz waren und die furchtbaren Kämpfe miterleben mussten. 


 

Robert Noody wurde durch ein Bild der Landungsnacht bekannt. Es zeigt ihn und eine Gruppe Fallschirmjäger an Bord ihrer Transportmaschine in Richtung Frankreich.

Robert Noody (Dritter von links) Quelle: US National Archives
Robert Noody (Dritter von links) Quelle: US National Archives

 

 

 

Weitere Informationen:

 

Inzwischen wurde der Ort von Franck gut ausgeschildert und ist leicht zu finden.