Carentan
Denkmal an der "Cabbage Patch" in Carentan
Vom 08. Juni 1944 bis 15. Juni 1944 tobten die Kämpfe in und um Carentan. Die Stadt lag im Hinterland des Strandabschnittes Utah und war so eine Schlüsselposition für die deutsche Verteidigung in der Normandie. Nachdem es den Landungstruppen nicht wie geplant gelungen war, am Landungstag die Verbindung der Utah- und Omaha-Brückenköpfe herzustellen, beschloss das amerikanische Oberkommando am 7. Juni, den Zusammenschluss durch einen konzentrierten Angriff des VII. Korps auf Carentan herbeizuführen. Der 101. Luftlandedivision wurde dabei die Einnahme Carentans als alleiniges Ziel gesetzt.
Der Angriff auf Carentan unter dem Kommando von Colonel Robert F. Sink wurde auf 4:45 Uhr am 8. Juni angesetzt. Die Fallschirmjäger kamen von St.Come-du-Mont und konnten nur die Nationalstraße 13 benutzen. Das war die einzige Möglichkeit zum Durchqueren der überschwemmten Sumpfgebiete der Douve. Am Abend des 8. Juni kontrollierte die 101. US-Luftlandedivision einen Verteidigungsbogen auf der südlichen Flanke des VII. Korps, der von Chef-du-Pont bis zur Mündung der Douve verlief. An der rechten Divisionsflanke hatte die 502. Fallschirminfanterie Positionen von Chef-du-Pont bis in der Nähe von Houesville bezogen. Das 327. Gleiterregiment unterstützte sie in der Nähe der Schleuse und der Hafenbrücken. Im Verteidigungszentrum stand die 506. Fallschirminfanterie beiderseits des Zufahrtsdamms nach Carentan.
Es gab Anzeichen dafür, dass Carentan von den Deutschen doch nicht so heftig verteidigt werden sollte. Die 506. hatte
Außenposten an den ersten zwei Brücken aufgestellt und am nächsten Tag machten sie einen Erkundungsvorstoß in die Außenbezirke von Carentan. In der Nähe der vierten Brücke legten sie Feuer. Der
Zufahrtsdamm zog sich schmal und gerade durch die Marschlandschaft und die Amerikaner konnten anrückende Deutsche schnell ausmachen und sich selbst problemlos in alle Richtungen verteidigen.
Der Angriff wurde von der 502. ausgeführt. Colonel Robert G. Cole startete mit dem 3. Bataillon kurz nach Mitternacht am 10. Juni. Da die Pioniere, die die Brücke Nr. 2 reparieren sollten, nicht
unter Feindbeschuss arbeiten konnten, wurde der Angriff kurz darauf aber abgebrochen. Etwas später wurde eine Patrouille zur Erkundung der Straße ausgesandt. Der Kanal wurde von ihnen bei der Brücke
Nr. 2 in einem Boot überquert. Als sie zur Brücke Nr. 4 weiterfahren wollten, war ihnen der Weg durch ein großes Stahltor, ein sogenanntes Belgisches Tor, verwehrt. Während der Bemühung dieses
Hindernis zu öffnen, explodierte plötzlich eine Mörsergranate neben ihnen. Im selben Augenblick begann ein Gewitter aus Maschinengewehrfeuer und weiteren Granaten von deutschen Stellungen neben der
Straße auf sie einzuprasseln. Zwar musste sich die Patrouille gegen 5:30 Uhr wieder zurückziehen, aber nun war bekannt, dass die Deutschen die Verteidigung von Carentan noch nicht aufgegeben
hatten.
Das originale Belgische Tor von Brücke 4 (vor dem Dead Man´s Corner Museum)
Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia
Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia
Als neuer Angriffstermin wurde
dem Bataillon der Nachmittag angekündigt. Dieses Mal sollten das 65. Panzerfeldartilleriebataillon und das 907. Gleiterfeldartilleriebataillon mit ihren Geschützen eine erhebliche Unterstützung
liefern. Das meiste Artilleriefeuer wurde auf die bekannten und vermuteten feindlichen Stellungen konzentriert, die hauptsächlich südwestlich der Brücke Nr. 4 lagen. Am Mittag war es den Pionieren
noch nicht gelungen, die große Lücke an Brücke Nr. 2 zu schließen. Colonel Cole und drei andere Soldaten legten Planken über die Brücke, so dass am frühen Nachmittag das Bataillon einer nach dem
anderen die Brücke überqueren konnte. Aus Richtung Carentan eröffnete immer wieder eine 88mm-Kanone das Feuer auf die Straße, hielt aber die Männer nicht auf. Die Soldaten gingen geduckt oder krochen
den Damm entlang. Als nach drei Stunden die meisten Amerikaner drei Brücken überquert hatten und sich jenseits Brücke Nr. 2 befanden, eröffneten die Deutschen das Feuer aus schützenden Hecken und
einem großen Bauernhof an der rechten Seite. Die Männer ließen sich sofort in die Gräben rollen. Als sie versuchten, weiter vorzurücken bestrich ein deutsches Maschinengewehr die Gräben. Nachdem drei
Soldaten getroffen worden waren, zog sich die Gruppe wieder zurück.
In einer langen Reihe, Mann hinter Mann, zog das Bataillon die Straße entlang, unfähig sich zur
rechten und linken Flanke verteidigen zu können. Ständig lagen sie unter deutschem Maschinengewehrfeuer. Das belgische Tor an Brücke Nr. 4 musste von ihnen einzeln nacheinander bei direktem Beschuss
unterquert werden. Ohne die Unterstützung der Artillerie, die von 16:00 Uhr bis 23:30 Uhr die deutschen Stellungen beschoss, wäre dies ein unmögliches Unterfangen gewesen. Ein Teil der G-Kompanie,
die das Bataillon anführten, nahm Positionen rechts von der Brücke ein, während der Rest versuchte, durch die enge Öffnung zu schlüpfen. Sechs Soldaten gelang es durchzukommen, aber der siebte wurde
getroffen. Sofort wurde die Aktion abgebrochen und eine Verteidigungsstellung aufgebaut.
Das komplette Bataillon saß nun fest. Die I-Kompanie kauerte neben dem Damm bei Brücke Nr. 3 und war so gut wie
deckungslos dem deutschen Feuer ausgeliefert. Sie hatten schwere Verluste. Zuerst von Gewehrfeuer und gegen 23:30 Uhr auch von zwei deutschen Kampfflugzeugen, die sie beschossen und Bomben auf ihre
Position abwarfen. Während einer kurzen Feuerpause um Mitternacht konnten sich von den ursprünglich 80 Soldaten der Kompanie nur noch 21 Männer und zwei Offiziere bis hinter die Brücke Nr. 2
zurückziehen. Die Feuerpause nutzten auch Soldaten der H-Kompanie, um Männer durch das Tor an Brücke Nr. 4 zu schleusen.
Gegen 4:00 Uhr morgens am 11. Juni wurde das 3. Bataillon von der Regimentsführung angewiesen, die Attacke fortzusetzen. In der Dunkelheit stießen die G-Kompanie und die Kompanie aus dem
Hauptquartier durch das Tor an Brücke 4 weiter vor. Beiderseits des Straßendamms rückten sie vor. Die Hauptposition der Deutschen schien ein großer Bauernhof rechts der Straße zu sein, der von hohen
Hecken umschlossen war. Er erhob sich deutlich auf einer kleinen Anhöhe aus dem Marschland.
Als sich die ersten Soldaten dem Hof näherten, wurden sie mit Gewehren, Maschinenpistolen und Mörsern angegriffen. Ein konzentrierter amerikanischer Artilleriebeschuss änderte an der Situation wenig. Daher befahl Colonel Cole einen Bajonettangriff auf die deutsche Position. Dazu ließ er von der Artillerie Rauchbomben in das Gebiet schießen. Um 6:15 Uhr nach Beendigung des Artilleriefeuers pfiff Cole zum Angriff, doch ihm folgten von den ursprünglich 250 Männern nur 20, weitere 50 griffen mit Major Stopka das Haus an. Dadurch dass die Amerikaner über ein weites Gebiet verteilt in Deckung lagen, hatte sich der Befehl nicht überall herumgesprochen.
Männer der H-Kompanie erreichten als erste den Bauernhof, fanden ihn aber verlassen vor. Das feindliche Feuer kam
jetzt aus einer hohen Hecke, die rechtwinklig zur Straße verlief. Die Amerikaner stürmten den Bereich und töteten die Deutschen mit Handgranaten und den Bajonetten. Der einzige deutsche Widerstand,
der nun noch existierte, lag im Süden, von wo aus stetig auf die Amerikaner gefeuert wurde. Colonel Cole wollte den Vorstoß eigentlich sofort weiter fortsetzen lassen, aber das Bataillon war
kräftemäßig nicht mehr dazu in der Lage. Alle Amerikaner versammelten sich nahe dem Bauernhof. Dort stellte sich schnell heraus, dass die Einheiten im Kampfgewirr durcheinander geraten waren und
teils hohe Verluste erlitten hatten. Daher wurde dem 1. Bataillon der 502. Fallschirminfanterie der Befehl übermittelt, über die Position des 3. Bataillons hinaus den Angriff fortzusetzen.
Der Befehl erreichte das 1. Bataillon nördlich der Brücke Nr. 4. Unter Führung von Colonel Cassidy überquerten die Soldaten bei heftigem deutschen Gegenfeuer die Brücke und erreichten die Felder beim
Bauernhof. Doch anstatt weiter vorzurücken, verstand sich das 1. Bataillon als Verstärkung für das 3. Durch den deutschen Beschuss hatten sie aber ebensolche Verluste erlitten und waren genauso in
Unordnung geraten wie ihre Kameraden. Auf der rechten Flanke gelang es den Amerikanern eine deutsche Stellung auszuheben, gerade als diese ihre Position ändern wollte. Die Deutschen zogen sich
schnell in die südlichen Häuser zurück und die Amerikaner folgten ihnen. Dort lagen sie sich für den Rest des Tages gegenüber. Die kleine amerikanische Gruppe war damit am weitesten vorgerückt und
befand sich rund 140 m weit weg vom restlichen Bataillon. Eine andere Gruppe installierte in einer Heckenecke hinter dem Bauernhof zwei Maschinengewehre, mit denen der Bereich östlich bis zu den
Obstplantagen und die Straße bis zur nächsten Kreuzung abgedeckt wurden. Trotz allem war dies kein koordinierter Angriff und Colonel Cole war im Bauernhof sehr besorgt darüber, da er ohne
Funkverbindung die Situation an beiden Flanken nicht einschätzen konnte. Zudem empfand er die Hilfe der Artillerie als kaum effektiv. Der Rückzugsraum war durch den Fluss eingeengt und eine eigene
Reserve stand auch nicht zur Verfügung. Weiterhin bekam man die deutschen Verteidiger fast nie zu Gesicht und musste deren Stellungen und Entfernungen anhand der Lautstärke des Geschützfeuers
abschätzen.
Am Morgen erhöhte sich die Intensität des deutschen Artillerie- und Mörserfeuers. Die Deutschen begannen mit einem Gegenangriff. Einer der heftigsten Vorstöße kam über die Obstplantage und galt den Amerikanern südlich und östlich des Bauernhofs. Doch durch die neuen Maschinengewehrstellungen konnten die deutschen Angreifer zum Abbruch der Attacke gezwungen werden.
Quelle: US National Archives
Am Mittag wurden die Einheiten von der Regimentsführung über eine Anfrage der Deutschen für einen Waffenstillstand informiert und das Feuer wurde eingestellt. Brigadegeneral Anthony C. McAuliffe, der die Operation der 101. US-Luftlandedivision leitete kam dies entgegen, da er nun selbst in der Lage war, die amerikanischen Opfer zu bergen. Major Douglas T. Davidson, der Regimentsarzt, ging daraufhin mit zwei deutschen Abgesandten durch die feindlichen Linien, um den Kommandeur in Carentan um eine Feuerpause zu bitten.
Eine Unterredung wurde aber abgelehnt und Davidson kehrte unverrichteter Dinge wieder bis zur Brücke Nr. 4 zurück. In diesem Moment eröffnete
die deutsche Seite in einer bisher ungekannten Intensität das Feuer aus allen verfügbaren Waffen und Geschützen. Colonel Cole fragte sofort bei der Regimentsführung um Feuererlaubnis nach, die er
jedoch nicht bekam, da Davidson noch nicht wieder zurückgekehrt war. Die Amerikaner an vorderster Front fällten jedoch ihren eigenen Entschluss und begannen zurückzufeuern. Da sie die deutschen
Bewegungen während der Feuerpause beobachtet hatten, waren sie überzeugt davon, dass diese dazu gedient hatten die feindlichen Stellungen zu stärken und eine schwere Artillerieattacke
vorzubereiten.
Der erneute deutsche Angriff brachte die Amerikaner an ihre Grenzen. Die rechte Flanke musste sich
zurückziehen, aber die Maschinengewehrstellung am Bauernhof half den anderen, ihre Positionen zu halten. Die Soldaten im Kohlfeld an der linken Flanke hielten ihre Stellungen gegen immer wieder
vorgetragene deutsche Attacken aus den umliegenden Hecken und Gräben. Sie kamen den Amerikanern teilweise so nahe, dass diese das Geräusch der Verschlüsse beim Nachladen hören konnten. Der Feind gab
den amerikanischen Bataillonen keine Chance, die Verwundeten zu bergen.
Gegen 18:30 Uhr wollte Colonel Cole die Regimentsführung über seinen Rückzugsentschluss informieren, aber das Funkgerät war defekt. Cole nahm an, dass nur deutlich gesteigerte Artillerieunterstützung seinen Männern helfen konnte. Als der Funkspruch endlich abgesetzt werden konnte, änderte sich die Situation schlagartig. Die komplette amerikanische Artillerie begann umgehend mit einem intensiven Beschuss der deutschen Stellungen, wobei das Feuer sehr nah an die amerikanischen Positionen gesetzt werden musste. Dabei kamen zwei Soldaten ums Leben.
Der Beschuss dauerte nur fünf Minuten, aber das reichte aus, um die Deutschen zum Rückzug in die Stadt zu bewegen. Ausgesandte Patrouillen konnten dies nur bestätigen. Das 1. und 3. Bataillon waren endlich in der Lage, sich gegen 20:00 Uhr zurückzuziehen. Das 2. Bataillon übernahm die jetzt neu eroberten Bereiche. Damit war der Weg nach Carentan von Norden her freigekämpft, doch die 502. Fallschirminfanterie war zu schwach, die Attacke fortzusetzen. Die 506. Fallschirminfanterie wurde als Entsatz beordert, um den Ort letztendlich einzunehmen.Gegen 18:30 Uhr wollte Colonel Cole die Regimentsführung über seinen Rückzugsentschluss informieren, aber das Funkgerät war defekt. Cole nahm an, dass nur deutlich gesteigerte Artillerieunterstützung seinen Männern helfen konnte. Als der Funkspruch endlich abgesetzt werden konnte, änderte sich die Situation schlagartig. Die komplette amerikanische Artillerie begann umgehend mit einem intensiven Beschuss der deutschen Stellungen, wobei das Feuer sehr nah an die amerikanischen Positionen gesetzt werden musste. Dabei kamen zwei Soldaten ums Leben. Der Beschuss dauerte nur fünf Minuten, aber das reichte aus, um die Deutschen zum Rückzug in die Stadt zu bewegen. Ausgesandte Patrouillen konnten dies nur bestätigen. Das 1. und 3. Bataillon waren endlich in der Lage, sich gegen 20:00 Uhr zurückzuziehen. Das 2. Bataillon übernahm die jetzt neu eroberten Bereiche. Damit war der Weg nach Carentan von Norden her freigekämpft, doch die 502. Fallschirminfanterie war zu schwach, die Attacke fortzusetzen. Die 506. Fallschirminfanterie wurde als Entsatz beordert, um den Ort letztendlich einzunehmen.
Bei den Amerikanern trägt die Nationalstraße 13 nach Carentan heute den Namen "Purple Heart Lane". In Folge 3 der Serie "Band of Brothers" werden die Kämpfe um Carentan dargestellt. Im Museum "Dead Man´s Corner", dass direkt an der Nationalstraße 13 liegt, sind Ausrüstungsgegenstände der Easy Company ausgestellt.
Quelle: US National Archives
Die Kampfspuren sind noch deutlich sichtbar
Blick von der Brücke
Die "Purple Heart Lane" in Fahrtrichtung Carentan
Der Kommandoposten von Colonel Robert G. Cole´s in der Nähe der "Cabbage Patch"
Colonel Robert G. Cole´s - Quelle: Unbekannt
Hier stürmte die Easy-Company Carentan (Am Ende der Straße das frühere Cafe Normandie)
Hier befand sich damals der Hinterhalt in den die Easy geriet (Gebäude rechts, ehemaliges Cafe Normandie)
Die Aid-Station der 101. Airborne in Carentan im Juni 1944 - Quelle: US National Archives
und im September 2009
Quelle: US National Archives
Auch ein Motiv vieler historischer Bilder
Hier wurde Winters die Kugel entfent (weitere Aid-Station in Carentan)
Cabbage Patch
Die Attacke am Zufahrtsdamm
Der Ort heute. An diesem Hügelkamm (den Kanal im Rücken) lag die deutsche Verteidigungslinie