Cherbourg

Nachdem sich die amerikanischen Einheiten, die am Utah und Omaha Beach gelandet waren, zusammengeschlossen und Carentan erobert hatten, rückten sie auf Cherbourg vor. Das VII. US-Korps sollte die Halbinsel Cotentin von Norden und Westen her abriegeln, um so Cherbourg erobern zu können.

Die deutschen Einheiten waren zwar zahlenmäßig unterlegen, konnten aber, da sie das Gelände und die Bocage-Landschaft für sich nutzten, den Vormarsch der alliierten Verbände verlangsamen, obwohl Omar Bradley die Truppen auf dem Cotentin gut mit Nachschub und Verstärkungen bedachte.

Am 14. Juni gelang es der 4. US-Infanteriedivision trotz starkem Widerstand, die deutsche Hauptverteidigungslinie im Norden zu durchbrechen. Im Westen kam das VII. US-Korps ebenfalls langsam voran, da sie die Flüsse Merderet und Douve überqueren mussten.

Am 15. Juni verstärkte General J. Lawton Collins, der Kommandeur des VII. US-Korps, die amerikanischen Truppen die westlich der Merderet vorrückten, mit der 82. US-Luftlandedivision, unter Matthew Ridgway, und der 9. US-Infanteriedivision, die unter dem Kommando von Manton S. Eddy stand. 

Die deutschen Verbände zogen sich etwas zurück, um ihre Abwehrfront zu verkürzen, wodurch es der 82. US-Luftlandedivision gelang, St. Sauveur-le-Vicomte zu erobern, nachdem es ihnen zuvor, am 16. Juni gelungen war, die Douve zu überqueren. Collins sah daraufhin die Möglichkeit, schnell an die Küste zu gelangen. Er befahl der 82. US-Luftlande- und der 9. US-Infanteriedivision entlang der Hauptstraßen in Richtung Westen bis an die Küste vorzurücken. Die beiden Divisionen überraschten die Deutschen durch ihren schnellen Vorstoß und erreichten in der Nacht vom 17. auf den 18. Juni die Küste. Die deutschen Verbände verfügten nicht über ausreichende Kräfte für einen organisierten Gegenangriff. 

Die meisten Städte und Dörfer wurden durch das alliierte Bombardement, Artilleriefeuer, sowie durch die Kämpfe schwer zerstört und viele normannische Bürger verloren hierbei ihr Leben.

Die Amerikaner rückten daraufhin in nördlicher Richtung vor, eroberten Montebourg und Valognes, sowie die nach Cherbourg führende Hauptstraße. Am 20. Juni zogen sich die Deutschen in die Stadt Cherbourg zurück.

 

Luftaufnahme Cherbourg 1944 (Quelle: US National Archives) Luftaufnahme Cherbourg 1944 (Quelle: US National Archives)

 

Cherbourg war zu einer Festung ausgebaut worden. Die Verteidigungsanlagen bestanden aus diversen Bunkern, betonierten MG-, Granatwerfer- und Artilleriestellungen.

Am 20. Juni erreichten die Amerikaner den äußeren Verteidigungsring. Ihre Späh- und Stoßtrupps wurden jedoch zurückgeworfen. Collins hoffte angesichts der gut ausgebauten Verteidigungsstellungen auf demoralisierte und schlecht ausgerüstete Soldaten innerhalb der Festung. Daraufhin forderte Collins den deutschen General Karl-Wilhelm von Schlieben, den Kommandanten der Stadt, am 21. Juni auf, zu kapitulieren. Von Schlieben jedoch lehnte ab.

Am 22. Juni griffen die Amerikaner die Verteidigungsstellungen an. Um etwa 12:40 Uhr griffen Jagdbomber des Typs Mustang und Typhoon die Stadt mit Bomben und ihren Bordwaffen an. Danach folgte gegen 13:00 Uhr ein Bombenangriff von 562 Jagdbombern, deren Bomben jedoch aufgrund verwehter Markierungen auch die Amerikaner trafen. Etwa eine Stunde später, um ca. 14:00 Uhr erfolgte dann ein Bombardement durch 377 mittlere Bomber.

Nach Artillerie- und Panzerbeschuss griffen amerikanische Infanteristen und Sturmpioniere die Stadt an. Die Sturmpioniere schalteten die Verteidigungsanlagen systematisch aus, während amerikanische Maschinengewehre auf die Schießscharten feuerten, und so verhinderten, dass die Deutschen Widerstand leisteten. Als die Sturmpioniere an die Bunker gelangen, sprengten sie mit Hohlladungen die Bunkertüren und schalteten die Besatzungen mit Phosphorgranaten aus.

Am 23. Juni starteten die deutschen Verbände vereinzelte Gegenangriffe und leisteten weiterhin Widerstand. Die Amerikaner rückten immer weiter vor und beschossen die Stadt mit Artillerie und Bomben. Am 25. Juni nahmen neben der Artillerie und den Bombern drei Schlachtschiffe und vier Kreuzer am Beschuss teil.

 

Deutsches Geschütz nach der Eroberung (Quelle: US National Archives) Deutsches Geschütz nach der Eroberung (Quelle: US National Archives)

In Folge des starken Artilleriebeschusses gelang es dem VII. US-Korps, in das Innere der Stadt zu gelangen. Daraufhin zerstörten die Deutschen die Hafenanlage der Stadt damit sie nicht in die Hände der Alliierten fällt. Einige stark befestigte Stellungen leisteten am 26. Juni noch immer Widerstand, die Deutschen kämpften jedoch nicht mehr koordiniert.

Karl-Wilhelm von Schlieben, der am 23. Juni 1944 zum Kommandanten der Festung Cherbourg ernannt wurde, entschloss sich drei Tage später, am Abend des 26. Juni 1944, zur Kapitulation. Nach seiner Kapitulation zusammen mit Konteradmiral Walter Hennecke, dem Kommandanten der Seeverteidigung in der Normandie, gegenüber der 9. US-Infanteriedivision unter Generalmajor Manton S. Eddy ergab sich von Schlieben mit über 800 anderen Soldaten in seinem unterirdischen Befehlsbunker in St. Sauveur und ging daraufhin in Kriegsgefangenschaft. Es folgte eine zweite, offizielle, Kapitulation im Schloss von Servigny, dem Hauptquartier von General Collins.

Die deutschen Stellungen, die noch immer Widerstand leisteten, konnten am 27. Juni mit Lautsprecherdurchsagen, die beinhalteten, dass die Kapitulation unterzeichnet war, überredet werden sich zu ergeben. Am selben Tag überreichte Collins dem Bürgermeister Cherbourgs im Rathaus eine aus Fallschirmseide gefertigte Trikolore. Am 29. Juni waren auch die letzten Verteidiger unter alliierter Kontrolle.

Insgesamt gingen etwa 10.000 deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft. Die amerikanischen Verluste beliefen sich auf etwa 2.800 Tote, 3.000 Vermisste. Zudem hatten die Amerikaner ca. 13.500 Verwundete. Am 1. Juli war das gesamte nördliche Cotentin in amerikanischer Hand. Offizielle Opferzahlen auf deutscher Seite sind wie so oft leider nicht bekannt.

 

Quelle: US National Archives Quelle: US National Archives
Die Stelle im September 2009 Die Stelle im September 2009

 

 

Quelle: US National Archives Quelle: US National Archives
Das Gebäude im September 2009 Das Gebäude im September 2009

 

 

Quelle: US National Archives Quelle: US National Archives
Im September 2009 Im September 2009

 

 

Die Stelle 2009 Die Stelle 2009

 

 

Quelle: US National Archives Quelle: US National Archives
Deutsches Geschütz in der Festung Cherbourg (Quelle: US National Archives) Deutsches Geschütz in der Festung Cherbourg (Quelle: US National Archives)

 

 

Deutsche Gefangene nach der Kapitulation der Stadt (Quelle: US National Archives) Deutsche Gefangene nach der Kapitulation der Stadt (Quelle: US National Archives)
Die gleiche Stelle im September 2009 Die gleiche Stelle im September 2009

 

 

Die Stelle 2009 Die Stelle 2009

 

 

Quelle: US National Archives Quelle: US National Archives

 

 

 

 

Das Gesicht des Krieges

Dieses Bild zeigt den amerikanischen Soldaten Captain Earl Topley und einen gefallenen deutschen Soldaten. Der junge Soldat hatte kurz vorher drei Soldaten aus der Einheit von Topley getötet, bevor er selbst sein Leben verlor.  

Quelle: US National Archives Quelle: US National Archives

Da die Deutschen die Hafenanlagen vor der Kapitulation zerstört hatten, konnten die Alliierten den Hafen nicht wie geplant nutzen. Dies war ein mit ein Grund für den Red Ball - Express. Bradley aber konnte sich nach der Einnahme Cherbourgs auf den Ausbruch aus der Normandie konzentrieren und startete am 24. Juli die Operation Cobra. Nach dem Erfolg dieser Operation und der Schlacht um Caen gelang es den Alliierten, viele der deutschen Verbände im sogenannten Kessel von Falaise einzuschließen. Die Schlacht um Cherbourg sowie die anderen Kämpfe in der Normandie verhalfen den Alliierten zu einer festen Basis in Nordfrankreich, woraufhin sie Paris und später auch Deutschland erobern konnten.

In Cherbourg, im Fort du Roule, auf dem Berg von Roule, befindet sich heute das Musée de la Liberation de Cherbourg, das älteste Museum in der Normandie, das an die Geschehnisse während der Operation Overlord, sowie der deutschen Besatzungszeit erinnert. Im Museum werden weder Waffen noch Uniformen dargestellt.

Außerdem befinden sich in und um Cherbourg diverse Gedenkstätten, die an die verlustreichen Kämpfe erinnern.

 

Fort du Roule Fort du Roule
Blick vom Fort über Cherbourg Blick vom Fort über Cherbourg
Blick auf das Fort vom Hafen Blick auf das Fort vom Hafen
Dieser Bunker in der Innenstadt dient heute als Dachterrasse und Geräteschuppen Dieser Bunker in der Innenstadt dient heute als Dachterrasse und Geräteschuppen