Der Kessel von Falaise
Die Schlacht um Frankreich war mit dem D-Day noch lange nicht beendet. Die alliierte Landung in der Normandie hatte zwar eine zweite Front in Westeuropa geschaffen, jedoch standen einem weiteren alliierten Vormarsch die westlichen Verbände der deutschen Wehrmacht entgegen, die es in der Folgezeit zu zerschlagen galt. Am 8. August erreichte Pattons 5. Panzerdivision Le Mans und schloss sich dort mit der französischen 2. Panzerdivision unter Leclerc zusammen. Bradley und Montgomery kamen am selben Tag überein, die deutsche Armee westlich der Seine einzuschließen. Pattons beide Panzerdivisionen sollten sich daher zu einem Zusammenschluss mit Montgomerys Divisionen, die parallel von Caen aus in südwestliche Richtung abdrehen sollten, von Le Mans aus nach Norden wenden. Patton schwenkte daraufhin im rechten Winkel in Richtung Argentan, während seine übrigen Divisionen zur Seine vorstießen. Dadurch konnte Bradley einen kurzen sowie auch einen langen Haken schaffen. Der lange Haken ermöglichte ein Abfangen der aus Falaise entkommenden deutschen Truppen.
Deutsche Panzertruppen sollten das Gebiet östlich von Falaise halten, um ein Entkommen der deutschen Truppen aus dem Kessel möglichst lange zu gewährleisten. Jedoch kam dieser Befehl verspätet, da die Überquerung dreier Flüsse unter Beschuss kaum Aussicht auf Erfolg hatte, zumal aufgrund alliierter Luftangriffe ein Vorwärtskommen bei Tage unmöglich schien. Bradley befahl Patton, nördlich von Argentan zu halten. Somit ergab sich eine 25 Kilometer breite Lücke, durch welche die deutschen Truppen zu entkommen versuchten. Deutsche und kanadische Truppen lieferten sich über mehrere Tage erbitterte Kämpfe. Unterdessen schloss eine polinische Panzerdidision nördlich den Kessel, um die Flucht der deutschen Truppen zu verhindern, und konnte die Angriffe der 2. SS-Panzerdivision bis zum 21. August abwehren. Zwischen dem 18. und 21. August schrumpfte der Kessel zu einer acht Kilometer breiten Straße zusammen, die zusätzlich zu den zahlreichen Luftangriffen täglich mit bis zu 80.000 Granaten beschossen wurde. Die Straßen und Weg in diesem "Koridor des Todes" boten ein Bild des Grauens. Überall die Leichen von deutschen Soldaten, zerschossene und ausgebrannte Fahrzeuge aller Art, Tierkadaver und ein beißender Geruch der Verwesung.
Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia
Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia
Quelle: US National Archives
Am 1. September endete der Kampf mit den letzten zurückweichenden deutschen Soldaten. Die deutsche Wehrmacht verlor alleine zwischen dem 7. und 21. August in Frankreich 50.000 Soldaten; weitere 200.000 gerieten in Kriegsgefangenschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt beliefen sich die Verluste der Deutschen in der Normandie auf mehr als 240.000 Tote oder Verwundete und 250.000 Gefangene. An Material büßte die Wehrmacht dabei 1.500 Panzer, 3.500 Geschütze und 20.000 sonstige Fahrzeuge ein. Die Alliierten bezifferten ihre Verluste auf 209.672, darunter 36.976 Gefallene.
Quelle: National Archives of Canada
Durch ihren Sieg bei Falaise waren die alliierten Streitkräfte anschließend in der Lage, in Richtung Seine und schließlich nach Paris vorzurücken Die Wehrmacht konnte sich vom Materialverlust bei Falaise nicht wieder erholen. Nach offiziellen Angaben waren elf Panzerdivisionen aus dem Kessel entkommen. Allerdings verfügten diese Divisionen zusammen über weniger als 100 Panzer. Zehntausende Soldaten verloren ihre Ausrüstung. Der Kessel von Falaise wird somit auch als ein deutsches Dünkirchen bezeichnet. Die Alliierten erreichten am 25. August Paris und befreiten noch vor Jahresende ganz Frankreich.