Oradur-sur-Glane

 

Unmittelbar nach der Landung der Alliierten in der Normandie erhielt die in Südwestfrankreich stationierte 2. SS-Panzer-Division Das Reich den Marschbefehl zur Invasionsfront nach Norden. Auf ihrem Weg dorthin verübte sie massive Vergeltung für den wachsenden französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer.

 

Am 10.Juni 1944 erschienen Soldaten eines  SS-Panzergrenadierregiments  im 30 Kilometer nordwestlich von Limoges gelegenen Oradour-sur-Glane. In dem Dorf vermuteten sie Kämpfer und ein Waffenlager der Résistance. Die Dorfbewohner wurden zunächst auf dem Marktplatz zusammengetrieben. Die Einheit hatte eigentlich den Befehl,  30 Geiseln vom Bürgermeister des Ortes benennen zu lassen, um diese gegen Sturmbannführer Helmut Kämpfe, der kurz zuvor von der Résistance gefangen genommen worden war, auszutauschen. Entgegen dem Befehl befahl SS-Obersturmbannführer A- Diekmann  jedoch, den Ort niederzubrennen und alle Männer zu erschießen.

 

Die SS-Leute teilten daraufhin die Menge auf dem Marktplatz in Männer, Frauen und Kinder auf. Die Frauen und Kinder wurden in die Kirche getrieben. Die SS-Leute zündeten daraufhin die steinerne Kirche, deren Ruine heute noch erhalten ist, an und sprengten den Kirchturm, der in das Kirchenschiff einschlug, warfen Handgranaten und schossen wahllos in die Menge. Die ca. 200 Männer, die zuvor in Garagen und Scheunen gebracht worden waren, wurden danach erschossen.

 

An diesem Tag starben 642 Menschen in Oradour, von denen nur noch 52 zu identifizieren waren. Unter den Toten befanden sich 207 Kinder und 254 Frauen. Nur in einer der Scheunen, in die die Männer zur Erschießung gebracht worden waren, gab es fünf Überlebende. Sie konnten aus dem brennenden Raum fliehen und entkommen. Aus der Kirche entkam nur eine Frau lebend. Einige Dutzend Menschen konnten bei der Ankunft der SS fliehen oder sich verstecken und überlebten so das Massaker.

 

Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia

 

Diekmanns Vorgesetzter, Standartenführer Stadler ließ gegen ihn kriegsgerichtliche Ermittlungen einleiten, auch Generalfeldmarschall Erwin Rommel, der deutsche Kommandant in Limoges General Gleiniger und die Regierung in Vichy protestierten gegen die Bluttat. Diekmann jedoch blieben Folgen erspart. Er fiel wenige Tage später.  Auch ein Großteil der 3. Kompanie, die das Massaker begangen hatte, wurde wenige Tage später aufgerieben. Hitler hatte außerdem ein Gerichtsverfahren untersagt.

 

Nach dem Krieg wurde ein neuer Ort neben dem alten, zerstörten aufgebaut. Den Überresten des alten Dorfes ist heute eine Mahn- und Gedenkstätte mit einem Dokumentationszentrum, dem Centre de la mémoire d´Oradour, angeschlossen.

 

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