Dieppe

Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia

 

Unter dem Namen „Operation Jubilee“ fand am 19. August 1942 eine Landeoperation der Westalliierten - hauptsächlich kanadische Truppen - gegen den Hafen von Dieppe im deutsch besetzten Nordfrankreich statt. Das Ziel lag hauptsächlich in der Erprobung der Möglichkeit, einen Hafen auf dem besetzten Festland über einen kurzen Zeitraum zu halten. Des Weiteren sollten nachrichtendienstliche Informationen gesammelt und das Verhalten der deutschen Besatzer analysiert werden.

 

Beteiligt waren 237 Schiffe und 7500 amerikanische, britische, kanadische, polnische und französische Soldaten. Ziel des Angriffs war die kurzzeitige Inbesitznahme der Stadt Dieppe und des Hafens.

 

Für die Operation wurde die 2. kanadische Division unter Leitung von Major General J. H. Roberts ausgewählt. Nach ihrer Landung bei Pourville und Puys sollten sie einen Frontalangriff auf Dieppe durchführen. Verteidigungsstellungen im Westen bei Varengeville-sur-Mer und Quiberville sowie im Osten bei Berneval sollten zuvor durch Kommandoeinheiten ausgeschaltet werden. Bodenunterstützung wurde durch 30 Kampfpanzer des Typs Churchill gewährleistet. Von Seeseite her gaben 252 britische Schiffe Feuerschutz, und das Bomber Command sowie die 8. amerikanische Luftflotte boten 74 Flugzeugstaffeln auf. Zusammen mit der RAF war auch das polnische Exil-Jagdgeschwader im Einsatz. Insgesamt sollten 6100 alliierte Soldaten – darunter 5000 Kanadier – an der Küste abgesetzt werden.

 

Auf deutscher Seite stand die 302. Infanteriedivision, insbesondere das Infanterieregiment 571 mit etwa 1500 Soldaten, zur Verteidigung des Abschnitts bereit.

 

Am Abend des 18. August 1942 verließen die Schiffe mehrere englische Kanalhäfen. Den ersten Zwischenfall gab es, als ein Schiffsverband, der den 3. Kommandotrupp transportierte, am frühen Morgen des 19. August auf einen deutschen Konvoi stieß. Dieser konnte zwar schnell aufgerieben werden, er alarmierte zuvor jedoch noch die Küstenverteidigung.

 

Nach dem Zwischenfall waren die Einheiten zerstreut, weswegen nur 18 Kommandosoldaten die Küste bei Berneval erreichten, wo sie die Mannschaften einiger Verteidigungsstellungen überwältigen konnten. Obwohl es ihnen nicht möglich war, die Anlagen zu sprengen, hielten sie die Stellungen anderthalb Stunden. Die Soldaten des 4. Kommandotrupps landeten vollzählig bei Varengeville, wo sie die Küstenbatterie zerstörten und sich wieder einschifften.

 

Die alarmierten deutschen Einheiten des IR 571 unter Oberstleutnant Hermann Bartelt hatten sich inzwischen bei den gefährdeten Küstenabschnitten positioniert. Ein kanadisches Regiment landete nach 5:00 Uhr – später als erwartet und damit nicht mehr im Schutze der Dunkelheit – bei Puys, wo es sofort unter Beschuss genommen wurde. Innerhalb einer Stunde fielen 225 von 600 kanadischen Soldaten; 264 gaben auf und nur 33 konnten nach England zurückkehren. Um 4:50 Uhr waren die South Saskatchewan und die Cameron Highlanders bei Pourville gelandet. Auch sie konnten ihre Ziele auf Grund starken deutschen Widerstands nicht erreichen und mussten sich zurückziehen.

 

Um 5:20 Uhr landeten Soldaten der Royal Hamilton und Essex Scottish am Strand von Dieppe, wo sie sofort starkem Maschinengewehrfeuer ausgesetzt waren. Die zur Unterstützung bereitgestellten Churchill-Panzer wurden zu spät abgesetzt und blieben in Sperren stecken; sie wurden größtenteils zerstört. Wegen gestörter Nachrichtenübermittlung war die alliierte Führung nicht über die Vorgänge an den Landungszonen informiert und entschied, weitere Einheiten abzusetzen. Die bereits hoffnungslose Lage am Strand vermochten auch die Verstärkungstrupps nicht zu ändern.

 

Um 10:50 Uhr gab die alliierte Führung den Rückzugsbefehl. Bis dahin hatten sie 4359 Mann an Verlusten zu beklagen, darunter 1179 Gefallene und 2190 Gefangene. Die Wehrmacht hatte mindestens 311 Gefallene und 280 Verwundete zu beklagen.

In Großbritannien verfestigte sich die Erkenntnis, dass die von Stalin geforderte zweite Front in Westeuropa 1942 noch nicht aufgebaut werden konnte. Des Weiteren lieferte der Dieppe-Angriff wichtige Erkenntnisse für die spätere Operation Overlord. Unter anderem sah man von direkten Landungsoperationen bei Hafenstädten ab, dass diese wie sich in Dieppe zeigte, zu stark befestigt waren.

 

 

Quelle: Unbekannt Quelle: Unbekannt
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Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia
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Deutsche MG-Stellung bei Dieppe (Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia) Deutsche MG-Stellung bei Dieppe (Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia)
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Die Überlebenden werden abgeführt (Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia) Die Überlebenden werden abgeführt (Quelle: Deutsches Bundesarchiv für Wikimedia)
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