Exercice Tiger

 

 

Quelle: US National Archives Quelle: US National Archives

 

Während der Aufbauphase des TIGER-Übungsmanövers im Vorfeld des D-Day wurden acht amerikanische Panzerlandungsschiffe (Landing Ship Tank, LST) von deutschen Schnellbooten angegriffen, die zwei LSTs mit Torpedos versenken konnten. Die Zahl der dadurch verursachten Opfer war höher als die der später auf Utah Beach Gefallenen.

Aufzeichnungen der US-Armee berichten von folgendem Vorfall: 

In der Nacht vom 27. auf den 28. April fuhren acht amerikanische LSTs im Konvoi T4 mit etwa 5 Knoten Geschwindigkeit vor der Isle of Portland. Die Schiffe sollten an der Aufbauphase der TIGER-Übung teilnehmen und waren von ihren Auslaufhäfen Plymouth und Dartmouth östlich gelaufen. Nach einer anschließenden Wende fuhren sie nun westlich in Richtung Bruxham. 

Die Einheiten waren mit Soldaten der 1. Spezialpionierbrigade (1. Engineer Special Brigade) der 4. Division des VII. Korps beladen. Vermutlich begleitete eine Korvette den Konvoi, doch wird das Schiff nicht in den Untersuchungspapieren des Vorfalls erwähnt. 

Es war eine klare Nacht ohne Mondschein. Mindestens eines der LSTs war mit einer Radaranlage ausgestattet und meldete zwei anlaufende unbekannte Schiffe. Tragischerweise wurden diese für eigene, zum Konvoi gehörende Einheiten gehalten. 

Die für den Angriff angegebene Zeit variiert zwischen 1:30 Uhr und 2:04 Uhr am Morgen des 28. April. Es wird vermutet, dass die Angreifer deutsche Schnellboote waren, die von Cherbourg ausgelaufen waren. Sie konnten aber nicht positiv identifiziert werden. 

LST 507 wurde als erstes Schiff von mehreren Torpedos getroffen, die aber allesamt Blindgänger waren. Ein weiterer Treffer setzte jedoch etwa fünf Minuten später das Landungsboot in Brand. Das feindliche Boot bestrich das Deck mit Geschützfeuer, so dass sich die Soldaten mit einem Sprung über Bord zu retten versuchten. LST 507 begann daraufhin zu sinken. 

Etwa zur gleichen Zeit wurde auch LST 531 getroffen und brannte ebenfalls. Einige Männer sahen fallende Leuchtbomben, konnten aber keine feindlichen Flugzeuge ausmachen. Auch das Feuer von Flak war zu hören, es wurde jedoch kein Schiff von Bomben getroffen. LST 511 wurde zweimal von Torpedos getroffen, die aber nicht explodierten. Gegen 2:10 Uhr zerstörte ein weiterer Torpedotreffer die Mannschaftsquartiere, das Ruder und die Heckgeschütze von LST 289. 

Ein kommandierender Offizier schlug vor, die Rampen herunterzulassen und die Soldaten in den Schwimmfahrzeugen (DUKWs) von Bord zu bringen. Doch als das eindringende Wasser unter Kontrolle gebracht werden konnte, wurde der Plan wieder fallengelassen. Um das Boot wieder auszurichten, wurden LCVPs zu Wasser gelassen, so konnte die LST 289 Dartmouth gegen 14:30 Uhr mit eigener Kraft erreichen. 

Andere LSTs gingen auf volle Fahrt und entkamen so einem weiteren Angriff. Nur LST 515 kehrte nach Armeeberichten um und nahm einige Überlebende auf. LST 507 und 531 brannten weiter und sanken. Die Maschinengewehre an Deck waren nicht bemannt gewesen und so konnten nur einige Schüsse abgegeben werden. Um 4:00 Uhr erreichte ein britischer Zerstörer das Gebiet, nahm Überlebende aus dem Wasser auf und versenkte LST 507, von dem nur noch der Bug aus dem Wasser ragte. 

Die meisten Opfer gab es auf LST 531. Es überlebten nur 290 von insgesamt 744 Soldaten und 282 Seeleuten. An Bord von LST 507 gab es 13 Tote und 22 Verwundete. Die 1. Brigade verlor 413 Soldaten und hatte 16 Verwundete. Die 3206. Quartiermeister-Brigade war förmlich ausgelöscht worden. Von den 251 Offizieren und Soldaten waren 201 getötet oder verwundet. Weitere Kompanien beklagten 69 Tote. Eine vollständige Opferliste gibt es nicht, aber die Aufzeichnungen berichten von mindestens 749 Toten und mehr als 300 teils schwer verwundeten Männern. Von deutschen Opfern des Angriffs ist nichts bekannt.