Omaha Beach
Das saftige Grün der Wiesen, hier und da von Beton unterbrochen. Ein traumhafter Blick auf das Meer, Geräusche von Wellen und das Schreien der kreisenden Möwen. Ein breiter und sauberer Sandstrand. Das ist Omaha-Beach heute. Es ist schwer sich vorzustellen, welche Dramen sich hier im Juni 1944 abgespielt haben. Doch als Besucher wird man von einer besonderen, ja fast unheimlichen Stimmung erfasst. Bei jedem unserer Besuche erfasste uns dieses eigenartige Gefühl. Ganz automatisch wird man wortkarg und glaubt jedes gesprochene Wort, wäre zu laut an diesem Ort. Vor dem geistigen Auge laufen die Szenen aus Dokumentationen, Büchern oder Filmen ab. Beim Blick auf den sandigen Boden stellt man sich die Frage, wer ist hier wohl gelegen? Schreiend, verwundet oder Tot? In den Bunkern spürt man die Angst der deutschen Verteidiger, die wussten dass ihre Anstrengung nur einen Aufschub der Niederlage bedeutete und vor allem ein Kampf um das eigene Leben war. Für uns ist dies Omaha Beach. Für die Soldaten beider Seiten war es am 6. Juni 1944 die blutige und grauenvolle Realität.
Informationen:
Omaha-Beach war der mit mehr als zehn Kilometer Länge ausgedehnteste Landungsabschnitt und war noch einmal unterteilt in acht Landungszonen, die von West nach Ost als Charlie, Dog Green, Dog White, Dog Red, Easy Green, Easy Red, Fox Green und Fox Red bezeichnet wurden. Easy Red war mit rund 2,2 km der längste Abschnitt. Omaha erstreckte sich von der im Westen liegenden Mündung der Vire bei Vierville-sur-Mer bis zum kleinen Fischerhafen von Port-en-Bessin.
Wie auf Utah Beach legte die deutsche Armee Widerstandsnester (WN) entlang des 10km langen Strandes an, konzentrierten diese aber um 5 Wasserläufe, die das Steilufer oberhalb des Strandes durchschnitten. Durch die leicht konkave Krümmung der Küste hatten das WN 70, WN 71, WN 72 und WN 73 am Westende und das WN 60, WN 61 und das WN 62 am Ostende ausgezeichnete Feuerbereiche über den ganzen Strand. Ebenso wie diese lagen auch WN 63, WN 67 und WN 69 tief hinter den Felsen. Häuser an den Küstenstraßen hatte man abgetragen, um den Feuerbereich zu vergrößern. Ihr Material diente zum Bau von Befestigungsanlagen. Zwischen den Widerstandsnestern und in den Wasserläufern legte man Minenfelder und zum Schutz der toten Winkel grub man ferngesteuerte Flammenwerfer ein. Alles war perfekt angelegt, doch die alliierten Planer wussten, dass eine Landung auf Omaha nötig war, damit Utah nicht an der von den anglokanadischen Stränden entfernten Flanke ungeschützt blieb.
Die beste Route weg vom Strand war die Schotterstraße westwärts zum Dorf Vierville. Diese war durch einen Panzerabwehrwall blockiert, und die Deutschen hatten auf dem Felsufer das WN 70 mit Infanteriewaffen und das WN 71 mit zwei 7,5-cm Kanonen, eine in einer offenen Werfergrube, eine in einer Kasematte, sowie 2 Granatwerfern und einer 2-cm Flak errichtet. Das WN 72 beim Zugang zur Abflussrinne war eine wahre Festung mit zwei 8,8-cm Kanonen, die den Strand bestrichen, einer 5-cm Kanone und fünf 5-cm Granatwerfern. Doch waren WN 71 und WN 73 unterbesetzt. Männer von Baubrigaden mussten sie ergänzen. Der erdige Weg hinauf zum St-Laurent-Exit wurde von vier Widerstandsnestern geschützt. Das WN 64 hatte zwei 7,5-cm Kanonen, fünf 5-cm Granatwerfer und eine 2-cm Flak. WN 65 besaß eine 8,8-cm Kanone und einen 5-cm Granatwerfer in einer Kasematte. WN 68 hatte nur Infanteriewaffen, doch WN 66 war furchteinflößend. Geschützt von einem Panzergraben hatte es zwei 7,5-cm Kanonen, drei in Bunkern einbetonierte Renault-Panzertürme und sechs 5-cm Granatwerfer.In der Tiefe befanden sich WN 67 und WN 69, letzteres mit einer Raketenbatterie. Das deutsche 1.Bataillon des Artillerieregiments der 352.Infanteriedivision unter Oberstleutnant Wilhelm Ocker stand mit seinen Beobachtungsposten um Houtteville in WN 59, WN 61 und WN 62, von wo aus der Artilleriebeobachter Leutnant Frerking das Feuer justieren konnte.
Der Colleville-Exit, bloß ein Pfad, wurde von drei Widerstandsnestern geschützt. WN 60 hatte zwei 7,5-cm Kanonen, einen Bunker mit einem Renault-Panzerturm, vier 5-cm Granatwerfer und eine 2-cm Flak. WN 61 war mit einer 8,8-cm Kanone und einer 5,5-cm Kanone und Renault-Panzerturmbunkern sowie einem 5-cm Granatwerfer bestückt. Ein Panzergraben lag vor dem WN 62 (Hein Severloh), dem Gefechtsstand Leutnant Frerkings. Die Bewaffnung bestand aus zwei 7,5-cm Kanonen in Kasematten, zwei 5-cm Kanonen und einem 5-cm Granatwerfer. Der Panzergraben sollte sich als wirksames Hindernis erweisen. Noch um 11:40 Uhr am D-Day suchten US-Panzerfahrer eine Stelle, um ihn zu queren. Landeinwärts auf der Straße nach Colleville lag WN 63 mit einer 7,5-cm Kanone. In diesem Gebiet würde sich die 2/916. konzentrieren. Alle Widerstandsnester waren von Stacheldraht umgeben, und die alliierten Planer wussten, dass am Strand und landeinwärts ein dichtes Netz von Minenfeldern lag.
Etwa 50 Minuten vor der eigentlichen Landung der Infanterie wurden die in Schwimmhüllen eingekleideten Sherman Panzer (DD Tanks) des 741. Panzer Bataillons gestartet. Durch die raue See gelang es jedoch nur zwei Panzern, den Strand schwimmend zu erreichen. Drei weitere konnten von einem Landungsboot, dessen Klappen sich auf See nicht öffnen ließen, bis an den Strand gebracht werden. 27 DDs gingen noch auf See unter. Dies wird im allgemeinen der unterschätzten und sehr aufgewühlten See zugeschrieben, des Weiteren, waren diese Schwimmpanzer nicht sehr weit entwickelt, es wurden lediglich auf die herkömmlichen Shermans Gerüste, welche mit Segeltuch bespannt waren montiert. Selbst bei ruhiger See, ging der Wasserstand bis ungefähr 40cm an den oberen Rand des Schwimmgerüstes. Außerdem war es dem Fahrer der Panzers unmöglich etwas zu sehen, so musste jemand oben auf dem Panzerturm sitzen, und so zu sagen, die Aufgabe übernehmen, für den Fahrer zu sehen. Die Wellenhöhe, für die die Schutzhülle gebaut war, sollte normalerweise nicht mehr als 0,3 Meter betragen. An diesem Tag herrschten aber andere Bedingungen vor Omaha. Die Wellenhöhe betrug fast zwei Meter. Unter diesen Konditionen hatten die Besatzungen nie trainiert, und die Schutzhülle füllte sich schnell mit überschwappendem Wasser. Zudem wurden die DDs viel zu früh in das Wasser entlassen. Der Uferabstand betrug noch fast fünf Kilometer. Im Angesicht der Schwierigkeiten, einen 35 t schweren umgebauten Panzer zu steuern, ist es bewundernswert zu sehen, wie weit sie trotz aller Widrigkeiten kamen. Doch letztendlich ertranken 27 Besatzungen in der rauen See. Die ihnen ausgehändigten Atemgeräte reichten nur für fünf Minuten, was in Anbetracht der turbulenten See zu kurz war. Einige versuchten über Funk, die später Startenden zu warnen, dass sie weiter in Ufernähe starten sollten.
Nicht anders erging es den Landungsbooten der Infanterie. Schon auf dem Weg in Richtung Strand wurden die Boote mit jeweils ca. 40 Mann Besatzung, unter schweres Feuer genommen. MG-Salven durchlöcherten die hölzernen Bordwände und die dahinter kauernden Soldaten, von Seekrankheit und Panik geplagt. Manche Boote bekamen Volltreffer durch Granaten, explodierten oder fuhren brennend weiter. Die Besatzungen untergehender Boote durften nicht gerettet werden, jeder Schiffsführer hatte den Befehl seine menschliche Ladung an den Strand zu bringen und sich auf keinen Fall mit Rettungsaktionen aufzuhalten. Die Männer im Wasser wurden von ihrer schweren Ausrüstung in die Tiefe gezogen und ertranken vor den Augen der vorbeirasenden Landungsboote. Sobald der Strand erreicht war und die Luke sich öffnete, wurden die Landungstruppen unter gezieltes Feuer genommen. Insgesamt 65 Maschinengewehre nahmen in der Omaha-Bucht die Landungstruppen unter Feuer, zwischen 08.00 Uhr und 10.00 Uhr kamen noch weitere 20 hinzu (Quelle: D-Day 1944 von Helmut K. von Keusgen). Wer nicht sofort getroffen wurde, sprang ins brusthohe Wasser und watete ohne jegliche Deckung in Richtung Strand. Die erste Landungswelle wurde völlig aufgerieben und die Körper der gefallenen oder verwundeten Soldaten trieben im Wasser oder bedeckten den Strand. Mit dem steigen der Flut ertranken viele Verwundete, denn niemand konnte ihnen helfen, auch alle Sanitäter waren gefallen oder verletzt. Überlebende und zwischen den Strandhindernissen Deckung suchende Soldaten wurden gezielt mit Karabinern erschossen. Auch die zweite Landungswelle ereilte dieses Schicksal. Das Meer hatte sich inzwischen an vielen Stellen rot gefärbt, doch das Sterben sollte noch lange anhalten. Welle auf Welle brachten die Landungsboote neue Truppen an Land.
Inmitten dieses systematischen Sterbens versuchte auch Joseph H Gibbons seine Aufgabe zu lösen. Er war Kommandeur einer Spezialabteilung die insgesamt 16 Lücken in die Strandhindernisse sprengen sollten um das Anlanden des nachfolgenden schweren Geräts zu ermöglichen. Hierfür standen ihm insgesamt 16 Teams mit je einem Offizier und sieben Soldaten zur Verfügung. So war es zumindest geplant gewesen, die aktuelle Situation sah natürlich anders aus. Gibbons landete genau in der Mitte der Bucht und musste seine Teams entlang des unter schweren Feuern liegendenden Strandes erst mal finden. Die ersten beiden Leute die er dabei fand informierten ihn darüber, dass sie sie einzigen Überlebenden ihrer Gruppe sein. Alle anderen ihres Teams waren bei der Landung gefallen. Der nächste Trupp den Gibbons finden konnte, war bereits beim lösen der ihnen gestellten Arbeit. Dann fand Gibbons eine bereits gesprengte Bresche und die Soldaten die sie gesprengt hatten, die tot unter den Trümmern lagen. Zwei oder drei Trupps waren schon vor der Landung untergegangen, die Soldaten ertrunken. Andere Gruppen landeten so spät, dass die Flut sie schon überholt hatte, ehe sie mit ihrer Arbeit hätten beginnen können. Zwei weitere Teams wurden Opfer der deutschen Granaten und komplett getötet oder schwerst verwundet. Ein anderes Team erhielt gerade in dem Moment einen Volltreffer als ihr Schlauchboot am Strand angekommen war und die Männer es ausladen wollten, sie wurden durch den transportierten Sprengstoff in Stücke gerissen. An anderen Stellen konnten die Sprengungen nicht durchgeführt werden, weil an diesen Stellen viele Verwundete lagen und diese erst geborgen werden mussten. Angesichts dieser hohen Verluste und Schwierigkeiten war die Sprengung von insgesamt fünf Breschen als großer Erfolg zu werten. Insgesamt wurden 111 Pioniere dieses Spezialkommandos getötet oder verwundet, fast alle in der ersten halben Stunde der Landung.
Aber auch auf Seiten der deutschen Verteidiger hatte das große Sterben längst begonnen. Immer weniger Stellungen spuckten ihre tödlichen Geschosse auf die amerikanischen Soldaten. Sogar einzelne MG-Schützen wurden Ziel der Schiffsgeschütze und hinterließen bei einem Volltreffer nicht die geringste Spur von sich. Grund für die vielen bis heute vermissten Soldaten auf beiden Seiten. Ein weinender junger deutscher Landser an seinem Maschinengewehr hatte nun schon seit Stunden in die landende anonyme Masse gefeuert und schrie dabei immer wieder: "Warum kommt ihr immer noch, ich habe doch schon so viele von euch getötet. Warum kommt ihr immer noch ...".
Ein anderer, Hein Severloh im WN 62, hatte nun seit fast neun Stunden ohne Unterbrechung in die landeten Soldaten gefeuert und dabei mit MG und Karabiner über 12500 Schuss abgegeben. Insgesamt 2000 amerikanische Soldaten sollen alleine das Opfer von Hein Severloh geworden sein. Eine Tatsache die Hein Severloh bis zu seinem Tode beschäftigte und die er nie richtig verarbeiten konnte.
Im Bereich des WN 62 tritt auch ein bis Dato unerklärbares und sehr makaberes Phänomen auf. Die Steine in einem Bereich unterhalb des WN 62, genau an der Stelle wo die meisten US-Soldaten gefallen sind, fangen an zu bluten.
Selbst wissenschaftliche Untersuchungen konnten diesen Umstand nicht erkären. Helmut Konrad von Keusgen berichtet in seinem Buch " Omaha Beach - Die Tragödie am 6. Juni 1944" auch von diesem Phänomen. Allen Interessierten sei an dieser Stelle dieses Buch ans Herz gelegt. Aber bitte lasst die Steine an Ort und Stelle liegen, sie sollten dort verbleiben
Gegen 15:30 Uhr verließen die letzten Überlebenden den Stützpunkt WN 62 und zogen sich ins Hinterland zum Widerstandsnest 63 zurück, welches entgegen der offiziellen Namensgebung lediglich ein verbunkerter Befehlsstand - also ohne Schießscharten und installierte Waffen - war. Diesen Unterstand erreichten die Überlebenden um 16:30 Uhr.
Omaha Beach Heute
WN 62
Das WN 62 findet Ihr direkt unterhalb des amerikanischen Soldatenfriedhof Colleville. Das Auto ausserhalb des Friedhofgeländes parken (Kiesparkplatz). Hier findet Ihr auch eine Informationstafel zum WN 62. Dann einfach den Weg in Richtung Meer folgen, bzw. den überall vorhandenen Bombentrichtern und Ihr kommt direkt zum Gelände.
Das Widerstandsnest 62 umfasste ein ca. 332 × 324 Meter großes Areal, welches etwa 50–100 Meter von der Küstenlinie entfernt war. Es befand sich etwa einen Kilometer nördlich von Colleville-sur-Mer auf einer – in Richtung Hinterland etwa 20 Grad ansteigenden – Erhebung aus Kalkstein. Die unterschiedlichen Stellungen und Bauten dieses Stützpunkts waren 10 bis 50 Meter über dem Meeresspiegel gelegen und erlaubten einen relativ guten Überblick über das davorliegende Strandgelände. Das WN 62 lag hierbei genau an der Grenze der Unterabschnitte Easy Red und Fox Green.
Die Besatzung des Widerstandsnestes 62 setzte sich aus Angehörigen der 716. Infanteriedivision (27 Soldaten) und aus Angehörigen der 352. Infanteriedivision (13 Soldaten) zusammen. Insgesamt also lediglich 40 Soldaten. Hauptaufgabe der 13 Soldaten der 352. Infanteriedivision war es hierbei, das Artilleriefeuer der im Hinterland liegenden Geschützbatterien zu lenken.
Das Widerstandsnest 62 wurde, wie auch die anderen 14 Widerstandsnester im Landeabschnitt Omaha, am frühen Morgen des 6. Juni 1944 von amerikanischen B-24-Bombern angegriffen. Dabei wurden (insbesondere im südlichen, landeinwärts gerichteten Teil der Stellung) Schäden verursacht. Anschließend beschossen angloamerikanische Kriegsschiffe die zukünftigen Landezonen. Gegen 6:30 Uhr näherte sich die erste von insgesamt elf Wellen amerikanischer Landungstruppen dem Strand vor dem Widerstandsnest 62. Durch das vom Stützpunkt aus gelenkte Artilleriefeuer und insbesondere auch durch das Maschinengewehrfeuer des Gefreiten Severloh, der etwa 12.000 Schuss MG-Munition verschoss, wurden den Landungstruppen enorm hohe Verluste zugefügt. Gegen 15:30 Uhr verließen die letzten Überlebenden den Stützpunkt und zogen sich ins Hinterland zum Widerstandsnest 63 zurück, welches entgegen der offiziellen Namensgebung lediglich ein verbunkerter Befehlsstand - also ohne Schießscharten und installierte Waffen - war. Diesen Unterstand erreichten die Überlebenden um 16:30 Uhr.
Zugang zur unteren Kasematte des WN 62, ebenfalls ein Regelbau 612
Bildmontagen:
WN 63
Eingang zum WN 63 auf der Straße zwischen Colleville und dem WN 62
Blick in den Eingangsbereich
Auf diesem Weg zogen sich die Überlebenden von WN 62 nach Colleville zurück. Hier befindet sich auch der Eingang zum WN 63.
Bei Vierville-sur-Mer
Bildmontage:
Im Bereich dieser Steilküste bei Vierville-sur-Mer entstanden am D-Day diese bekannten Bilder:
Direkte Bildvergleiche:
bei St-Laurent-sur-Mer