Graignes
Während der Landungen am frühen Morgen des 06. Juni 1944 landeten etliche Fallschirmjäger der 82. Luftlandedivision in einem Sumpfgebiet nahe der Ortes Graignes. Ihre eigentliche Landezone wäre eigentlich in der Nähe von Amfreville gewesen.
Um 10.00 hatten sich fünfundzwanzig überlebende Fallschirmjäger in der Ortschaft gesammelt, die von deutschen Truppen nicht besetzt war. Das Kommando hatte zu diesem Zeitpunkt Capt. Leroy Brummitt. Im Laufe des Tages stoßen immer mehr Soldaten hinzu, u.a. Major Charles D. Johnson.
Brummitt wollte nun mit den Soldaten in Richtung Carentan marschieren um die dort gelandeten Fallschirmjäger zu erreichen und sich mit diesen zu vereinigen. Es kam zu Unstimmigkeiten mit Johnson, der aufgrund der wenig vorhandenen Lageinformationen, vorerst weiterhin die Stellung in Graignes halten wollte.
Johnson setzte sich durch und so begannen die Soldaten mit dem provisorischen Ausbau der Verteidigungsstellungen um den Ort. Ein Mörserzug bezog Stellung in unmittelbarer Nähe des Friedhofs und der Kirchturm wurde mit einem Beobachter besetzt, der sich nähernde feindliche Truppen sofort melden sollte. Vor allem die Hauptstraße, die bergauf zur Kirche führt, wurde zum zentralen Verteidigungspunkt ausgebaut.
Inzwischen suchte der Bürgermeister von Graignes, Alphonse Voydie, den Kontakt zu den amerikanischen Truppen. Leider hatten aber weder Voydie noch die Bewohner von Graignes aktuelle Informationen über die momentane Lage der alliierten Landungen und deren evtl. Fortschritt.
Ein weiteres Problem stellte sich Johnson in Sachen Munition. Bei der Landung waren viele der Ausrüstungsbündel im Sumpfgebiet verloren gegangen und konnten von seinen Männern nicht geborgen werden. Ohne ausreichende Munition war aber an eine Verteidigung der Stadt nicht zu denken. Hinzu kam die Problematik der Verpflegung, denn inzwischen war die Zahl der Verteidiger auf 182 angewachsen. Voydie rief die Bewohner der Gemeinde in der Kirche zusammen um ihnen die momentane Situation zu erklären und abstimmen zu lassen, ob man den amerikanischen Truppen helfen sollte. Ein jeder kannte die drastischen Folgen, die von den Deutschen zu erwarten waren, würden sie den Feind unterstützen. Trotzdem sagten alle Einwohner geschlossen ihre volle Unterstützung zu.
Nach der Sitzung in der Kirche mobilisierte Voydie die Frauen des Dorfes um Essen für die Soldaten zu beschaffen. Die Besitzerin des örtlichen Cafes organisierte dies in Perfektion. Rund um die Uhr wurde gekocht, so erhielten die Soldaten zwei Mahlzeiten am Tag. Auch koordinierte sie den Transport des Essens zu den vorgeschobenen Beobachtungsstellungen. Inzwischen organisierte Voydie die Bergung der Ausrüstung aus den Sümpfen. Für einen Zivilisten was es einfacher sich mit einem Boot in den Sümpfen zu bewegen und noch waren die Deutschen nicht auf das Dorf und seine besonderen Gäste aufmerksam geworden. Männer, Frauen und sogar Kinder sammelten die so wichtigen Ausrüstungsgegenstände in den Sümpfen.
Erst am Samstag den 10. Juni 1944, vier Tage nach der eigentlichen Landung, wurden die amerikanischen Truppen entdeckt. Ein deutscher Kübelwagen erschien auf der Straße zum Dorf und geriet dabei direkt vor eine vorgeschobene Verteidigungsstellung der Amerikaner.
Alle vier deutschen Soldaten wurden bei diesem Feuergefecht getötet. Die trügerische Stille der letzten Tage hatte sein Ende gefunden. In der darauf folgenden Nacht waren in diesem Gebiet Motorgeräusche zu hören. Irgendetwas ging in der Dunkelheit der Bocage vor sich.
Bereits am nächsten Morgen kam es zu einem ersten Angriff der deutschen Truppen. Nach nur zehnminütigen Feuergefecht war dieser abgeschlagen. Die Verluste bei den deutschen Truppen waren dabei sehr hoch gewesen und auch bei den Verteidigern hatte es erste Ausfälle gegeben. Es kam zu weiteren schweren Feuergefechten, in dessen Verlauf viele Soldaten beider Seiten den Tod fanden. Die überlebenden amerikanischen Soldaten mussten sich zurückziehen und ihre Verwundeten in der Kirche zurücklassen.
Als die deutschen Truppen die Kirche von Graignes erreichen, kommt es zu einer Tragödie. Voll Wut über die hohen Verluste bei den Angriffen, vor allem durch den vom Kirchturm gelenkten Mörserbeschuss, erschossen die Deutschen beide Pfarrer der Gemeinde und setzten ihre Körper mit Benzin in Brand. Zwei Bewohnerinnen von Graignes wurden in ihren Betten erschossen. Die verwundeten Fallschirmjäger wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine der Gruppen wird zu einem kleinen Teich in der Nähe des Cafes geführt. Dort werden die Soldaten einzeln durch Bajonettstiche getötet und in Wasser geworfen. Die Verwundeten der anderen Gruppe wurden auf einem Feld geführt, mussten eine Grube ausheben und wurden dann mit Kopfschüssen getötet. Im Anschluss begannen die Deutschen damit, die Häuser von Graignes in Brand zu stecken. Über 60 Häuser und die Kirche werden dabei Opfer der Flammen.
21 Fallschirmjäger wurden aber noch von einer Familie in deren Scheune über Tage versteckt und damit gerettet.
Graignes ein Ort mit trauriger Geschichte, aber auch ein Ort der stillen Helden. Ein Ort an dem die französische Zivilbevölkerung Seite an Seite mit ihren Befreiern kämpfte und dies unter Einsatz des eigenen Lebens und dem ihrer Familien.
Der Ort der ersten Auseinandersetzung mit den deutschen Truppen
Kampfgebiet bei der Brücke (damaliger Vorposten)
Die Reste der Kirche - Das heutige Denkmal
Gedenkplatte für die beiden ermordeten Priester
Nur wenige Gebäude vom alten Ortskern blieben erhalten
Blick von der Aussichtsplattform auf das Kampfgebiet vor dem Ort