Die Luftlandeoperationen am 6. Juni 1944

 

Zwischen 22 und 24 Uhr starteten die etwa 1.300 Transportmaschinen und Lastensegler der alliierten Luftlandedivisionen in England. Die ersten Markierungstrupps für die Landezonen der nachfolgenden Fallschirmjäger und Lastensegler sprangen zwischen 0 und 0.20 Uhr über der Normandie ab. Eine Stunde später sollte der Großteil der Luftlandedivisionen landen. Schon auf dem Weg nach Frankreich lösten sich Lastensegler von ihren Leitmaschinen, stürzten in den Kanal und ihre Besatzung ertrank in der bewegten See.  Aufgrund der immer noch dichten Bewölkung über der Normandie und des stark einsetzenden Flak-Feuers der Deutschen hatten vor allem die amerikanischen Piloten der Transportmaschinen Probleme, die Flugverbände zusammenzuhalten.


Flugzeuge und Lastensegler wurden getroffen, explodierten in der Luft oder stürzten als brennende Fackel, mit ihrer menschlichen Fracht, in Richtung französischen Boden. Eine Bewohnerin kann sich heute noch an die Schreie der Fallschirmjäger erinnern, deren Flugzeug brennend über ihr Haus raste und dann hinterhalb ihres Anwesens zum stehen kam. Der Aufprall war nicht schlimm gewesen, trotzdem waren die Piloten und alle Fallschirmsoldaten tot. Sie waren auf ihrem Weg nach unten in der Maschine verbrannt.


Lastensegler krachten in Steinmauern, bohrten sich in -  aus dem Boden ragende Holzpfähle - den sogenannten Rommelspargel, landeten auf Minenfeldern, versanken in Flüssen oder dem künstlich überfluteten Gelände oder wurden bei der Landung durch die dichten Hecken schlichtweg zerfetzt.


Dichte Wolkenfelder verhüllten die Absprungzonen, zudem waren die zuvor abgesprungenen Markierungstrupps bereits in Kämpfe verwickelt und die Landezonen nur teilweise oder gar nicht markiert.


Piloten verloren die Nerven, drosselten die Geschwindigkeit vor dem Absprung nicht, um nicht noch länger unter Beschuss zu stehen. Tödlich für die nun abspringenden Soldaten, denen beim Verlassen der Flugzeuge, die Ausrüstung förmlich vom Körper gesogen wurde. Hilflos und ohne Fallschirm stürzten sie in den Tod.


Die Fallschirmjäger verstreuten sich über ein sehr großes Gebiet. Die Verluste unter den Fallschirmjägern waren enorm. Allein die 101. Luftlandedivision verlor 30% ihrer Soldaten und 70% des gesamten Materials.

Fallschirmjäger landeten in Bäumen. Manche wurden dabei von den am Körper getragenen, eigenen Handgranaten zerfetzt. Die Sicherungsstifte der Granaten hatten sich am Geäst der Bäume zufällig gelöst.

Andere hingen hilflos und als perfekte Zielscheibe in den Wipfeln der Bäume, unfähig sich selbst aus dieser prekären Situation befreien zu können.


Sie wurden beim Aufprall auf Gebäude und Mauern schwer verletzt oder getötet oder ertranken in den künstlich überfluteten Gebieten, von ihrer schweren Ausrüstung einfach unter Wasser gedrückt.

In der Dunkelheit irrten die Soldaten herum und versuchten ihre Einheiten, oder einfach nur einen einzelnen Kameraden, zu finden um ihre Ziele (Brücken, Kreuzungen und kleine Städte, die erobert werden sollten) zu erreichen.

Die allgemeine Verwirrung war bei den Deutschen, ebenso wie bei den Alliierten, groß. In diesen Nachtstunden gab es noch keine großen Gefechte. Nur hier und da wurde um kleinere Ortschaften gekämpft und kleine Stoßtrupps der beiden Seiten beschossen sich gegenseitig. 

Kurz vor dem Abflug in England. General Eisenhower wünscht Soldaten der 101. Airborne viel Glück für die kommenden Aufgaben.  Quelle: US National Archives Kurz vor dem Abflug in England. General Eisenhower wünscht Soldaten der 101. Airborne viel Glück für die kommenden Aufgaben. Quelle: US National Archives

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für zusätzliche Verwirrung sorgten auch die an manche Fallschirmjäger verteilten blechernen "Knack-Frösche". Diese sollten den Soldaten in der Dunkelheit, durch ein im Vorfeld verabredetes Klicken, Freund und Feind unterscheiden lassen. Allerdings wurde das hilfreiche Kinderspielzeug nur an die Soldaten der 101. Airborne ausgegeben, nicht aber an die Männer der 82. Luftlandedivision.

 

Die 82. Airborne bei Saint Marcouf (Quelle: US National Archives) Die 82. Airborne bei Saint Marcouf (Quelle: US National Archives)

 

 

 

 

 

In der Nähe von Sainte Marie Du Mont (Quelle: US National Archives) In der Nähe von Sainte Marie Du Mont (Quelle: US National Archives)

Wer schon einmal die normannische Bocage-Landschaft gesehen hat, kann sich vorstellen wie schwer es für die Fallschirmjäger war, sich zu orientieren. Teils bis zu 4 Meter hohe, fast nicht durchdringbare Hecken, bestimmen die Landschaft der ehemaligen Landezonen. Wenn man sie sieht, kann man ansatzweise verstehen mit welchen Ängsten und Anstrengungen die Luftlandetruppen in diesen ersten Stunden der Operation Overlord zu kämpfen hatten.

Nachts - Allein, in unbekanntem Gelände.

 

 

 

Die Landezonen:

 

 

507´th

 

 

508´th

 

 

505´th

 

 

502´th

 

 

506´th + 501´th (Zone 1)

 

 

506´th + 501´th (Zone 2)