Das Mühlenanwesen bei Bernaville und ...
und der Tod des Generalleutnants Wilhelm Falley
Nahe der Ortschaft Bernaville liegt das gleichnamige Château de Bernaville. In diesem einst herrschaftlichen Anwesen befand sich das Stabsquartier des deutschen Generalleutnants Wilhelm Falley.
Falley selbst zog es vor, in einem alten Autobus, mehr als sechshundert Meter vom Château entfernt, und von großen Bäumen und Tarnnetzen verborgen, gleichermaßen Gefechtsstand wie sein Quartier einzurichten.Ein Grund hierfür lag wohl in der Vermutung, dass Château könnte bei einer Landung der Alliierten, von See her von weitreichenden Schiffsgeschützen unter Beschuss genommen werden.
Ganz in der Nähe des Châteaus befindet sich das Mühlenanwesen der Familie Lagouche, das in der Nacht zum 6. Juni 1944 zum Schauplatz einer deutschen Tragödie werden sollte ...
Generalleutnant Wilhelm Falley befand sich zusammen mit Major Joachim Bartuzat auf dem Weg nach Rennes um an einem Planspiel teilzunehmen, das ironischerweise "Luftlandeunternehmen" behandeln sollte. Am Steuer des Mercedes saß der Gefreite Vogt, „Bursche“ und Chauffeur.
Von den endlos einfliegenden Maschinen beunruhigt wies der Generalleutnant Vogt gegen 1.00 Uhr an, umzukehren und sie wieder zu seinem Gefechtsstand zurück zu bringen.
Inzwischen erreichten der kurz zuvor gelandete amerikanische Fallschirmjäger-Leutnant Malcom Brennen und eine Gruppe weiterer US-Fallschirmjäger das Mühlen-Anwesen. Die Bewohner, die Eheleute Lagouche, hatten schon geraume Zeit die nächtliche Landung der US-Fallschirmjäger, im Bereich der an ihrem Anwesen vorbeiführenden Straße, beobachtet.
Als Brannen und sein kleiner Trupp das Anwesen erreichten, ging Alphonse Lagouche ins Parterre hinab und betrat die schmale Straße vor der Mühle. Brannen, der mit einer Landkarte auf der Straße kniete, fragte Lagouche nach dem Weg zu seiner vorgesehen Sammelstelle am Kalvarienkreuz im entfernten Etienville.
Plötzlich vernahmen sie das Motorengeräusch des sich nähernden Fahrzeuges mit Falley und seinen beiden Begleitern. Brannen schickte Lagouche wieder zurück ins Haus, die restlichen Fallschirmjäger hatten sich bereits in den hohen Bäumen, die das Anwesen umstanden, versteckt. Brannen selbst ging mit seiner Bazooka hinter einer kleinen Natursteinmauer in Deckung.
Falleys grüner Mercedes kam näher und als er sich bis auf knapp vier Meter vor Brannens Standort genähert hatte, feuerte dieser die Rakete ab. Das Geschoss flog durch das offene Beifahrerfenster und riß, ohne dabei zu explodieren, Wilhelm Falley den Hinterkopf weg. Auch der im Fond sitzende Bartuzat wurde dabei getroffen. Das Geschoss zerriss ihm die rechte Schulter und schleuderte ihn aus dem Fahrzeug. Auf dem Rücken liegend wurde er vom Fahrzeug mitgeschleift, die Beine immer noch im Innenraum des Fahrzeugs.
Der geschockte Fahrer versuchte zu bremsen, verlor aber die Kontrolle über den Wagen, und dieser rollte gegen die Hauswand. Bartuzat, so Augenzeugin Marguerite Lagouche, lag schreiend vor Schmerzen auf der Straße. Brannen berichtete später, Bartuzat hätte außerdem einige Wörter auf Deutsch und Englisch geschrien. „Nicht töten! Nicht töten! Don´t kill! Don´t kill! …“
Bartuzat versuchte trotz seiner schweren Verwundung, kriechend seine einige Meter entfernt auf der Straße liegende Pistole zu erreichen.
Plötzlich trat einer der Fallschirmjäger mit seinem Karabiner zu Bartuzat und tötete ihn mit einem Kopfschuss.
Fast gleichzeitig erschien eine weitere Gruppe Fallschirmjäger, die einen jungen deutschen Soldaten zu dem Haus zerrten, ihn an die Wand neben der Eingangstüre stießen und erschossen.
Marguerite Lagouche hatte dieses alles beobachtet, und es war für sie eine absolut unverständliche Handlung.
Die amerikanischen Fallschirmjäger sammelten sich vor dem Gebäude und ließen sich von Alphonse Lagouche ins nahe Bernaville führen.
Hinter dem Steuer des Wagens saß indessen noch immer der geschockte Gefreite Vogt. Bedingt durch den spitzen Winkel, in dem der Mercedes an der Hauswand stand, konnte die Fahrertür nicht geöffnet werden. So hatte sich niemand im Dunkeln um den Fahrer gekümmert. Ein Umstand, der Vogt wahrscheinlich davor bewahrte, ebenfalls Opfer eines gezielten Schusses zu werden, denn in der ersten Sunden der Landung wurden kaum Gefangene gemacht. Irgendwann konnte sich Vogt dann absetzen.
Nur wenige Minuten nach diesen Ereignissen erhielt ein amerikanisches Transportflugzeug nahe Barneville einen Falk-Treffer und stürzte in unmittelbarer Nähe von Falleys Autobus ab. Die enorme Feuerwalze die dabei entstand, sowie die umherfliegenden Trümmer der Maschine, zerstörten das Fahrzeug völlig.
Die Körper von Falley und Bartuzat verblieben noch drei Tage lang an Ort und Stelle, bevor sie von deutschen Soldaten am 9. Juni in Decken gerollt und abtransportiert wurden.
D-Day Experte Helmut Konrad von Keusgen mit Madame Lagouche (links) und Karin Clarissa Röhrs am jener Stelle an der Falleys Wagen in der Nacht zum 6. Juni 1944 zum stehen kam.
Wilhelm Falley und Joachim Bartuzat haben ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Orglandes gefunden.
Foto-Copyrights: Archiv von Keusgen
Als Grundlage für die Informationen diente uns das Buch
„Sainte-Mere-Eglise und Merderet“,
Helmut Konrad von Keusgen, ISBN 978-3-932922-21-3
An dieser Stelle sei allen Interessierten dieses Buch, sowie alle anderen Bücher zum Thema Invasion in der Normandie, von D-Day-Experten Helmut Konrad von Keusgen sehr empfohlen.
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Ein herzliches Dankeschön geht an Helmut Konrad von Keusgen und Frau Karin Clarissa Röhrs für das zur Verfügungstellen der Bilder und Informationen.






