Sainte-Mére-Èglise
Bekannt wurde der Ort vor allem durch den Film „Der Längste Tag“. Heute sind die im Film gezeigten Szenen aber äußerst umstritten, denn die Kämpfe um den Marktplatz sollen bei Weitem nicht so intensiv gewesen sein, wie dargestellt. Die am Kirchturm hängende Puppe eines Fallschirmjägers erinnert an den Amerikaner Marvin John Stelle, der sich bei der Landung dort verfing, tot stellte und später von seinen Kameraden befreit werden konnte. Außer ihm blieb noch ein zweiter Soldat, der 17-Jährige Kenneth Russell, an der Kirche hängen.
In der Nacht zum 6. Juni 1944 brannte eines der Häuser, die Pommier-Villa am Eingang des Haule-Parks, gegenüber der Kirche. Dort wo sich damals der Haule-Park befand ist heute das Gelände des Airborne-Museum. Warum es zu dem Feuer kam ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Vermutlich hat ein amerikanisches Leuchtmittel im Vorfeld der Landungen den Brand ausgelöst.
Der Bürgermeister des Ortes, Alexandre Renaud, bat den Ortskommandanten (Oberfeldwebel Werner Kassel) die Ausgangssperre aufzuheben, damit die Bürger sich an der Brandbekämpfung beteiligen konnten. Der deutsche Oberfeldwebel gab diesem Wunsch sofort statt.
Die vier großen Kirchenglocken begannen zu läuten um die Bewohner von Sainte-Mére-Èglise zu Hilfe zu rufen. Immer mehr Einwohner eilten zu Hilfe. Genau zu diesem Zeitpunkt überflog eine Welle von Transportflugzeugen in so geringer Höhe den Kirchplatz, dass man sogar durch die bereits geöffneten Ausstiegsluken der Maschinen, die Silhouetten der Soldaten im Inneren erkennen konnte. Es war genau 01.45 Uhr.
Die amerikanischen Fallschirmjäger des 3./505. PIR der 82. Airborne-Disvision begannen nun mit dem Absprung auf die ihnen zugeteilten Landezonen am Stadtrand von Sainte-Mére-Èglise. Gut die Hälfte der Soldaten landete allerdings genau im Ortskern.
Rudi Escher berichtet in dem Buch „Sainte-Mére-Èglise und Merderet – US Luftlandeunternehmen, 6. Juni´44“ von Helmut Konrad von Keusgen: „ Wir sahen eine Menge Flugzeuge über uns, und der schwarze Himmel war voller heller Fallschirme – ein unheimlicher Anblick. Plötzlich rauschte es vor uns, und einer landete direkt in unsere Nähe. Wir wollten ihn gefangennehmen, aber es kam auf beiden Seiten zu einer Schießerei. Verwundet wurde von uns niemand, aber der Fallschirmjäger hat es nicht überlebt …“
11 Fallschirmjäger kamen dabei direkt über dem Kirchplatz herunter. Unter ihnen auch Kenneth Russel von der F-Kompanie des 2./505. PIR, der mit seinem Fallschirm an der Kirche hängenblieb. Er musste mit ansehen wir einer seiner Kameraden durch den entstandenen Feuersog des brennenden Hauses angezogen wurde und direkt in den Flammen landete.
Kenneth Russel beobachtet zudem auch wie ein weiterer Kamerad am Eingang zum Stadtpark in einem der Bäume landete und dort, als er sich gerade aus den Guten befreien wollte, von einem deutschen Soldaten erschossen wurde. Ferner sollen drei weitere Fallschirmjäger bei der Landung gegen Telegrafenmasten geprallt sein und dabei getötet worden.
Ein weiterer Kamerad von Russel, Unteroffizier John Ray, landete in unmittelbarer Nähe zu ihm, direkt an der Außenwand des Kirchenschiffes. Genau in diesem Moment kam ein deutscher Soldat um die Ecke und schoss Russels Kameraden in den Bauch und entdeckte auch ihn. Noch bevor der Deutsche auf Russel anlegen konnte schoss der sterbende Ray ihm in den Hinterkopf und tötete ihn. Wenige Sekunden später war auch Ray tot.
Russel konnte sich schließlich aus seiner misslichen Lage befreien und sich zum nördlichen Stadtrand absetzen. Auch John Steeles Fallschirm hatte sich einer Ecke des Glockenturms verfangen und er stellte sich tot.
Kurz nach Sonnenaufgang war der Kampf um die Stadt vorbei und Sainte-Mére-Èglise war die erste befreite Stadt Frankreichs. Trotzdem dauerte der Kampf weitere zwei Tage an, ehe die Panzer und Verstärkungen von Utah die Stadt erreichten und sicherten. Während dieses Zeitraums nahm die deutsche Artillerie die Stadt unter schweren Beschuss, was viele Opfer unter der Zivilbevölkerung zur Folge hatte.
Die Einnahme der Stadt war im übrigen der einzige Erfolg der amerikanischen Truppen bis zum Tagesanbruch. Der Absprung der Truppen war chaotisch gewesen und die Soldaten waren über weite Teile der Halbinsel verstreut. Wer nicht in den von den Deutschen überfluteteten Gebieten ertrank, erschossen oder verwundet wurde, der fand sich allein oder in kleinen Truppen auf unbekannten Gebiet, weit von der geplanten Absprungzone, wieder.
Ein riesiges Katz-und Maus-Spiel war die Folge, in dem kleine Gruppen deutscher und amerikanischer Soldaten, verwirrt und informationslos, durch das Gebiet streiften. General Maxwell Taylor, dem Kommandeur der 101. Luftlandedivision, erging es hierbei nicht besser als seinen Soldaten. Wärend der ersten halben Stunden nach seinem Absprung konnte er keinen einzigen seiner Soldaten finden und war mehr als erlöst, als er endlich einen Kameraden zu Gesicht bekam. So erlöst, dass sich General und einfacher Soldat herzlichst in die Arme fielen.
Was folgte war ein sich gegenseitiges Belauern in der Dunkelkeit der Bocage, den Finger ständig am Abzug der Waffe. Auf alles was sich bewegte und nicht im Bruchteil einer Sekunde die richtige Antwort gab, wurde - ganz gleich ob Mensch oder Tier, erschossen.
Die Kirche und der Platz davor hat sich seit diesen dramatischen Tagen kaum verändert. Direkt neben der Kirche findet Ihr ein sehenswertes Museum, leider aber auch viele Shops, die diveres Kriegsspielzeug anbieten. Es ist uns nicht begreiflich, wie Eltern an solchen Orten ihren Kindern, Plastikpanzer- und Soldaten kaufen können.
Direkte Bildvergleiche:
Das Airborne-Museum
Ein wirkliches "Muss" ist der Besuch des Airborne-Museums bei der Kirche. Dieses hat uns schwer beeindruckt und sollte wirklich fester Bestandteil eines Besuchs in Sainte- Mére-Èglise sein.
Sonderausstellung/Fahrzeugtreffen vor dem Museum im September 2009
Weitere Informationen:
Auf der Straße nach Turqueville findet man denn Ort dieser Aufnahme.































































