Red Ball Express - Red Ball Highway

Quelle: US National Archives
Quelle: US National Archives

 

Red Ball Express war der Codename für eine der größten logistischen Operationen des Zweiten Weltkriegs. Er bestand aus einer Flotte von 5.958 Lastkraftwagen und Anhängern, die über 412.000 Tonnen Munition, Nahrung und Kraftstoff zwischen dem 25. August und 16. November 1944 zu den alliierten Armeen an der westeuropäischen Front lieferten.

 

Um die Lücke zwischen den kämpfenden Truppen und den Lagerstätten in der Normandie zu schließen, wurde in einer verzweifelten Aktion eine sich über eine Distanz von etwa 250 Kilometern erstreckende Einbahnstraßenschleife aufgebaut, der sogenannte Red Ball Express. Er startete am 25. August mit 67 LKW-Kompanien über eine festgelegte, abgesperrte Route zwischen Saint-Lô und Chartres, südwestlich von Paris. Nur vier Tage später erreichte er einen Höchststand von 132 LKW-Kompanien mit 5.958 Fahrzeugen.

 

Die Fahrer rekrutierten sich aus allen Einheiten, die für den direkten Fronteinsatz nicht vorgesehen waren. Etwa 75% der Fahrer waren Afroamerikaner. Jeder, der einen LKW-Führerschein besaß, wurde eingeteilt und die Männer, die noch nie einen LKW gefahren hatten, bekamen eine etwa einstündige Einweisung und waren damit für den Einsatz qualifiziert.

 

Zum reibungslosen Ablauf waren Pioniere abgestellt worden, die die Straßen und Brücken kontrollierten. Militärpolizei war an den Kreuzungspunkten stationiert, um die Fahrzeuge in die korrekte Richtung einzuweisen und Verlaufsdaten aufzunehmen. Entlang den Straßen waren grellfarbige Hinweisschilder angebracht, die die Fahrer auf dem richtigen Weg hielten und gleichzeitig über die zu erreichenden Leistungen unterrichteten. Über die ganze Strecke waren Reparaturposten und Fachleute für den Umgang mit Treibstoff verteilt. Verunglückte Fahrzeuge wurden von der Fahrbahn gezogen und meist an Ort und Stelle instand gesetzt oder zum letzten Stützpunkt zurückgeschleppt.

 

Da der Verkehr rund um die Uhr aufrechterhalten wurde, mussten die Fahrer sich streng an ein Regelwerk halten. So mussten beispielsweise die Fahrzeuge in Konvois fahren, vor und hinter denen zur Begleitung ein Jeep fuhr, und jeweils einen Abstand von 55 Metern einhalten. Die vorgegebene Geschwindigkeit von 40 km/h durfte nicht überschritten und kein anderes Fahrzeug überholt werden, da alle LKW durchnummeriert waren. Nach Einbruch der Dunkelheit war den Fahrern zur Sicherheit die Benutzung von normalem Fahrlicht im Gegensatz zu den sonst benutzten Reflektoren genehmigt worden.

 

Etwa auf halbem Weg der Einzelstrecken waren Biwaks aufgestellt, damit sich die Fahrer erholen konnten. Es gab Feldbetten und Küchen, in denen warme Mahlzeiten zubereitet wurden.

 

Die Fahrzeuge wurden auf dem Rückweg von den Frontlinien auch zum Transport von Gefangenen, Verwundeten und Toten benutzt. Da die LKW aber schnell wieder einsatzbereit sein mussten, reinigten die Serviceleute die Ladepritschen meist nur oberflächlich, so dass sie oft noch vom Blut rot gefärbt waren.

 

Obwohl die Konvois nur selten von deutschen Kampfflugzeugen angegriffen wurden, die Möglichkeit aber bestand, hatten einige Fahrer auf der Fahrerkabine ein Maschinengewehr installiert. Viele Wagen waren mit langen Stahlbügeln vorne ausgerüstet, um frühzeitig Detonationsdrähte von Minen auszulösen. Zusätzlich hatten die Fahrer den Boden der Fahrerkabine mit Sandsäcken ausgelegt, damit Minensplitter nicht eindringen konnten. Damit der Druck einer Granatenexplosion bei deutschem Artilleriebeschuss nicht zu Verletzungen führte, hatten fast alle LKW keine Windschutzscheibe.

 

Quelle: US National Archives
Quelle: US National Archives
Quelle:US National Archives
Quelle:US National Archives

 

Insgesamt beförderte der Red Ball Express mehr als 500.000 t Nachschubgüter.

Obwohl die Nachschubtransporte über eine Distanz von mehr als 650 Kilometer relativ problemlos abliefen und die Quartiermeister ihren Teil dazu beitrugen, kam das Ende durch den zu hohen Preis, der dafür bezahlt werden musste. Der stetige Tag-und-Nacht-Betrieb belastete die Fahrer und auch deren Fahrzeuge. Da immer wieder dieselben LKW eingesetzt wurden, ohne dass eine wirklich ausreichende Wartung gewährleistet werden konnte, kam es bald zu einem Mangel an Ersatzteilen und auch die Fahrerausfälle stiegen an. Der Bedarf an Austausch-Reifen erhöhte sich von etwa 30.000 vor dem Start des Red Ball Express bis auf 55.000 im September. Die Situation verschärfte sich noch dadurch, dass die Fahrer immer öfter die geforderte Höchstgeschwindigkeit überschritten und die LKW sehr oft überladen wurden, obwohl man sie schon für die doppelte Last freigegeben hatte. Hinzu kam das häufige Fahren bei Übermüdung und es kam sogar zu Fällen der Selbstsabotage, bei denen Fahrer ihre Fahrzeuge fahruntüchtig machten, nur um eine Schlafpause zu bekommen.

 

Ein weiterer Mangel tat sich mit der Zeit auf: die Kleinkanister zum Transport des Treibstoffs gingen aus. Die Kanister wurden in ihren Depots an den Stränden aufgefüllt, verladen und nach ihrer Auslieferung und ihrem Gebrauch achtlos in die Straßengräben geworfen. Um einen Rücklauf zu gewährleisten, riefen viele Quartiermeister die lokale Bevölkerung mittels Flugblättern zur Hilfe auf. Der Engpass konnte aber nur durch die erhöhten Fertigungszahlen der Kleinkanister in den USA beseitigt werden. 

 

Schlussendlich bestand das größte Problem in den sich immer weiter entfernenden Frontlinien, die den Fahrzeugen einen wirtschaftlichen Transport kaum mehr ermöglichten. Am Ende benötigte der Red Ball Express allein etwa 1 Million Liter Treibstoff, nur um die eigenen Fahrzeuge in Bewegung zu halten.