Schlachtfeld Bocage

 

 

Man muss diese Landschaft selbst sehen um zu begreifen, was hier ein Vormarsch oder eine Verteidigung bedeutet. Heute fährt man mit dem Auto auf diesen Wegen und meist mit Navigationsgerät. Selbst nach nun 9 Wochen Urlaub sahen alle Wege und Straßen gleich aus und ohne unsere freundliche Navi-Dame an Bord hätten wir uns zweifelsohne täglich mehrmals verfahren. Die gewaltige Höhe dieser Hecken und ihre Dichte lassen kaum eine Orientierunghilfe in Form von Kirchtürmen oder anderen Gebäuden zu. Man kann es nachempfinden welche Ängste die Luftlandesoldaten in der Nacht zum 6.Juni 1944 durchlitten haben. Orientierungslos in der Dunkelheit, kilometerweit von der eigentlichen Landezone entfernt, meist vollkommen allein und in Angst vor einem plötzlichen Feindkontakt.

 

In den Folgeoperationen dann der Vormarsch auf diesen Straßen und Wegen.

Die Wallhecken befanden sich in Abständen von 100 bis 200 Metern und schränkten das Sicht- und Schussfeld der alliierten Truppen ein. Außerdem stellten die Wallhecken ein nahezu unüberwindbares Hindernis für die alliierten Panzer dar. Auf den Wegen stellten die Deutschen Panzerabwehrgeschütze auf, sodass der alliierte Vormarsch stark verlangsamt wurde. Hinzu kam, dass Artilleriebeschuss wegen der Vegetation größtenteils unnütz war, da die Splitter der Granaten in den Hecken steckenblieben und so keinen Schaden anrichteten. Der einzige Vorteil des Bocages für die Alliierten bestand darin, dass die Sherman-Panzer den deutschen Panzerkampfwagen VI Tiger auf die Entfernungen im Bocage erheblicheren Schaden zufügen konnten als in sonstigem Gelände. Für den einzelnen Soldaten müssen die Kämpfe in dieser einzigartigen Landschaft die Hölle gewesen sein. Hinter jeder Kurve, jeder Hecke und jedem Busch die Möglichkeit eines Hinterhalts. Ständig in der Gefahr Opfer eines deutschen Scharfschützen zu werden oder von einer Mine zerissen zu werden. Natürlich ging es dem deutschen Verteidiger dabei nicht besser. Was müssen diese Straßen, Pfade und Wege alles gesehen haben? Wieviel Leid, Blut und verlorene Hoffnungen versickerten hier zwischen Stein, Sand und Teer?

 

 

Die Bocage

 

Die Wallhecken der Bocage waren zum Zweck von Flurgrenzen durch keltische Bauern vor etwa 2.000 Jahren errichtet worden. In diesen zwei Jahrtausenden hatten sich die Wallhecken zu bis zu drei Meter breiten Wällen, im Normalfall jedoch etwa einen Meter breiten und bis zu dreieinhalb Meter hohen Wällen herausgebildet. Diese Wallhecken waren meist von Brombeer- und anderen dornigen Sträuchern, sowie Büschen bewachsen, sodass die Hecken insgesamt bis zu 4,5 Meter an Höhe erlangen konnten. Die amerikanischen Soldaten gaben dieser Landschaft nach den Kämpfen den Namen "Gottverfluchtes Land".

 

 

 

 

In der Nähe von Carentan fanden wir diesen Ort. Ein betagter Wanderer hatte uns darauf hingewiesen. Hier befand sich eine deutsche Verteidigungsstellung. Einmal mehr wurde uns bewusst, wie schwer und verlustreich es wohl gewesen sein muss, hier einen den Gegner zu bekämpfen.

 

 

 

Weitere Bilder aus der Bocage