Marigny
Im Laufe der Invasion errichteten amerikanische Luftlandetruppen bei St.
Mère- Eglise zwei Brückenköpfe als Ausgangspunkt zur Abschnürung der auf der Halbinsel Cotentin liegenden deutschen Truppen. Gegen heftigsten Widerstand gelang es den über Carentan nach St. Lô und
weiter in Richtung Avranches vorstoßenden amerikanischen Verbänden, den gesamten Raum von Coutances abzuschneiden.
Nachdem dieses Kampfgelände rückwärtiges Gebiet der US-Army geworden war, bestattete der amerikanische Gräberdienst bei MARIGNY eigene und deutsche Gefallene. In den Jahren 1945 und 1946 wurden, wie
an vielen anderen Plätzen der Normandie, die amerikanischen Toten nach dem zum endgültigen Ausbau bestimmten Friedhof St. Laurent-sur-mer umgebettet, während das deutsche Gräberfeld zurückblieb. Bei
der Übergabe in französische Verwaltung betrug die Zahl der deutschen Toten 4246, die sich durch französische Zubettungen auf 5713 erhöhte.
In Auswirkung des im Jahre 1954 zwischen der Bundesregierung und Frankreich geschlossenen Kriegsgräberabkommens wurde beschlossen, die Anlage bei MARIGNY zu einem endgültigen deutschen
Soldatenfriedhof zu gestalten, und zwar unter Zubettung weiterer deutscher Gefallener. In der Zeit von Januar bis August 1957 wurden weitere deutsche Tote aus vielen kleinen Anlagen und den äußerst
zahlreichen Feldgräbern in offenem Gelände geborgen und auf den neuangelegten Gräberfeldern auf dem Friedhof wieder bestattet, so daß die Gesamtzahl jetzt 11 172 beträgt.
Die Landschaft bei MARIGNY zeigt die charakteristischen Merkmale der Normandie mit ihren baumbestandenen Wällen, die Felder, Wiesen und Gärten einfassen, und zwischen denen Wege wie tiefe Schluchten
eingebettet sind. Der deutsche Soldatenfriedhof MARIGNY liegt in der Gemarkung Chapelle-en-Juger an einem Gemeindeweg und war ursprünglich auch mit alten Heckenwällen umgeben, auf denen leider schon
viele alte Bäume gefällt waren, als die Umgestaltung der Anlage begann. Sie erforderte an der Ostseite eine gewisse Hinzunahme von Gelände, wo der bestehende Wall eingeebnet und an der neuen Grenze
wieder errichtet wurde.
Der Besucher erblickt schon von weitem den hohen Turm des Eingangsbaues, der durchaus im Charakter der normannischen Dorfkirchen aus Bruchsteinmauerwerk gehalten ist und sich vollkommen der
Landschaft einfügt. Er betritt durch eine schmale Pforte, die durch eine kunstvoll geschmiedete Tür verwahrt wird, den ungedeckten Hof, der zwischen Turm und Eingangshalle liegt. Zur Rechten, in der
Turmnische, weist ein Mosaik, eine Pietà darstellend, auf den Charakter dieser Stätte hin. Von der Eingangshalle führt auf der linken Seite eine Tür zum Listenraum. Hier sind die Namensverzeichnisse
der auf diesem Friedhof bestatteten Toten in einem metallenen Schrein aufbewahrt. Ein Plan gibt Auskunft über die Lage der einzelnen Gräber.
Von der Eingangshalle aus tritt der Besucher durch einen Rundbogen hindurch wieder ins Freie und steht vor dem Gräberfeld, das in 5 Blocks aufgeteilt ist. Hier ruhen 11 172 Gefallene. Auf Grabzeichen
aus Keramik, die über den Gräbern eingelassen sind, sind Name, Dienstgrad, Geburts- und Sterbedaten von jeweils zwei Toten verzeichnet. Einzelne Kreuzgruppen sind über die ganze Fläche verteilt und
gliedern sie auf. Das gleiche bewirken die Bäume und die Baumgruppen, in der Hauptsache Eilten und Buchen, durch die im Laufe der Zeit der ganze Friedhof die Gestalt eines lichten Haines anneh-men
wird. Das auf den Gräbern üppig wachsende Johanniskraut (Hypericum) ver-leiht dem Ganzen, besonders in der Blütezeit, einen besonderen Reiz.
Die baulichen und gärtnerischen Arbeiten an diesem Soldatenfriedhof wurden im März 1958 begonnen und waren im wesentlichen im Jahre 1960 beendet. Die Kosten hierfür wurden von der Bundesregierung und
vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. gemeinsam getragen. Der Friedhof wurde am 20. September 1961 in feierlicher Form und in Anwesenheit zahlreicher Angehöriger der hier bestatteten
Toten eingeweiht und damit der Öffentlichkeit übergeben.
Wir sollten auch diese stille Gräberstätte in der Normandie nicht verlassen, ohne uns des Opfers dieser Toten eindringlich bewusst zu werden und ihre Mahnung und ihr Vermächtnis mit auf den Heimweg
nehmen.
Ruht In Frieden - Euer Opfer ist nicht Vergessen