In der Eifel und Belgien
Hallo Geschichtsinteressierte,
ich möchte euch gerne über meinen Urlaub mit meiner Frau und unseren beiden Kindern in der Eifel vom 03.05. – 10.05.10 berichten. Warum das ganze? Nun, zum Einen, weil die Eifel in meinen Augen eine der schönsten Gebiete in Deutschland ist, und zum Anderen, weil dort im Dezember 1944 eine der bekanntesten Schlachten des 2. Weltkriegs geschlagen wurde.
Der Ort, wo wir unsere Unterkunft hatten, heißt Prüm und liegt ca. 30 km vom belgischen St. Vith entfernt. Am Morgen des 16. Dezember 1944 stießen Einheiten der 18. Volksgrenadierdivision an Prüm vorbei in Richtung St. Vith vor. Zwischen den beiden Städten zieht sich ein Höhenzug entlang, der Schnee Eifel oder Schneifel genannt wird. Auf dem Bergrücken in den Wäldern waren Bunker des Westwalls gebaut. Ihnen gegenüber, und in der Stoßrichtung der 18. VGD, waren seit Anfang Dezember Einheiten der 106th US. Infantry Division untergekommen, die frisch aus England kam und keinerlei Kampferfahrungen hatten. Die 106th wurde sehr schnell überrannt und viele ihrer Soldaten gingen in Gefangenschaft. Dieses zum kriegsgeschichtlichen Teil der Gegend, in der ich im Urlaub war.
Am 2. Tag nach unserer Ankunft im Urlaubsgebiet begann ich mit meinem „Schlachtfeldtourismus“. Mein Ziel waren die Reste von Panzersperren, die im Volksmund Höckerlinie und bei den Alliierten „Dragons Teeth“ genannt wurde, und sich früher mit dem Westwall von der niederländischen Nordseeküste bis zur Schweizer Grenze zog. Heute gibt es von dieser Linie noch einige Reste zu sehen, da sie nach dem Krieg nicht komplett gesprengt wurden. Durch das Buch „Militärhistorischer Reiseführer Hürtgenwald“ wusste ich, dass sich in der Nähe von Prüm, in dem kleinen Ort Udenbreth, noch Reste dieser Sperre befinden sollte. Udenbreth befindet sich ein paar Kilometer nördlich von Losheim und Losheimergraben (Losheim Gap von den Alliierten bezeichnet). Als ich mit dem Auto in Udenbreth ankam, deutete nichts auf den ehemaligen Verteidigungswall hin. Kein Schild, kein Zeichen deutete irgendwas davon an. Vorweg gesagt, auf Deutscher Seite habe ich in der Gegend nirgends Hinweisschilder zu irgendwelchen Westwallbefestigungen gesehen und auch in Belgien findet man nichts.
Nachdem ich aber einen einheimischen Bauern befragte, fand ich dann aber mein Ziel. Als Tipp, wenn man auf der B265 fährt, lasst den Beifahrer nach rechts schauen. Die Panzersperren sind alle, wie auf den Fotos zu sehen, alle mit Bäumen bepflanzt und somit nicht sofort sichtbar.
Am selben Tag sind wir von den Panzersperren zum Westwallwanderweg gefahren, da beides nur ca. 20 km voneinander entfernt ist.
Der Westwallwanderweg ist ein 14 km langer Weg der sich parallel zur Schneifel-Höhenstraße entlangzieht. Zur Geschichte dieser Gegend habe ich in meiner Einleitung schon etwas geschrieben. Hier lagen am 16. Dezember 1944 Einheiten der 1. und 3. Battalions und 1.-3. Battalions des 423. und 422. Regiments der 106. US Inf Div der 18. Volksgrenadierdivision gegenüber.
An dem Westwallwanderweg sind 17(?) Bunker des Westwalls gelegen. Von diesen Bunkern ist kein einziger mehr intakt, denn die französische Armee hat sie 1949 alle sprengen lassen. So sieht man „nur“ noch Betonbauten, die in sich zusammengefallen sind und von der Natur immer mehr eingenommen werden oder teilweise schon komplett überwachsen sind. Einige gefährliche Ruinen sind mit Maschendrahtzäunen gesichert, so dass man auch nicht in die Ruinen reinklettern kann. In dem Wald vor und um den ehemaligen Bunkern sind noch ein paar Spuren des Krieges in Form von Sprengtrichtern und ehemaligen Schützenlöchern zu sehen. Ich habe auch eine Metallscheibe gefunden, von der ich aber nicht weiß, ob sie ein Relikt des Krieges ist, oder ob sie jüngeren Datums ist. Ich habe sie einfach mal fotografiert und an Ort und Stelle belassen. Da ich zwei kleine Kinder und eine kriegsgeschichtlich vollkommen desinteressierte Frau habe, bin ich den Wanderweg auf der Höhenstraße abgefahren und habe mich an drei Parkplätzen ein paar Meter in den Wald geschlagen. Persönlich hat mir das aber auch gereicht, denn Bunkerruinen sehen alle irgendwie gleich aus.
Nichts desto trotz bin ich mir dem, was dort geschehen sein muss, durchaus bewusst und es befällt mich immer eine gewisse Ehrfurcht, wenn ich an solchen Orten bin.
Der 3. Tag sollte eigentlich nur den Besuch eines Schieferstollens im belgischen Recht beinhalten. Als weiteres Ziel hatte ich mir St. Vith offen gelassen, was aber buchstäblich ins Wasser fiel, denn leider war das Wetter in der Zeit generell nicht wirklich Maiwetter.
In dem Schieferbergwerk wurde auch beschrieben, dass in der Nähe von Recht am 18. Dezember 1944 eine Kolonne der 14th US Cavalry Group von der Kampfgruppe Hansen in einen Hinterhalt gelockt wurde, und vernichtet wurde. Der Hinterhalt fand auf der Straße zwischen Recht und dem 5 km entfernten Poteau statt. Zu diesem Hinterhalt gibt es auch einen berühmten Wochenschaubericht und Fotos. Beides wurde aber erst nach dem tatsächlichen Hinterhalt gemacht.
Das es in Poteau ein Museum gibt, hatte ich schon vor meinem Urlaub herausgefunden. Mir war bis zu dem Zeitpunkt nur nicht bewusst, dass es so nahe war. Jedenfalls fuhren wir noch zu dem Museum.
Das Museum geht über drei Etagen und befindet sich in einem ehemaligen Zollhaus. Hier war mal die Deutsch-belgische Grenze. Im Museum kann man Anhand einer Linie den ehemaligen Grenzverlauf verfolgen. Auf jeder Etage sind 1:1 Dioramen mit Originalfahrzeugen und Puppen in zeitgenössischen Uniformen zu sehen, die im Groben die Situation in der Gegend von 1940 – 1944 wiedergeben. Außerdem werden mit Karten, Texten und per Video über den Hinterhalt berichtet. Hinter dem Museum beginnt das Areal, auf dem der Hinterhalt bei Poteau stattgefunden hat. Hier stehen neben einem, 1940 gesprengten Bunker, eine deutsche PAK und der durchlöcherte Turm eines Sherman „Firefly“. Außerdem findet man an einem Hang am Rand des Geländes mehrere „Foxholes“. Angeblich aus der Zeit, als die Amerikaner das Gebiet nach der Offensive zurückeroberten. Ich bin da etwas skeptisch, denn so ein Loch ist schnell ausgeschachtet und nach ein paar Monaten sieht es dann so aus, als ob es 60 – 70 Jahre alt ist. Ca. 600 Meter hinter dem Museum ist dann der eigentlich Ort des Hinterhaltes. Gekennzeichnet ist es durch ein Schild mit der Aufschrift „Ambush“, einer Tafel, die die Ereignisse noch einmal beschreibt, und einem Memorial für die gefallenen GI s. Hier ist es interessant, dass noch ein Schuppen vorhanden ist, den es z.Zt. des Hinterhaltes schon gab. Er ist sogar auf einem zeitgenössischen Foto zu sehen. Allerdings nicht so zugewachsen, wie er jetzt ist.
An schönen Tagen kann man im Museum auch eine fahrt mit einer US Halbkette buchen. Das Fahrzeug selbst steht im Außengelände und ist nur durch ein Welldach gegen die Witterung geschützt. Dementsprechend sieht es aus.
Schaut euch mal die Homepage des Museums an: http://www.museum-poteau44.be/
Hier noch als Tipp: Normalerweise hat das Museum nur an den Wochenenden geöffnet. Ich war in der Woche aber dort und hatte Glück. Die Eigentümerin erzählte mir, dass das Museum nur offen war, weil im benachbarten Holland Schulferien waren. Sonst hätte ich vor verschlossenen Türen gestanden.
Am vorletzten Tag meines Urlaubs standen dann zwei Ziele auf dem Plan: Einmal das luxemburgische Clervaux und das belgische Bastogne. An beiden Orten war ich schon einmal 2003. Clervaux war damals allerdings nur eine Durchfahrt nach Bastogne. Dann „kam“ ein Luxemburger Modellbauer mit dem Nachbau des Schlosses und der Geschichte dazu und schon war mein Interesse wieder geweckt. Da Clervaux von Prüm nur 45 km entfernt ist, wollte ich da auf jeden Fall hin.
Clervaux, oder auch Clerf, ist ein kleiner, malerischer Ort mitten in den luxemburgischen Ardennen. Dominiert wird der Ort von seinem Schloß. Dieses Schloß gab es schon im 13. Jahrhundert, zumindest wurde es da erstmals urkundlich erwähnt. Zu Beginn der Ardennenoffensive lagen in Clervaux Einheiten der 28th US Infantry Division zur R & R (Rest and Recreation), nachdem sie in der Schlacht im Hürtgenwald starke Verluste erlitten hatte. Sie wurden am 16. Dezember 1944 von der 2. Panzerdivision angegriffen und aus dem Ort vertrieben.
In dem Ort selbst erinnert an die damaligen Ereignisse nur noch die Statue eines amerikanischen Soldaten. Vor dem Schloß stehen eine deutsche PAK und ein amerikanischer M4A3 (76mm) Sherman, der lt. Beschreibung in der Toreinfahrt des Schlosses stand und dort außer Gefecht gesetzt wurde. Die Treffer sind auch noch gut am Turm sichtbar.
Das Schloß selbst beherbergt 3 Museen, bzw. Ausstellungen. Mich hat nur das Musee de la bataille des Ardennes interessiert. Allerdings war ich enttäuscht. Es war eher ein lieblos, zusammen gewürfeltes Sammelsurium an Waffen, Ausrüstungsgegenständen, Relikten, Karten, Berichten und Abzeichen. Teilweise hatten die Ausstellungsstücke noch nicht mal etwas mit der Schlacht in den Ardennen zu tun. So waren z.B. die Hinterlassenschaften eines Offiziers der US Navy in dem Museum zu sehen. Interessant, aber nicht passend zum Thema.
Nach dem Besuch in Clervaux fuhren meine Familie und ich weiter ins belgische Bastogne.
Die Stadt Bastogne ist wohl der bekannteste Ort in der Ardennenoffensive. Vom 20. – 27. Dezember 1944 hielten Einheiten der 101st US Airborne, Teile der 10. US Armored Division und Teile des 705th Tank Destroyer Battalions der Belagerung von vier deutschen Divisionen stand. Diese waren die 901. Lehr-, die Panzer Lehr-, die 26. Volksgrenadier- und die 2. Panzerdivision. Am 27. Dezember wurde der Ring um Bastogne von General Pattons 4th Armored Division durch- und aufgebrochen.
Aus der Richtung von Clervaux kommt man automatisch an dem Hinweisschild zum Mardasson und dem Bastogne Historical Center vorbei. An der Abzweigung dorthin ist ein Bunker zu sehen. Dort fiel am 10. Mai 1940 ein junger belgischer Caporal bei der Verteidigung von Bastogne. So jedenfalls beschreibt es ein Hinweisschild.
Das Mardasson Memorial hat die Form eines Sterns. Es wurde Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts gebaut und ist den gefallenen US Soldaten der Ardennenoffensive gewidmet. An den Seiten sind die damals 48 Staaten der USA aufgeführt. Außerdem sind alle US Einheiten des ETO mit ihren Einheitswappen dargestellt und ein Text erzählt die Geschichte der Ardennenoffensive. Eine schmale Wendeltreppe führt auf das Memorial. Von hier aus hat man einen guten Ausblick auf Bastogne und Umgebung. In jedem Zacken erklären Bronzetafeln die Schlacht um Bastogne.
Gleich neben dem Mardasson ist das Bastogne Historical Center. Vor diesem steht ein M-10 Tank Destroyer. Als ich 2003 an diesem Ort schon einmal war, standen dort neben dem TD noch ein Sherman-Panzer und ein Panzer Hetzer. Das Historical Center besuchte ich dieses Mal nicht. Wen es interessiert, dem empfehle ich folgende Homepage: http://www.bastognehistoricalcenter.be/index2.php?sm=bastogne_en-1
Der anhängende Museumsshop ist ebenfalls sehr zu empfehlen.
Nach dem Besuch am Mardasson fuhren wir in die Stadt Bastogne. Auf dem Marktplatz, dem Place Mac Auliffe, befindet sich ein großer Parkplatz, der zwar kostenpflichtig ist, aber sehr Zentral gelegen. Hier fiel mir, zum wiederholten Male in Belgien und Luxemburg, auf, dass wohl nur die Touristen eine Parkgebühr entrichten, denn nur die Autos mit ausländischen Kennzeichen hatten einen Parkschein hinter der Windschutzscheibe stecken.
Auf dem Place Mac Auliffe stand ein Sherman mit Beschusszeichen. Beim Erkunden der abgehenden Straßen stieß ich auf ein kleines Museum, in dem „battle artifacts“ zu sehen, UND zu kaufen gab. Ein paar Eingänge weiter fand ich einen kleinen Modellbauladen mit moderaten Preisen. Entgegen meiner Angewohnheit in jedem Modellbauladen etwas zu kaufen, was ich nicht brauche, hielt ich mich dieses Mal zurück. An dem Place selbst gab es einen Military Shop, in dem Reenactor sich mit diversen Uniform- und Ausrüstungsteilen der amerikanischen Armee eindecken konnte.
Aber auch ohne diese Kriegsandenken sind die Straßen und Gassen um den Place sehenswert. An der Rue du Sablon, der Hauptverkehrsstraße zum Marktplatz, reihten sich Partisserien und Confisserien aneinander. Der ganze Ort schien in der Zeit stehengeblieben zu sein, denn die Belgier hatten sich nach dem Krieg alle Mühe gegeben, ihre Stadt wieder so aufzubauen, wie sie vorher aussahen. Eine Sache, die so einige deutsche Städtplaner sich auch hätten zu Herzen nehmen sollen. So ist der Ort nicht nur für uns kriegsgeschichtlich interessierte Modellbauer sehenswert.
Auf der Rückfahrt zu unserem Urlaubsort durchfuhren wir noch einige, für mich, bekannte Dörfer und Städtchen. So kamen wir durch die Dörfer Foi und Noville, sowie später Trois Points, Stavelot und Malmedy. Alles Orte, die von amerikanischer Seite her Meilensteine der Ardennenoffensive waren. In Malmedy soll es im Übrigen ein sehr interessantes Museum zur Schlacht in den Ardennen geben, dem Baugnez `44 Historical Center.
Das war mein Bericht über meinen Familienurlaub in der Eifel. Alles in allem trotz des äußerst bescheidenen Wetters ein sehr schöner Urlaub in einer sehr schönen Gegend. Aber nicht nur zur Geschichte des 2. Weltkriegs gibt es sehenswerte Orte. So haben schon die Kelten und Römer in einigen Orten ihre Hinterlassenschaften gelassen, und Orte wie Monschau, Prüm, Trier usw. haben ihre architektonischen Reize. Von der Landschaft sind die Wälder und Seen sehr schön und erloschene Vulkane sieht man in Deutschland auch nicht häufig. Zuletzt für den Motorsport ist der Nürburgring und der Circuit de Spa-Francochamps interessant.
Jedenfalls waren meine Familie und ich nicht zum letzten Mal in der Eifel.
In diesem Sinne, viele Grüße
Arne Greve
Lieber Arne, wir danken dir für deinen interessanten Reisebericht und damit verbundenen Beitrag zu unserer Homepage.

