Frühjahr 2005
Zusammen mit meinem Bruder ging es im März 2005 zum ersten Mal in der Hürtgenwald.
Als Unterkunft hatten sie das Hotel "Talschenke" in Simonskall auserkoren, was sich als absoluter Glücksgriff erwies. Das Hotel liegt wunderschön im Kalltal und ist aufgrund seiner zentralen Lage,
für die Erkundung des Hürtgenwaldes ideal. Zudem bietet es eine sehr gute Küche, humane Preise, nettes Personal (wie z.B. Wencke) und in Person der Eheleute Schade, stets gut aufgelegte und liebe
Wirtsleute.
Nach einem kühlen Weißbier auf der schönen Terrasse der Talschenke, führte uns unser erster Streifzug an den "Buhlert". Idealer Ausgangspunkt für die Buhlert-Tour ist der Parkplatz "Am Buhlert" an
der Verbindungsstraße von Schmidt und Strauch. Leider waren wir zum damaligen Zeitpunkt schlecht informiert (wir kannten ja die Jungs von 7grad.org noch nicht) und wir fanden nur den Fernmelde- sowie
den Wasserbunker. Leider dient der Fernmeldebunker heute wohl nur noch zur illegalen Müllentsorgung und der Wasserbunker wird zu Übungszwecken der Feuerwehr genützt und ist verschlossen.
Zahlreiche Stellungslöcher und Bombentrichter zeugen allerdings noch heute von den Kämpfen um die Bunker, die wir allerdings erst im Herbst 2005 entdecken sollten.
Etwas frustriert ging es zurück ins Hotel und nach einem leckeren Abendessen und einigen Kölsch ging es recht bald ins Bett. Es bleibt noch zu erwähnen, dass es Bedienung Wencke recht schnell aufgab,
uns das Bier im Kölschglas zu servieren und auf die bayerische Glasversion zurückgriff. Nun, wer trinkt auch schon Bier im Reagensglas?
Am nächsten Tag erwartete uns eine geführte Tour der "Konejung Stiftung" mit dem Thema "Fahrt in die Vergangenheit". Begleitet vom Künstler Achim Konejung begann die Busfahrt als rollendes Hörspiel
durch die dunklen Wälder des Hürtgenwaldes, wobei die strategischen Ereignisse dieser schwersten Kämpfe im Westen ebenso im Mittelpunkt standen wie der Bau des Westwalls, die Lebensumstände der
einfachen Soldaten und die Situation der Zwangsarbeiter. Zu hören waren außerdem Radioprogramme aus den 40er Jahren mit Ansprachen von Winston Churchill und Thomas Mann, Propagandasongs sowie
zeitgenössische Schlager beider Seiten. Höhepunkt der Fahrt war die Wanderung durch das Kalltal mit Lesungen der Schauspieler Joachim Pukaß (Berlin) und Mario Buletta (Hamburg), die Texte von Ernest
Hemingway, Kurt Vonnegut, Heinrich Böll und anderen vortrugen. Nach einer kurzen Panne des Reisebusses und Mittagspause an der Mestrenger Mühle endet die Reise mit der Vorstellung neu entdeckter
Texte zum Kriegsende und dem Besuch des Hürtgenwald-Museums.
Diese Tour können wir jedem Interessierten nur höchstens empfehlen und ist auch für uns jederzeit wieder eine Reise in den Hürtgenwald wert.
Im Anschluss an diese Führung (Dauer 8 Stunden) unternahmen wir noch eine kleine Exkursion in das ehemalige Kampfgelände "Wilde Sau" in der unmittelbaren Nähe des Ehrenfriedhofes Hürtgen, den wir
natürlich ebenfalls besuchten. In einem anhängenden Waldgebiet (Wehebach-Tal) wurden wir dann das erste Mal fündig. Am Rande eines Stellungsloches entdeckte ich, eingewachsen in das Moos, die
deutsche Schulterklappe eines Hauptmannes. Wenn dieses Relikt Geschichten erzählen könnte ? Obwohl, wollen wir diese - aufgrund der dortigen schrecklichen Ereignisse, denn überhaupt hören ? Nach
Besichtigung der Höckerlinie, die das gesamte Gebiet hier prägt und des Ehrenfriedhofes in Vossenack mit dem Ehrenmal der Windhund-Division, erreichten wir gegen Abend wieder unser Hotel und am
nächsten Morgen ging es wieder nach Hause.
Unser erster Besuch im Hürtgenwald war zu Ende und die zu verarbeitenden Eindrücke gewaltig. Es ist wirklich kaum vorstellbar, dass sich in diesem schönen und eigentlich friedlichen Teil der Eifel im
Jahre 1944 derart grausames, sinnloses und menschenverachtendes zugetragen hat und dessen Spuren nach über 60 Jahren noch allgegenwärtig sind. Es ist ein komisches Gefühl durch diese Wälder zu
streifen, wenn man sich der Geschichten und Schicksale bewusst ist, die sich dort zugetragen haben.