Herbst 2005
Es ging wieder los, zusammen mit Olli machte ich mich auf den Weg in den Hürtgenwald. Um 02.30 Uhr
ging es los und ohne größere Behinderungen erreichten wir bereits um 09.00 Uhr unser Hotel Talschenke. Die ersten Gäste saßen bereits beim Frühstück, als wir bei unserer Wirtin Frau Schade ein Kölsch
orderten - so kann der Tag beginnen.
Da unser Zimmer noch nicht bezugsfertig war, ließen wir unser Gepäck im Auto und starteten gleich in Richtung Buhlert. Dort angekommen schnürten wir die Wanderschuhe und ab in den Wald, nicht ohne
vorher per Selbstauslöser ein verhängnisvolles Photo zu schießen. Verhängnisvoll ? - Näheres dazu später in diesem Bericht.
Seitlich schlugen wir uns in die Büsche und die ersten Stellungslöcher markierten den Weg in Richtung Bunkerkette. "Dieses Mal kann nichts schief gehen, wir werden die Bunker finden", so meine
Gedanken bzw. mein Wunschdenken. "Olli keine Sorge, ich kenne jetzt die Standorte" so meine große Klappe selbstsicher.
Nun, es kam wie es kommen musste - wir fanden viel aber noch keinen Bunker. Endlich, in der Nähe der Windanlagen, Beton im Wald ! Zwar ein Zerstörter, aber immerhin ein Bunker. Auch Reste eines
deutschen Stahlhelms lagen unweit dessen, im dichten und hüfthohen Gras.
Inzwischen hatte Defender vom 7Grad-Team per Handy mit uns Kontakt aufgenommen und bat seine Hilfe bei der weiteren Suche an. Man wolle sich dann um 14.00 Uhr am Parkplatz Buhlert treffen. Nun, dann
kann ja nichts mehr schief gehen ... Nach einer kurzen Rast ging es weiter ins Unterholz und bei der weiteren Suche wurde uns eines bewusst - Es ist wirklich nachvollziehbar, dass die amerikanischen
Einheiten oftmals wie blind vor die Maschinengewehre der Bunkerbesatzungen gelaufen sind und aufgerieben wurden. Dieser Wald ist dermaßen dunkel und dicht und ein Bunker wirklich kaum zu erkennen.
Dann endlich ... eine Anhöhe mitten im Wald ... dass kann, nein das muss ein Bunker sein. Unsere Schritten werden schneller und tatsächlich ... der Gruppenunterstand 132 !
Exakt in diesem Moment klingelt mein Handy erneut, am anderen Ende meine Arbeitskollegen in Augsburg. "Alex, wir wurden gerade von der Polizei davon verständigt, dass Dein PKW mit offener
Seitenscheibe am Parkplatz Buhlert steht", so die erfreuliche Nachricht. Der Grund ? Ja genau - das Selbstauslöserbild. Ich hatte für dieses Photo meine Digi-Cam auf dem Fensterrahmen platziert. "Ich
müsse in 15 Minuten am Wagen sein, ansonsten müsste die Polizei mein Kfz sicherstellen", hieß es weiter und meine Kollegen gaben mir die Telefonnummer der PI in Stolberg. Wir nahmen sofort Kontakt
mit der Leitstelle Aachen auf und dann kam die Frage aller Fragen : "Wie lange brauchen sie in etwa bis sie am Parkplatz sind und wo sind sie eigentlich genau am Buhlert?" Genau diese Frage wollten
wir eigentlich nicht hören, denn ... Wir hatten keine Ahnung !
Aber es half nichts, los im Dauerlauf, nur in welche Richtung ? Egal, einfach los ! Irgendwann, inzwischen tropfte uns der Schweiß bereits literweise aus den nassen Klamotten, kamen die Rotoren der
Windanlage in Sicht, eine erste Spur und zugleich eine Standortbestimmung- wir laufen in die falschen Richtung. Weiter ging es, inzwischen hatten wir die sogenannte Bunkerstaße erreicht und unser
Puls beängstigende Schlagzahl. Nach etwa 45 Minuten erreichten wir im Zustand eines Teilnehmers beim "Iron Man" endlich den Parkplatz. Unser Auto stand noch da, von einem Einsatzwagen der Polizei
bewacht. Ich "schleppte" mich die letzten Meter zu meinem Wagen, stütze mich an diesem ab und wurde dabei von zwei besorgten Polizeibeamten flankiert. Genau in diesem Moment bog Defender vom
7Grad-Team auf den Parkplatz ein.. Man muss sich vorstellen, was in diesem Moment in Defender vorgegangen sein muss. Wir kannten uns ja nur auf dem 7Grad-Forum und von E-Mails. Man verabredet sich
mit einem eigentlich Fremden und sieht diesen dann in Gestalt von "Hände an die Wand" und von 2 Polizisten bewacht an einem Parkplatz stehen. Wirklich kein Wunder das Defender seinen Wagen etwas
entfernt von uns zum stehen brachte und erst einmal etwas abwartete.
Die beiden Beamten, in Gestalt einer hübschen Polizistin und deren männlichem Kollegen, waren einfach extraklasse. Absolut nett und hilfsbereit suchten sie in ihren persönlichen Sachen nach etwas
Trinkbaren für mich oder zumindest nach einem Stück Traubenzucker. Wir wurden mündlich für unser fahrlässiges Verhalten ermahnt (Geldbeutel lag auf Beifahrersitz, ebenso das Navi, dass gesamte Gepäck
im Kofferraum nicht zu vergessen. Die beiden Beamten verabschiedeten sich und wir hatten vorerst die Nase gestrichen voll. An dieser Stelle noch mal einen herzlichen Gruß an die gesamte PI Kreis WD
Süd in Stolberg, besonders an alle beteiligten Beamten. Dies war wirklich ein Paradebeispiel für das Motto "Die Polizei - Dein Freund und Helfer".
Inzwischen hatten wir auch Defender begrüßt, der uns erst einmal mit frischem Wasser versorgte. Zusammen fuhren wir erst einmal in unser Hotel zurück um dort bei einem Kaffe etwas
"runterzukommen".
Mit Defenders Auto ging es dann in Richtung Petersberg/Ochsenkopf um dort nach weiteren Spuren zu suchen. An den Bunker am Parkplatz Ochsenkopf erinnern nur noch einige Betonbrocken, einen relativ
gut erhaltenen - aber nicht begehbaren Bunker, findet man aber gleich in der Nähe (den Kiesweg entlang, nach etwa 200 Meter links einem Trampelpfad folgen, nach etwa 100 Meter erreicht man
ihn).
Oberhalb des Parkplatzes zeugen im dichten Wald, zahlreiche Laufgräben und Stellungslöcher von den schweren Kämpfen in diesem Gebiet.
Weiter ging es auf den Peterberg (einfach den Weg in den Wald auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Parkplatz Ochsenkopf nehmen). Der Weg steigt langsam aber stetig an und schon nach einigen
hundert Metern stößt man auf zwei Gedenksteine für mehrere, erst in den Nachkriegsjahren hier entdeckten, Leichen deutscher und amerikanischer Soldaten. Etwas zurückversetzt in den Wald (hinterhalb
der Gedenksteine) findet man das Steingrab eines amerikanisches Soldaten, dass dessen Fundstelle markiert.
In unmittelbarer Nähe findet man dann auch einen weiteren Bunker, bei dessen Erstürmung diese Soldaten ihr Leben lassen mussten.
Auch auf der gegenüberliegenden Seite sind Reste eines Bunkers zu finden, dessen Betonteile durch eine gewaltige Sprengung weit verstreut liegen.
Ferner natürlich wie überall im Hürtgenwald - Granattrichter, Schützen- und Deckungslöcher, sowie Reste von Mörser- und Ari-Stellungen. Etwas Abseits des Weges (Lichtung mit Jägersteig), einen
Wiesenweg nehmend, erreicht man mehrere Pak-Garagen.
So langsam wurde es dunkel und wir machten uns auf den Heimweg zur Talschenke. Im übrigen machten unsere Mägen sich durch lautes "Knurren" inzwischen bemerkbar und ein weiterer Höhepunkt des Tages
wartete bereits um 19.00 Uhr auf uns - der Diavortrag im Rahmen des, von unserem Hotel Talschenke angebotenen, "Hürtgenwald-Pakets" :
Hürtgenwald im Krieg 1944/45 Abend-Vortrag mit historischem Filmmaterial über die schweren und verlustreichen Kämpfe zwischen den deutschen und den US-amerikanischen Truppen am Westwall (Dauer ca. 3
Std.) und im Hürtgenwald 1944, sowie am Folgetag eine Führung durch das ehemals schwer umkämpfte Gelände des Kalltals, incl.Besuch des Hürtgenwald- Museums mit der Dokumentation "Hürtgenwald 1944 und
im Frieden" (Dauer ca. 5 Std.) Näheres zu diesem und anderen Angeboten findet Ihr unter : www.hotel-talschenke.de. Nach der Verabschiedung von Defender ging es schnell Duschen, dann auf eine leckeres
Abendessen und schließlich zu unserem "Chef" für den heutigen Abend und den nächsten Tag, Herrn Bernd Henkelmann (Oberstabsfeldwebel a.D).
Im einen lauschigen Nebenzimmer der Talschenke erwartete uns ein lehrreicher, interessanter und spannender Abend, mit einem "Mann vom Fach". Zusammen mit einem netten Pärchen aus der Schweiz
lauschten wir seinem Vortrag und alle unsere Fragen wurden auf das genaueste beantwortet.
So langsam machten sich die Strapazen des Tages bemerkbar und nach einem kurzen "Absacker" fielen wir totmüde ins Bett. Wir waren beide so fertig, dass wir nicht einmal mehr unser gegenseitiges
Schnarchkonzert wahrnahmen und fielen in einen tiefen, wenn auch von den Eindrücken des Tages gefesselten, Schlaf.
Der folgende Tag begann mit einem leckeren Frühstück in der warmen Gaststube. Gegen 10.30 Uhr erschien Herr Henkelmann und auch unsere Schweizer Freunde kletterten aus ihrem Wohnmobil.
Dann ging es los in Richtung Ehrenfriedhof Vossenack, den wir bei strömenden Regen besuchten. Am Ehrenmal der Windhund-Division setzte Herr Henkelmann seine fesselnde Führung fort und nach einem
Besuch des Friedhofes Hürtgen stand das Hürtgenwald-Museum auf dem Programm. Auch mein zweiter Besuch des Museum war wieder lehrreich und spannend zugleich, entdeckt man doch immer wieder Neues. Die
persönliche Führung durch Herr Henkelmann war wieder immens interessant gestaltet und viele Abläufe, aber auch Missverständnisse und Fehler bei der Allerseelenschlacht, wurden uns dadurch erst
richtig klar.
Weiter ging es mit dem Hotelbus an die verschiedensten Kampfstätten um Hürtgen, Schmidt und Kammerscheidt. Wir haben wirklich sehr viel über diese Schlacht gelesen, aber an den jeweiligen Plätzen
dieses Dramas und aufgrund der hervorragenden Kenntnisse von Herr Henkelmann, wurde uns das ganze Ausmaß erst mit dieser Führung so richtig bewusst.
In Gedanken marschierte man mit den amerikanischen Truppen gegen Hürtgen und Schmidt und dies auf den gleichen Wegen, die vom Blut der Soldaten getränkt wurden. Beim Abstieg in den sogenannten
Kall-Trail, wurde uns die damalige verhängnisvolle Fehleinschätzung des amerikanischen Oberkommandos, dann so richtig bewusst. Wie sollten auf diesem Weg, die dringend zur Unterstützung der bei
Schmidt kämpfenden amerikanischen Infanterie benötigten Panzer und Panzerjäger, dass Tal der Kall überwinden ? Was muss sich auf diesem kaum wagenbreiten Steilweg alles abgespielt haben ? Wie viele
persönliche Schicksale, auf deutscher und amerikanischer Seite, haben hier ein grausames und sinnloses Ende gefunden? Man kann dies nur verstehen, wenn man die Gegebenheiten vor Ort das erste Mal
sieht. Kein Buch, kein Film und auch nicht diese Zeilen, können das darstellen was hier im Winter 1944 zur bizarren Wirklichkeit wurde.
Nach einer kurzen Brotzeit in der Mestrenger-Mühle besuchten wir die Kallbrücke, Ort des durch den deutschen Assistenzarzt Dr. Stüttgen ermöglichten Verwundenenaustausches im November 1944. Ein Akt
von Menschlichkeit in der Hölle des Kalltales. Seit diesem Jahr befindet sich dort auch endlich eine Gedenktafel mit Informationen zu diesem humanitären Vorgang. So erfährt auch der
Wochenend-Wanderer vom geschichtsträchtigen Boden auf dem er seine Kreise zieht und wird bei zukünftigen Besuchen des Hürtgenwaldes, vielleicht mit offeneren Augen, diese Wege beschreiten. Der hier
kämpfende Soldat hätte dieses stille Andenken verdient und der junge Wanderer, sollte diese Ereignisse als Mahnung in sich vertiefen.
Nach einem Kurzbesuch der Höckerlinie ging es zurück in unser Hotel und wir ließen zusammen mit dem Schweizer Pärchen diese erlebnisreichen und zugleich ergreifenden Tage
ausklingen.