Soldatenfriedhof Ysselsteyn
Mehr als 31.000 Kreuze ...
In Ysselsteyn ruhen alle im Zweiten Weltkrieg in den Niederlanden gefallenen oder verstorbenen Deutschen, soweit sie nicht in die Heimat überführt wurden. Am 15. Oktober 1946 hat der niederländische Gräberdienst mit den Umbettungen begonnen. Unteroffizier Johann Siegel war der erste Gefallene, der auf dem Gräberfeld eingebettet wurde.Von Maastricht bis zur Insel Ameland lagen die gefallenen deutschen Soldaten über das gesamte Land verstreut. In Ysselsteyn ruhen auch etwa 3.000 deutsche Soldaten, die noch in den letzten Kriegsmonaten im Hürtgenwald oder bei der Ardennen-Offensive fielen und vom amerikanischen Gräberdienst zunächst neben dem amerikanischen Soldatenfriedhof Margraten (8.301 Gefallene) beerdigt worden waren. Zudem fanden 1.700 im Gebiet um Amheim gefallene Deutsche in Ysselsteyn ihre letzte Ruhe. Hier ruhen auch die Prinzen von Seyn-Wittgenstein und Lippe-Weißenfeldt.
Auf dem Soldatenfriedhof haben neben Deutschen auch Niederländer, Polen und Russen, die als Freiwillige in Verbänden der Wehrmacht gekämpft hatten, eine letzte Ruhestätte gefunden. 475 deutsche und georgische Gefallene wurden im Frühjahr 1949 von der Insel Texel ("Aufstand der Georgier", 5./ 6. April 1945) nach Ysselsteyn überführt. Sie gehörten zum deutsch-georgischen Infanteriebataillon 822., das im Zuge des Ausbaus des Atlantikwalls auf Texel stationiert worden war.Verstorbene Männer, Frauen und Kinder aus dem Internierungslager in Vugcht, südlich von 's Hertogenbosch, bekamen inmitten der gefallenen Soldaten ebenso ihr Grab. Einst waren in Ysselsteyn auch italienische Kriegstote bestattet. Sie wurden später ausgebettet und in die Heimat überführt.
In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Dienststelle in Berlin und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge konnte der niederländische Gräberdienst nach Öffnung der Gräber mit Unbekannten noch 7.330 Tote identifizieren.
Untrennbar mit der Geschichte des Friedhofes in Ysselsteyn verbunden ist der niederländische Hauptmann Ludwig Johann Timmermans, der im Auftrage seiner Regierung von 1948 bis 1976 dort als Verwalter tätig war und als "Vater des Soldatenfriedhofes Ysselsteyn" gilt. Timmermans, der nach seiner Pensionierung noch viele Jahre lang immer wieder auch Jugendliche zusammenführte und ihnen die Geschichte des Friedhofes näherbrachte, starb 1995. Seinem letzten Wunsch entsprechend, wurde Timmermans kremiert und die Asche über den Friedhof in Ysselsteyn verblasen. Ein Gedenkstein unweit des Hochkreuzes erinnert an den niederländischen Freund.
Am 1. November 1976 übergab die niederländische Regierung die Kriegsgräberstätte Ysselsteyn in die Obhut der Bundesrepublik Deutschland und damit des Volksbundes, der die Anlage seitdem verwaltet und pflegt. Anlässlich der Übernahme des Friedhofes sagte Prof. Dr. Willi Thiele, damaliger Präsident des Volksbundes, am 7. November 1976 u.a.:
Jedes Kriegsgrab ist ein Aufruf, der Gewalt zu entsagen; Kriege lösen keine Probleme, sie schaffen nur Ungerechtigkeiten und Leiden.
Vom Mai 1977 bis zum Oktober 1981 wurden durch Soldaten der Bundeswehr, vorrangig Einheiten aus Nordrhein-Westfalen (NRW), neue Grabkreuze gesetzt. 1982/ 83 erfolgte die Neugestaltung des zentralen Gedenkplatzes und der Gemeinschaftsgräber nach Plänen des Volksbund-Architekten Dr. Georg Fischbacher. Das von Angehörigen gespendete Glockenspiel, das ursprünglich im Eingangsbereich aufgestellt war, steht nun unmittelbar am Gedenkplatz. Alle 30 Minuten spielt es ein Lied.
Vom Parkplatz aus erreicht man den Friedhof über einen mit hohen Rhododendren beidseitig bepflanzten Weg. Auf der linken Seite ist ein Besuchergebäude, in dem die Belegungslisten ausliegen, eine kleine Ausstellung mit einer mehrsprachigen Videodokumentation zur Geschichte des Friedhofes und der Arbeit des Volksbundes aufgebaut ist, wie auch ein Verwalterbüro und sanitäre Anlagen untergebracht sind.
Der Friedhof hat eine Fläche von 30 ha und ist damit die flächenmäßig größte deutsche Kriegsgräberstätte in der Welt. 31.598 Kriegstote haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Der Friedhof ist in 106 Blöcke, meist zu 12 Reihen zu je 25 Gräbern, unterteilt. Fast alle Gefallenen ruhen in Einzelgräbem. Beiderseits eines Querweges nach beiden Richtungen vom zentralen Gedenkplatz aus, befinden sich einige Gemeinschaftsgräber. Ein 600 m langer Weg führt gerade durch den Friedhof.
Im linken vorderen Teil der Friedhofsanlage ruhen 85 Kriegstote des Ersten Weltkrieges, die von Maastricht und anderen Gemeinden hierher überführt wurden. Ein Sarkophag aus Muschelkalk auf einem kleinen Erdhügel bildet das Ehrenmal (1937 durch den Volksbund gestiftet). 72 Kreuze sind ringförmig um den Sarkophag angelegt und kennzeichnen die Einzelgräber. 13 Gefallene ruhen in einem gemeinsamen Grabe unter dem Sarkophag. Ihre Namen stehen auf dem Ehrenmal.
Ruht in Frieden
Wir bedanken uns aus auf das herzlichste für das wunderbare Bildmaterial bei Christian Radtke aus Langerwehe.