Chronologie der Schlacht
Nach dem Angriff des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 und der Gegenoffensive der Roten Armee im Winter desselben Jahres wurde für den Sommer 1942 eine neue Offensive geplant, die zum Ziel hatte, die sowjetischen Ölfelder im Kaukasus einzunehmen (Operation Blau). Ein weiteres wichtiges Ziel wurde die Stadt Stalingrad – zum einen wegen ihrer industriellen und geografischen Bedeutung, da hier die Schifffahrt auf der Wolga verhindert werden konnte, zum anderen wegen ihrer symbolischen Bedeutung.
Geführt wurde der Angriff auf Stalingrad vom deutschen Generaloberst Friedrich Paulus. Er befehligte die circa 200.000 bis 250.000 Mann starke 6. Armee und Teile der 4. Panzerarmee, sowie diverse rumänische und italienische Divisionen. Auch ein kroatisches Kontingent befand sich unter seinem Kommando. Nach anfänglichen Verzögerungen durch die Belagerung Sewastopols und Eingriffen Hitlers in die militärische Planung begann der Angriff am 28. Juni 1942. Eine weitere deutsche Armee der Heeresgruppe Süd griff unterdessen Ziele im Kaukasus an. Ende August erreichten die Spitzen der 6. Armee das Ufer der Wolga. Vor ihnen lag nun das Ziel, ein Stadt mit Namen Stalingrad, die zum Schicksal Hunderttausender werden sollte.
Die Schlacht um Stalingrad begann mit schweren Luftangriffen am 23. August 1942. Auf Befehl Stalins durften die Zivilbevölkerung aus Stalingrad nicht evakuiert werden. Stalin meinte dies würde die Moral der kämpfenden Truppen steigern.
Zum Zeitpunkt der Angriffe hielten sich ca. 600.000 Menschen in der Stadt auf. In den ersten Tagen der Schlacht kamen über 40.000 Zivilisten bei Luftangriffen ums Leben. Erst Ende August begann man Einwohner in Gebiete jenseits der Wolga anzusiedeln. Doch für eine vollständige Evakuierung Stalingrads war es bei einer so großen Bevölkerungszahl zu spät. Um die 75.000 Bewohner mussten in der bereits zerstörten Stadt bleiben.
Am 25. August, als deutsche Vorauskommandos die Wolga bei Rynok unmittelbar nördlich von Stalingrad erreichten, verhängte Stalin den Belagerungszustand über die Stadt.
Nach der Verhängung des Belagerungszustands wurde Generalmajor Kolpaktschi als Oberbefehlshaber der 62. Armee abgelöst und durch Generalleutnant Tschuikow ersetzt. Kolpaktschi hatte bezweifelt, die Stadt gegen die deutschen Truppen entsprechend Stalins Befehl halten zu können.
Die russischen Verteidiger verwandelten jedes Haus und jede Kreuzung in eine Festung, und je weiter die Deutschen in die Stadt vordrangen, desto heftiger fiel der sowjetische Widerstand aus. Besonders heftig waren die Kämpfe im Stadtzentrum Stalingrads um die beiden Bahnhöfe, das Getreidesilo, das Pawlowhaus, den Mamajew-Hügel (deutscherseits als Höhe 102 bezeichnet, auch Mamai-Hügel genannt), sowie die großen, im Norden gelegenen Fabrikanlagen Roter Oktober, Rote Barrikade und das Traktorenwerk Felix Dserschinski.
Trotz erbittertstem Widerstandes der Roten Armee gelang es den deutschen Verbänden, bis zum Beginn der sowjetischen Gegenoffensive, entlang des Don und südlich von Stalingrad ausgehend zirka 90 Prozent des Stadtgebietes zu erobern, nicht jedoch die gesamte Stadt, wie es Hitlers Befehl vorsah.
Die deutschen Streitkräfte wurden jedoch am Morgen des 19. November 1942 durch die Operation Uranus von sowjetischen Streitkräften der Don-Front unter Rokossowski und Watutin, die durch die 3. rumänische Armee durchgebrochen waren, innerhalb von fünf Tagen durch eine Zangenbewegung eingeschlossen. Die 3. rumänische Armee konnte sich nicht lange halten, da sie erstens eine überdehnte Flanke sichern sollte und zweitens ungenügend ausgerüstet war, um die sowjetischen Panzer zu stoppen. Der Vorstoß der Sowjets ging rasch voran, da zum Zeitpunkt des Unternehmens Uranus einerseits schlechtes Wetter herrschte und die deutsche Luftwaffe nicht eingreifen konnte sowie andererseits die Flanken der Achsenmächte nur durch ungenügend ausgestattete Truppen gesichert waren.
Seit dem 22. November war die 6. Armee völlig von sowjetischen Truppen eingekesselt. Paulus und sein Stab planten, zunächst die Fronten zu stabilisieren und dann nach Süden auszubrechen. Schon zu diesem Zeitpunkt mangelte es aber an der notwendigen Ausrüstung für ein solches Unternehmen.
Am 24. November entschloss sich Hitler endgültig, den Kessel aus der Luft zu versorgen, nachdem Hermann Göring ihm versichert hatte, die Luftwaffe sei in der Lage, den benötigten Mindestbedarf von 550 Tonnen täglich einzufliegen. Angeblich wurden sowohl Göring als auch Hitler von den Generalstäben des Heeres und der Luftwaffe darüber informiert, dass dies nicht möglich sei. Der höchste Versorgungsumfang wurde am 19. Dezember 1942 mit 290 Tonnen erreicht, an manchen Tagen konnten jedoch wegen des schlechten Wetters keine Versorgungsflüge durchgeführt werden. Vom 25. November 1942 bis zum 2. Februar 1943 konnten im Durchschnitt anstelle der versprochenen 500 Tonnen täglich nur 94 Tonnen eingeflogen werden.
Am 24. November wurden die Rationen der Soldaten halbiert und die Brotzuteilung auf täglich 300 Gramm festgelegt und in der Folgezeit auf 100 Gramm, gegen Ende auf lediglich 60 Gramm pro Mann reduziert.
Die Versorgung aus der Luft, für die in erster Linie das VIII. Fliegerkorps der Luftflotte 4 zuständig war, brach weiter zusammen, als die Flugplätze Tazinskaja und Morosowskaja außerhalb des Kessels, und der Flughafen Pitomnik innerhalb des Kessels von der Roten Armee erobert wurden und eine Versorgung nur mehr über den notdürftig hergerichteten Feldflugplatz Gumrak durchgeführt werden konnte. Die meisten der eingekesselten Soldaten starben deshalb auch nicht infolge von Kampfhandlungen, sondern an Unterernährung und Unterkühlung.
Ein weiteres für die Soldaten und Offiziere im Kessel wesentliches Problem war, dass über diese Versorgungsflugplätze auch der Abtransport der Verwundeten erfolgen musste. Insbesondere nachdem nur noch der Flugplatz Gumrak zur Verfügung stand, mussten die Flugzeugbesatzungen oft genug unter Waffengewalt die Verzweifelten davon abhalten, sich an die Flugzeuge zu hängen, was ihnen nicht immer gelang. So kam es vor, dass sich Männer beispielsweise an den Fahrgestellen der startenden Maschinen festhielten, bis die Kräfte sie verließen und sie abstürzten.
Unter Leitung von Generalfeldmarschall Erich von Manstein wurde vom 12. Dezember bis 23. Dezember 1942 durch den Großteil der Panzergruppe Generaloberst Hoth ein Entlastungsangriff zur Befreiung der 6. Armee (Unternehmen Wintergewitter) geführt. Federführend war hier das LVII. Panzerkorps mit der Speerspitze der 6. Panzerdivision unter General der Panzertruppe Rauss. Die 6. Armee hätte unter dem Stichwort Donnerschlag den Angriff vom Kesselinneren in Richtung der Panzergruppe Hoth beginnen sollen, um den Ausbruch gelingen zu lassen. Ausgehend von Kotelnikowo südlich von Stalingrad scheiterte dieser Entlastungsangriff 48 km vor Erreichen des Kessels an der starken sowjetischen Gegenwehr durch die 2. Sowjetische Gardearmee und das VII. Sowjetische Panzerkorps. Dennoch hörten die eingeschlossenen Soldaten den Geschützdonner und waren voller Hoffnung auf die baldige Befreiung. Die Parole dieser Tage lautete: „Haltet aus, Manstein haut uns raus“. Ob dieser Befreiungs- und Ausbruchsversuch aus dem Kessel der 6. Armee allerdings gelungen wäre, ist unsicher, zumal die 6. Armee insgesamt nur noch über rund 50 einsatzbereite Panzer verfügte.
„Alle sieben Sekunden stirbt in Russland ein deutscher Soldat. Stalingrad – Massengrab",
mit dieser Lautsprecherdurchsage, dem das monotone Ticken einer Uhr folgte, sollten die deutschen Soldaten zur Aufgabe bewegt werden. Diese Programme wurden auf mobilen Grammophonen abgespielt und über riesige Lautsprecher (auf Transportern oder teilweise auf Schlitten mit langen Kabeln montiert) verbreitet. Ulbricht und Genossen lehrten die sogenannten „Ausrufer“ der sowjetischen Armee, so nah wie möglich an die deutschen Linien zu kriechen und dort die antifaschistischen Parolen sowie Nachrichten über Megaphone auszurufen. Über diese Lautsprecher wurde unter anderem der beliebte alte Schlager mit dem Refrain „In der Heimat, in der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehn!“ verbreitet. Ein Großteil der sowjetischen Einsatzkräfte wurde bei diesen Unternehmen getötet.
Trotz der aussichtslosen Lage lehnte Paulus am 8. Januar 1943 die Aufforderung der sowjetischen Seite zur Kapitulation ab. Nach weiteren Angriffen der Roten Armee auf die noch verbliebenen deutschen Stellungen stellte der Kommandeur der 71. Infanterie-Division, Generalmajor Roske, am 31. Januar die Kämpfe im Südkessel ein. Hier befand sich auch der Gefechtsstand von Generalfeldmarschall Paulus. Am Morgen des 31. Januar wurde durch Funkspruch aus dem Führerhauptquartier die Beförderung von Generaloberst Paulus von Hitler zum Generalfeldmarschall bekannt gegeben. Unmittelbar darauf kam Generalmajor Laskin, Chef des Generalstabes der 64. Sowjet-Armee, in den Gefechtsstand des Oberbefehlshabers der 6. Armee. Hier erfolgten sodann die Übergabeverhandlungen des Südkessels. Da sich bis dahin noch kein Generalfeldmarschall der Wehrmacht in Gefangenschaft begeben hatte, wollte Hitler mit dieser Beförderung zusätzlich Druck auf Paulus ausüben, unter allen Umständen die Stellung zu halten – oder aber er forderte Paulus damit indirekt zum Suizid auf. Der Diktator tobte, als er von der Gefangennahme hörte, die er selbst ausdrücklich verboten hatte. Paulus aber hatte all seinen Offizieren Suizid ausdrücklich verboten mit der Begründung, sie hätten das Schicksal ihrer Soldaten zu teilen.
Am 2. Februar 1943 erlosch dann der Widerstand des XI. deutschen Armeekorps im Nordkessel und General der Infanterie Karl Strecker als Kommandierender General stellte die Kampfhandlungen ein. Eine offizielle Kapitulation gab es nicht. Paulus ging mit seinem Stab und weiteren 30 Generälen in die Gefangenschaft. Von den anfänglich circa 220.000 Soldaten gingen 108.000 in sowjetische Kriegsgefangenschaft und nur 6.000 kehrten wieder in ihre Heimat zurück, die restlichen fielen (circa 40.000 wurden ausgeflogen) oder starben in der Gefangenschaft. Von den deutschen Soldaten, die den Kessel nicht mehr verließen, starb jedoch der Großteil nicht bei Kampfhandlungen, sondern erfror, verhungerte oder kam durch Krankheiten ums Leben. Am Ende der Schlacht um Stalingrad lagen in den Trümmern der völlig zerstörten Stadt etwa 169.000 gefallene deutsche Soldaten und die Kadaver von ca. 52.000 Wehrmachtspferden. Die Verluste auf sowjetischer Seite in Stalingrad werden auf etwa eine Million Zivilisten und Soldaten geschätzt.
In Erinnerung an die Opfer aller Seiten