Auf einer Fahrt in die Vergangenheit mit Erich Bissoir ...
An dieser Stelle haben wir die große Freude Herrn Erich Bissoir, auf seiner ganz persönlichen Fahrt in die Vergangenheit, begleiten zu dürfen. Dieser Menüpunkt wird in regelmäßigen Abständen erweitert werden.
Wir danken Dir lieber Erich, für diese ganz persönlichen Einblicke, bei deiner „Spurensuche in der Normandie.
Spurensuche in der Normandie
Versöhnung über Gräbern
Vom 4. bis 8. Juni 2010
66 Jahre nach Beginn der Invasion habe ich mich aufgemacht um noch einmal die Stätten zu besuchen, die mein Leben danach in besonderer Weise beeinflusst haben. An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem Freund Klaus Gohde, für die Unterstützung danken, die er mir als Fahrer und Dolmetscher geleistet hat. Ihm verdanke ich auch, dass ich von einem britischen Veteranenverband zu einer Gesprächsrunde und zum Gedenken am britischen Soldatenfriedhof in Bayeux eingeladen wurde.
Der erste Tag:
Bevor wir am 4. Juni unser Ziel in Caen ansteuerten besuchten wir den deutschen und britischen Soldatenfriedhof in St.Dèsir de Lisieux.
Nach der Landung der Alliierten am 6.Juni 1944 bestattete der britische Gräberdienst in unmittelbarer Nachbarschaft eines britischen Soldatenfriedhofes in St Dèsir de Lisieux auch deutsche Gefallene. Insgesamt haben 3735 Gefallene hier ihre letzte Ruhestätte erhalten.
Beide Friedhöfe sind durch einen Weg verbunden der als „Straße des Friedens“ bezeichnet wird.
Ruhet in Frieden – Rest in Peace
Der 2. Tag
Treffen mit britischen Veteranen
Am Abend des 5. Juni folgte ich, zusammen mit meinem Freund Klaus, einer Einladung der Organisation „D-Day Revisited British Veterans return to Normandy“ zu einem Gespräch im Hotel der Veteranen in Caen.
Mit Spannung und einer leichten Beklemmung machten wir uns auf den Weg ins Hotel der Briten. Ich, als einziger deutscher Veteran soll nun den etwa 100 britischen Veteranen Rede und Antwort stehen und dazu noch als Angehöriger der ehemaligen 12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend – ob das mal gut geht?.
Im Hotel wurden wir von der Sekretärin der Organisation, Frau Victoria Phipps sehr freundlich begrüßt, was unseren Bammel abschwächte. Frau Phipps machte uns mit dem Ablauf der Begegnung bekannt. Demnach sollte das Gespräch in einer kleinen Gruppe stattfinden um das Frage- und Antwortspiel auf die Vorgänge konzentriert werden, so wie ich sie damals erlebt habe.
Die britischen Veteranen waren noch mit dem Abendessen beschäftigt und die Wartezeit nutzte ein englisches Fernsehteam mit mir ein Interview zu machen. Dabei habe ich mich vorgestellt und meine militärische Laufbahn und meinen Einsatz während der Invasion geschildert.
Nun war die Zeit gekommen um mich in den Kreis britischer Veteranen zu wagen. Ich war erstaunt wie entspannt die Gespräche stattgefunden haben und wie interessiert die Briten meiner Darstellung der Invasionskämpfe gefolgt sind. Ich hatte Karten und Bilder vom damaligen Kampfgeschehen mitgebracht, die rundum gereicht wurde. Dabei war mir mein Begleiter und Freund Klaus sehr behilflich als Dolmetscher, denn trotz beiderseitigem Bemühen, „mit Händen und Füßen“ zu erklären, wären viele Fragen offen geblieben. Je mehr die Zeit vorrückte, umso mehr wurde dann auch von persönlichen Dingen gesprochen.
Dieser Abend brachte für mich die Erkenntnis, dass 66 Jahre nach den Ereignissen in der Normandie, die Soldaten beider Seiten, Versöhnung wollen mit dem Bestreben nie wieder solch ein wüstes Grauen für sich ihre Kinder erleben zu müssen. Dass dabei auch eine Freundschaft entstanden ist, macht dieses treffen noch wertvoller.
Für den kommenden Tag wurde ich dann zur Gedenkfeier auf dem britischen Soldatenfriedhof in Bayeux eingeladen. Dies empfand ich als große Ehre.
Ein kanadischer Veteran sagte mir am Vorabend auf die Frage, dass wir doch Feinde waren:
„Wir Soldaten waren keine Feinde – Feinde waren unsere Regierungen!“
Die Rechte für Bild, Video und Text liegen bei Herrn Erich Bissoir