Volkhard Emmerlich

Im Juli 2009 freuten wir uns sehr über die Kontaktaufnahme zu Volkhard Emmerlich. Er hatte unsere Seite besucht und schrieb uns eine sehr nette und spannende E-Mail. Wir kamen in regen Schriftverkehr, telefonierten sehr oft und bekamen die Erlaubnis seine ganz persönliche Geschichte zu den Tagen nach dem D-Day 1944 zu veröffentlichen. Im Juni 2012 verstarb er nach schwerer Krankheit. Wir werden ihn nie vergessen.

 

 

Quelle: Emmerlich Privat (Photo Wehrpass)
Quelle: Emmerlich Privat (Photo Wehrpass)

 

 

Der Ort ! (Quelle: US National Archives)
Der Ort ! (Quelle: US National Archives)

Volkhard Emmerlich war Angehöriger der 3. Fallschirmjäger-Division (1. Bataillon, 9. Regiment, 14. Kompanie Panzerjäger, 3. Zug, Zugführer Stabsfeldwebel Peters).

Stationiert war Emmerlich in Loperhet bei Brest. Im Fußmarsch (wegen fehlender motorisierter Fahrzeuge) marschierten er und seine Einheit, nach Beginn der Landung am 06. Juni 1944 zu ihrem Einsatzziel Saint-Lo. Saint-Lo war bei ihrem Eintreffen allerdings bereits in der Hand der Alliierten.

Von da an war seine Einheit immer an der vordersten Front.  Aus drei Kesseln mussten sie sich unter großen Verlusten heraus kämpfen. U.a. der bekannte „Kessel von Falaise“.

An der Hauptkamplinie nahe der Orne wurde Emmerlich am 18. August  1944 verwundet. Bei seinem Transport zum Hauptverbandsplatz passierte er dabei diese, von Bildern sehr bekannte Stelle, im Kessel von Falaise. Dieses Bild hat sich in die Erinnerung von Emmerlich förmlich eingebrannt.

Am 20. August erreichten die britischen Einheiten den Hauptverbandplatz (der an besagter Straße in einem Chateau lag) und übernahmen ihn. Emmerlich wurde in ein Lazarett nach England transportiert. Für ihn waren die Kämpfe um Frankreich und der Krieg vorbei.

 

Hier das Bild aus seinem Kriegsgefangenenausweis.

Quelle: Emmerlich Privat
Quelle: Emmerlich Privat

 

 

 

Volkhard hat uns am 14.12.2010 Bilder von einem Veteranentreffen des 9. Regiment zukommen lassen. Dieses fand vom 17.-19.09.2010 statt. 

 

 

 

Wichtig!

 

Am 16.11.11 erhielten wir den letzten Brief von Herr Emmerlich. 

 

 

Werter Herr Alexander Hagl,

ich möchte mich mit einer Bitte an Sie wenden. Da ich erst jetzt das Buch von Frühbeißer – „Opfergang der Fallschirmjäger“ besitze, sind in mir viele Erinnerungen wach geworden.

So z.B. der Tag an dem ich verwundet wurde, der 18.August 1944. Es war in einem Bauernhaus mit Seitengebäuden, wir hatten uns in dem Wohnhaus gemütlich gemacht. Da das Haus in Feindeissicht lag, mussten wir besonders vorsichtig sein. Der größere vom Rest meiner Kameraden war in einem Kleineren Nebenraum der Bauernstube untergekommen. Da kamen plötzlich noch Kameraden vom Heer zu uns und als sie den Kamin, welcher nur zum Anzünden vorbereitet war, sahen konnten wir so schnell gar nicht verhindern wie sie das Feuer angezündet hatten. Als wir ihnen deutlich machen konnten dass wir in Feindeisicht liegen, war es schon zu spät und die ersten Werfer Granaten schlugen auf dem Dach ein. Da ich mich durch herabfallenden Putz von der Decke des Raumes schützen wollte, setzte ich mich unter den großen schweren runden Tisch im Raum. Zu vor hatte ich in voller Größe vor unserem Sanitäter gesessen, welcher wiederum vor eine Fester saß, welches den Blick zu einem Flusstal zeigte, man sagte mir es sei die Orne. Ich kann mich noch genau erinnern dass das gegnerische Granatfeuer ziemlich gezielt auf uns lag. So dauerten auch nicht lange, bis Geschoß zwischen der Haustür und dem Splitterschutz aus Reisig Faschinen einschlug, es wurde finster und ich sah hell leuchtende Funken auf mich zukommen. Ich fand mich an dem großen Bauernbett wieder, der Tisch unter welchem ich gesessen hatte, lag umgekippt vor dem Sanitäter. Ich hatte einen höllischen Schmerz an meinem linken Knie. Der Ruf nach dem Sanitäter war erfolglos, er  hatte einen Splitter im Hals und war verblutet. Ich wurde mit einen zweiten Verwundeten auf einem Seitenwagen Motorrad zum nächsten VVPL gebracht, welcher schon zum Absetzen bereit war und von da auf Straße, von welche ich Ihnen das Bild geschickt hatte, zum nächsten HVP und von da in die Gefangenschaft.

Meine Frage ist nun, ist das Ereignis, welches der Kamerad Frühbeißer unter dem 19.08.44 beschrieben hatte identisch, oder hat es nicht damit zu tun?

Da ich von dem Kameraden Frühbeißer keine Anschrift habe wüsste ich mich nicht an jemanden zu wenden.

Mit freundlichen Grüßen und Horrido Volkhard Emmerlich